nubert
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

leserBericht: Velodyne SMS-1 und Anti-Mode 8033C - Einmesssysteme für Subwoofer | Preise: 950 Euro und 275 Euro

Glattgebügelt!

Velodyne SMS-1 und Anti-Mode 8033C - Einmesssysteme für Subwoofer

Bericht schreiben ...Sinn und Zweck des leserBericht-Formats ist es, interessante  aus der Feder von fairaudio-Lesern stammende Texte und Artikel uneingeschränkt authentisch wiederzugeben. Sämtliche Meinungen, Ansichten und Empfehlungen, die in diesen Berichten vertreten werden, sind deshalb grundsätzlich die des jeweiligen Autors - und nicht automatisch die der Redaktion.

Ihr fairaudio-Team


Juni 2010 / Ben Seemann

In den letzten Jahren wurden von großen und kleinen, bekannten und unbekannten Herstellern, Spezialisten und "Garagenfirmen", von Studio-Herstellern genauso wie von traditionellen Hifi- und Heimkino-Unternehmen Korrektursysteme für die Raumakustik angeboten. Speziell auch für die Integration und Korrektur von Subwoofern in die bestehende Anlage.

In diesem kleinen Erfahrungsbericht möchte ich zwei Vertreter der Gattung "Raumkorrektursystem" vorstellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wäre einerseits das vollautomatische Anti-Mode 8033C, sowie das manuell einzustellende Velodyne SMS-1.

Anti-Mode 8033C Velodyne SMS-1

Doch zunächst möchte ich die Frage klären, warum diese Systeme überhaupt ihre Daseinsberechtigung haben.

Noch um die Jahrtausendwende genossen Subwoofer einen mäßigen Ruf. Kleine schwarze Kisten, mit Chassis so groß (oder klein?) wie ein guter Mitteltöner. Echter Tiefbass war ihnen fremd, stattdessen mussten sie die dazugehörigen kleinen Würfellautsprecher aus den Discounter-Surroundsets bis in den Grundton unterstützen. Was allerdings nur allzu häufig in unmotiviertem Dröhnen ausartete.

OK, ich gebe es zu. Hier habe ich wirklich sehr tief in die Klischee-Schublade gegriffen. Zum Glück hat sich das Ansehen selbst der günstigen Woofer in den letzten Jahren gebessert. Neben den eingefleischten Heimkino-Fans haben auch mehr und mehr Musikfreunde den Wert eines guten Woofers schätzen gelernt - und damit den Wert des Zugewinns, den ein solides Fundament mit sich bringt.

Doch mit dem Tiefbass holt man sich auch Probleme ins Haus, die man vorher nicht hatte. Namentlich heißen sie "Moden", physikalisch sind es stehende Wellen und in der Praxis machen sie einem nur allzu häufig das Tiefbassvergnügen zunichte. Bei Frequenzen, die eine Raum-Mode anregen, hat man in seinem Raum keine gleichmäßige Lautstärkeverteilung mehr. An manchen Stellen dröhnt es übertrieben, während man an anderen Stellen kaum etwas hört. Hat man nun das Pech, genau in so einem Lautstärke-Loch oder einer -Überhöhung seinen Sitzplatz zu haben, kann offensichtlich auch der beste Subwoofer sein Potential nicht ausspielen.

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs: Was sind Raummoden eigentlich?

Raummoden sind so genannte stehende Wellen. Sie heißen "stehend", weil sie sich nicht ausbreiten, sondern an einem Ort quasi verweilen. Dieser Ort befindet sich zwischen den Wänden des heimischen Wohn- oder Musikzimmers. Der Grund für das scheinbare Stehen von Wellen ist die Reflexion der vom Woofer abgelösten Welle an einer Wand und der damit einhergehenden Überlagerung von abgestrahlter und reflektierter Welle. Dies funktioniert allerdings nur, wenn die Hälfte der Wellenlänge der abgestrahlten Welle ein ganzzahliges Vielfaches des Wandabstandes ist. Die Wellenlänge ist über die Schallgeschwindigkeit mit der Frequenz gekoppelt, so dass man die Moden für einen Raum in etwa berechnen kann.

Lindemann Audio
BMC Audio

Das klingt in der Theorie furchtbar kompliziert. Praktisch heißt das für ein Wohnzimmer mit einem Wandabstand von Vor- zu Rückwand von vier Metern, dass bei ca. 43 Hz die erste Raummode liegt. Da jedes ganzzahlige Vielfache dieses Wertes auch eine Mode verursacht, hat man auch bei ca. 86 Hz eine stehende Welle. Ebenso bei ca. 129 Hz - aber ein gut integrierter Woofer sollte hier nur noch sehr leise spielen und so diese Mode kaum anregen. Zusätzlich steigt mit der Frequenz auch die Absorption der Welle im Raum, was die Situation zusätzlich begünstigt.

Allerdings wird es in der Praxis nie so einfach sein, wie in diesem fiktiven Beispiel. Denn ein Zimmer hat nicht nur zwei Wände: linke und rechte Wand, Boden und Decke kommen hinzu. Die Überlagerung der verschiedenen Moden macht die Sache sehr komplex.

Die Begriffe lassen sich übrigens auch im fairaudio-Lexikon nachschlagen.

Ebenso, wie man also Glück haben kann und sich die Moden gegenseitig aufheben oder erst gar nicht angeregt werden, kann auch das Gegenteil passieren. Nämlich dass man viele verschiedene Senken und Überhöhungen der Lautstärke am Hörplatz hat. Leider muss ich meinen Hörplatz in diese Kategorie einordnen: 21m², Altbau. Hohe Decke, schwingende Dielen. Ein Umstellen der Anlage ist auf Grund der räumlichen Enge nicht zu realisieren. Das führte dazu, dass ich nach meinem Umzug aus meinem alten Zimmer mit Dachschräge, welches kaum mit Moden anzuregen war, meinen Subwoofer (ein Nubert AW-880 übrigens) erst einmal ein halbes Jahr lang gar nicht mehr verwendete - um in dieser Zeit auf ein Raumkorrektursystem zu sparen. Dieses sollte mir den Einsatz des Woofers wieder erlauben, da ich überzeugter Kompaktlautsprecher-Freund bin und mein breiter Musikgeschmack doch vieles beinhaltet, was auf Tiefbass nicht verzichten kann. Die Messung an meinem Hörplatz mit dem SMS-1 findet sich im Bild.

Velodyne SMS-1
Messung am Hörplatz ohne Korrektur

Und genau an diesem Punkt setzen die Geräte an, die den Spaßfaktor am Hörplatz wieder herstellen sollen - Raumkorrektursysteme. Was allen Raumkorrektursystemen dabei gemein ist, ist dass sie aus zwei wesentlichen Kernkomponenten bestehen: Das ist einerseits das Mikrofon, welches die Raumcharakteristiken misst, und andererseits ein digitaler Signalprozessor (kurz DSP), der das Eingangssignal verändert. Und zwar so, dass die Wiedergabe möglichst originalgetreu ausfällt - also praktisch den Raum ausschaltet, im Idealfall. Das kann sowohl über automatische als auch über manuelle Einstellung erfolgen. Beides hat seine Vor- und Nachteile, dazu jetzt mehr.

Die Geräte, die ich hier vorstellen möchte, sind jeweils ein Vertreter der eben genannten Optionen. Das AM8033C von DSPeaker übernimmt die Korrektur völlig automatisch, während das SMS-1 von Velodyne dem User über ein umfangreiches graphisches Interface viele manuelle Eingriffsmöglichkeiten bietet - allerdings auch die Möglichkeit der Fehlbedienung, dazu später mehr.

Kommen wir zuerst zum Anti-Mode ...

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema