Scheu Analog
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Hörerlebnis

zingali datenZugegebenermaßen ist die fast schon barocke Formgebung dieser Lautsprecher sicherlich nicht jedermanns Sache, hebt sich jedoch wohl gerade deshalb von "herkömmlichen" Konzepten in so individueller Weise ab. Alles andere als konventionell ist dabei auch die musikalische Darbietung über diese Schallwandler. Es ist sicherlich nicht leicht, mein subjektives Hörempfinden möglichst wertneutral auf diesen Schallwandler zu übertragen. Daher ist eventuell die Frage nahe liegender, welche Ansprüche man an einen Lautsprecher stellt und natürlich, zu welcher tonalen Grundtendenz dieser neigt?

audiodata
Klangfluss

Anspruch an die Lautsprecher

Ich höre gerne Live-Aufnahmen, bei denen die Musik, respektive der Interpret, sich vermeintlich im Hörraum befindet! Zu meinen musikalischen Vorlieben zählen dabei Rock, Jazz, Pop und Blues, aber auch Klassik darf es sein.

Nun war es - vor den Zingalis - so, dass es mit meinen bisherigen (nicht gerade billigen) Lautsprechern immer nach Hifi geklungen hatte. Die Aufmerksamkeit galt zumeist der Auflösung mit Schlagwörtern wie Kontur, Transparenz, Räumlichkeit, Ortung usw.

zingaliDann stand, durch einen glücklichen Zufall, die Overture.3s in meinem Hörraum. Die Einzelbetrachtungen der genannten Schlagworte traten mit den ersten Tönen plötzlich in den Hintergrund, da das Musikgeschehen völlig selbstverständlich vor einem ausgebreitet wurde. Der Begriff Auflösung hatte nun eine andere Bedeutung für mich, nämlich nicht mehr nach einzelnen "Geräuschen" auf der Aufnahme zu suchen, sondern dieses Liveerlebnis möglichst authentisch zu genießen und demzufolge diesem Klangbild begünstigende Elektronik auszuwählen.

Tonale Grundtendenz als Gesamterlebnis

Die tonale Grundtendenz der Lautsprecher scheint hier einen signifikanten Schriftzug seines Erschaffers zu tragen. Giuseppe Zingali gibt seinen Produkten offenbar die italienische Mentalität mit auf den Weg, was sich in diesem ungemeinen Spielwitz niederschlägt. Der Vergleich zur z.B. recht schnellen, dabei immer bedacht betonten, fast schon melodisch klingenden italienischen Sprache, verbunden mit dieser emotionalen Lebensart einiger Bereiche, findet sich in diesen Lautsprechern gewissermaßen wieder.

Klangbeispiele:

Die Umsetzung dynamischer Attacken durch beispielsweise ein Schlagzeugsolo - wobei die Bassdrum hart angespielt, die zingaliSnaredrum gnadenlos mit den Sticks malträtiert wird und dabei die Becken geradezu verspielt bedient werden - schüttelt dieser Hornlautsprecher so locker und austrainiert aus dem Ärmel, dass es eine wahre Freude ist. Auch das Klangspektrum eines Klaviers, mit seinem großen Tonumfang, reproduzieren die Zingalis nahezu unbeeindruckt. Dabei überraschen diese Lautsprecher immer wieder erneut mit ihrer Direktheit. Hart angespielte Töne werden so gnadenlos naturgetreu wiederzugeben, wie es wohl nur einem Hornsystem gelingt.

Das Horn hebt sich hier jedoch nicht in besonderer Weise hervor, sondern fügt sich angenehm und flüssig in das Gesamtgeschehen ein. Die Bässe dieses Lautsprechers bedürften eigentlich einer eigenen Beschreibung, da diese so dermaßen auf den Punkt spielen, wie ich es höchst selten erlebt habe. Eine hart aufgehangene Jazzbassdrum tönt so sehnig trocken, dass man meint, die Chassis würden nach dem Anschlag festgehalten, während eine Rockbassdrum (zumeist größerer Korpus) einen herrlichen tiefen Druck erzeugt. Es sind jedoch nicht nur Merkmale wie diese livehaftigen Dynamiksprünge, das besondere Timing und die natürliche Geschlossenheit, welche diesen Lautsprecher zu etwas besonderem machen, sondern, bei gegebener Aufnahme, auch die Ausleuchtung der kleinsten Winkel von Aufnahmeräumen.

Das Beste zum Schluss. Gesangstimmen!

Es gibt diverse Interpreten, die etwas Besonderes bzw. Prägnantes in ihrer Stimme tragen. Ray Charles, Barry White sowie Seal mit ihren rauen, heiseren und dennoch kraftvollen Stimmen, die so eindringlich Gefühle zum Ausdruck bringen können, dass man den Tränen nahe ist. Mit den Zingalis erfährt man nicht nur Gänsehaut, sondern hat den Interpreten so dermaßen realistisch vor sich, dass man meint, nur eine "Armlänge" entfernt zu sitzen. Mehr noch: Bei gegebener Aufnahme bekommt man deutlich mit, dass hier in ein Mikrophon gesungen wird, was die Detailverliebtheit dieser Schallwandler unterstreicht.

Kriterien zur Aufstellung:

Bei der Raumgröße sollte man im Falle der .3s beachten, dass min. 25qm zur Verfügung stehen. Ich arbeite in einem solchem Raum mit Fast Audio Pius und es funktioniert ausgezeichnet. Bei der Aufstellung habe ich die Lautsprecher leicht zum Hörplatz eingewinkelt, wobei diese jedoch nicht direkt auf den Hörer zeigen, sondern die Lautsprecherinnenseiten noch leicht sichtbar sind. Hierdurch wird die Darstellung sowohl in der Tiefe als auch in der Breite toll ausgeleuchtet, ohne dabei an Präzision zu verlieren. Im Übrigen muss man sich nicht genau mittig hinsetzen, um den Stereoeffekt zu erreichen, was wohl als aufstellungsunkritisch bezeichnet werden kann.

zingali