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leserBericht: Audreal A600 E | Verstärker | Preis: 3.990 Euro

Jetzt kommt es dicke

Audreal A600E
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Dezember 2011 / Frank Hakopians

Achtung, jetzt kommt es dicke: „Audioanlagen sind kein Statussymbol mehr. Sie sollen klein sein und sich in die Einrichtung fügen.“ Diese zwei Sätze fand ich neulich in einem angesehenen Magazin für Wohndesign und Architektur.

Über Statussymbole kann man sicher trefflich streiten und ob die liebevoll zusammengestellte Anlage eines Musikliebhabers zur Stützung seines Egos erforderlich ist, erscheint mir zumindest fraglich. Zu fürchten ist aber, dass der Urheber obiger Sätze sich auf den allgemeinen Verlust an Wertschätzung bezieht, den das Streben nach gutem Klang in unserer Gesellschaft während der letzten Dekade erfahren hat. Warum um Himmels Willen müssen Audiogeräte sich dem Trend zur Miniaturisierung fügen? Warum müssen sie immer kleiner werden, bis in ihren Gehäusen nur noch Platz für klanglich mediokre Schaltungen ist? Natürlich gibt es auch vernünftigen Klang aus kleinen Gehäusen und manchmal passt eben kein audiophiles Dickschiff in die gute Stube. Geschenkt. Aber als Diktat einer (Design-)Geisteshaltung, die sich anschickt, uns minderwertige Klangqualität als neuen Standard in der Musikwiedergabe unterzujubeln? Vielleicht auch noch mit freundlicher Unterstützung aus Brüssel? Nicht akzeptabel, denken Sie? Ich habe da so meine Zweifel, was die Breitenwirkung unserer doch eher überschaubaren audiophilen Gemeinschaft angeht. Jedenfalls solange die überwiegende Mehrheit ihren Bedarf an Audiogeräten in den einschlägigen Elektronikfachmärkten deckt.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Fernost. Dort baut der gar nicht so kleine Hersteller Xindak Verstärker nach alter Väter Sitte. Hierzulande werden die Geräte unter dem Firmennamen Audreal vertrieben. Feine Röhrenverstärker, gerne als Monoblöcke mit 845er-Bestückung oder sogar mit der berühmten 300B-Triode, sind dabei. Wobei man dem Hersteller offenkundig nicht nachsagen kann, dem Miniaturisierungswahn anheimgefallen zu sein. Audreal führt allerdings auch Transistor-Verstärker im Programm: Mein Interesse konzentrierte sich schließlich auf den „A600 E“ genannten Vollverstärker, den größten Integrierten im Portfolio von Audreal.

Audreal A600E

Dieser kommt im klassischen Gewand einer großen Endstufe daher. Die fingerdicke, massive Frontplatte und große Kühlrippen verweisen unmissverständlich auf seinen Bestimmungszweck. Form follows function, ja, so mag ich das. Unwillkürlich kommt einem der Begriff Heavy Metal in den Sinn. Der üppige Materialeinsatz allein lässt natürlich noch lange keine verlässlichen Aussagen über Wohl- oder Wehklang eines solchen Boliden zu. Darüber entscheidet einzig und allein der Stress-, Pardon, Hörtest in den eigenen vier Wänden.

Freundlicherweise lieferte mir Frank Koglin vom Audreal-Vertrieb den A600 E zuhause an. Er hatte sich vorab telefonisch nach meinem Gesundheitszustand erkundigt, was ich für eine höfliche Floskel gehalten hatte. Als er dann mit dem in einer Überseekiste verpackten A600 E in meiner Einfahrt stand und um Mithilfe beim Transport in meinen Hörraum bat, wurde ich der Ernsthaftigkeit seiner Frage gewahr. Man kann den Verstärker nämlich durchaus als kleine logistische Herausforderung begreifen, an der schmächtigere Staturen leicht scheitern könnten.

Audreal A600E

Frank Koglin und ich entpuppten sich dann aber als Team mit Zukunft und schließlich stand der Audreal A600 E in meinem Hörraum. Bei einem Nettogewicht von immerhin 53 kg ist vom alleinigen Hantieren mit dem Amp ernsthaft abzuraten. Beim Versuch des Anhebens sucht man intuitiv nach den Bolzen, mit denen das Teil im Fußboden verankert zu sein scheint.

Obwohl optisch und gewichtstechnisch eher an eine richtig fette Endstufe erinnernd, gibt sich der Vollverstärker letztlich durch den mittig auf der Front thronenden Lautstärkeregler als solcher zu erkennen. Der Regler ist, im Gegensatz zum ganz in schwarzem Aluminium auftretenden Verstärker, in mattem Silber gehalten. Darüber ist der „Audreal“-Schriftzug zu identifizieren. Leider in nicht gerade standesgemäßem Plastik und auch noch golden. Das war dann aber auch schon der einzig echte Stilbruch. Auf der Frontplatte finden sich noch zwei runde Taster zum Einschalten des Gerätes und zur Quellenwahl. Die angewählte Quelle wird, ebenso wie der Betriebszustand, durch blaue LEDs angezeigt. An der Rückseite gibt es doppelt ausgelegte Lautsprecherterminals zu bestaunen. Biwiring stellt also kein Problem dar.

Audreal A600E - Anschlussfeld

Eingangsseitig sind drei asymmetrische und ein symmetrischer Eingang zu vermelden. Wobei einer der Cinch-Eingänge mit „Direct“ beschriftet ist und die Vorverstärkersektion des A600 E überbrückt. Dieser kann so als reine Endstufe genutzt werden. Wer mehr als drei Quellen anschließen möchte, muss sich also woanders umsehen. Einen Phonoeingang sucht man ebenfalls vergebens, ohne externe Phonovorstufe geht in Sachen Vinyl leider gar nichts. Sie benötigen einen Subwooferausgang oder eine Tapeschleife? Wieder Fehlanzeige.

Allerdings scheint sich der Audreal-Amp dafür höchst liebevoll um die eingehenden NF-Signale zu kümmern. Nach Rückfrage in Chengdu in der chinesischen Provinz Szechuan, wo der A600 E gebaut wird, handelt es sich um ein echt symmetrisches Verstärker-Design. Das bedeutet doppelten Bauteileaufwand, da alle Verstärkerzüge zweifach pro Kanal vorhanden sein müssen. Unsymmetrische Signale werden nach dem Eingang umgehend symmetriert und dann entsprechend weiterverarbeitet. Ich persönlich hätte mir auch einen symmetrischen „Direct“-Eingang gewünscht, aber gut, man kann nicht alles haben.

Angesichts des heftigen Gewichts war ich gespannt auf einen Blick unter den Aludeckel des Vollverstärkers. Leider ist selbiger nicht ganz klapperfrei, dafür aber dreigeteilt und mit reichlich Lüftungsschlitzen versehen. Nachdem ich zehn Schrauben gelöst hatte und die drei Deckel endlich herunter waren, konnte ich mich des Anblicks von sage und schreibe 24 Kondensatoren zu je 10.000 Mikrofarad erfreuen. Eine Gesamtkapazität von 240.000 Mikrofarad sollte wohl für die allermeisten Gelegenheiten eine ausreichende Stromzufuhr bedeuten.

Audreal A600E

Neben dieser heftigen Kondensatorbank befindet sich ein 1,2 kW leistender Ringkerntransformator unter einer silbernen Abschirmhaube. Jeweils acht Sanken-Transistoren sitzen auf einer zentimeterdicken Kupferplatte und diese wiederum direkt auf den Kühlrippen, welche aufwändig oberflächenvergrößernd konzipiert und, auch heute noch nicht selbstverständlich, abgerundet sind. Eine gute Wärmeableitung scheint bei dieser Konstruktion Ziel der Planung gewesen zu sein. Das ist bei den 50 Watt, welche der Audreal A600 E laut Auskunft seiner Erbauer im reinen Class-A-Betrieb abgibt, bevor er in den AB-Modus wechselt, auch dringend nötig. Zwar scheinen mir 50 Class-A-Watt eine recht optimistische Angabe zu sein, ich muss aber zugeben, dass die nicht unerhebliche Wärmeentwicklung im Betrieb völlig ausreicht, um meinen 24 qm großen Hörraum konstant auf 22°C zu erwärmen. Wer maximale Leistung abfordert, wird mit 2 x 160 Watt an 8 Ohm respektive 300 Watt an 4 Ohm sicher nicht enttäuscht. Meinen Hörerfahrungen zufolge, würde ich hier eine eher konservative Einschätzung vermuten ...

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema