Und was bringt mir ein Kopfhörer nun wirklich?
Mit dem Kopfhörer bekommt man einen vollkommen neuen Einblick in seine Musik. Wenn man bisher nur über Lautsprecher gehört hat, kann es gut sein, dass man an vielen seiner Scheiben eine neue Seite kennen lernt.
Über den Kopfhörer werden ganz andere Details der Aufnahme in den Vordergrund gerückt und dadurch vielleicht erst wahrgenommen. Vielleicht hört man plötzlich eine kleine Glocke im Hintergrund, die das Anfangsthema wiederholt; es kommt eine vollkommen neue Struktur in die Aufnahme. Solche oder ähnliche Erfahrungen habe ich schon von einigen Kopfhörerneulingen gehört.

Natürlich muss man sich an den Kopfhörer erst gewöhnen. Man trägt etwas auf dem Kopf (wobei gute Modelle so hohen Komfort bieten, dass man sie nach kurzer Zeit vergessen kann) und der Klangraum bewegt sich mit einem selbst mit - deutlich anders, als dies mit Lautsprechern der Fall ist. Es gibt keinen spürbaren Körperbass bei Kopfhörern, trotzdem werden viele überrascht sein, wie tief ein guter Kopfhörer sauber spielen kann. Und schließlich spielt sich alles nah am Kopf ab und Stereoeffekte wirken viel extremer, aber gerade diese Nähe hat auch seine Reize:
Wenn einem Polly Jean Harvey zu Beginn von Legs
"Oh Oh Oh did I tell you you're divine
Oh Oh Oh Oh did I ever when you were alive"
ins Ohr haucht, dann ist man gepackt von dieser unglaublichen Intimität, die man bis dahin wahrscheinlich noch nicht erlebt hat. Kurz darauf spielt Diana Krall ihr wunderbares I've Got You Under My Skin in Paris und man hat das Gefühl, dass es noch nie so gestimmt hat, wie in diesem Moment. Am nächsten Abend dann das Unplugged-Konzert von Alanis Morissette und man hört zum ersten Mal das Öffnen der Lippen, um Luft zu holen.
Die unglaubliche Intimität und auch Intensität, mit denen einem der Kopfhörer diese Dinge darstellen kann, wird für viele eine neue Erfahrung sein.
Komplexe Arrangements von z.B. Radiohead, Kate Bush oder Björk werden in solch einer hohen Dichte wiedergegeben, dass man davon manchmal wirklich überwältigt wird. Trotzdem ist alles klar und deutlich aufgelöst und getrennt (die entsprechende Anlage vorausgesetzt). So wird man stärker in die Musik hineingezogen - speziell am Abend mit geschlossenen Augen.
Ein ganz besonderer Genuss auf den zumindest ich nicht mehr verzichten will und kann - man muss sich nur darauf einlassen ...