Mit 10 cm Länge ragt es trotz des dezenten Weißtons und konstruktiv minimalen Volumens leider unübersehbar aus einem USB-Anschluss heraus, vor allem bei Laptops, die nur seitliche Anschlüsse haben.

Dazu kommt, dass durch die Länge eine Hebelwirkung entsteht, die das HiFace leicht nach unten, Richtung Tischfläche kippen lässt. Das sieht dann einfach ‚schräg’ aus. Man muss also auch hier ebenso wie zum Beispiel bei Kabelstützen am Boden ein wenig ästhetische Überwindung mitbringen, um sich klanglich weiter zu entwickeln. Diese Hürde habe ich nehmen können, weil der Zubehörhandel auch gern USB-Verlängerungskabel - die dann zwischen Computer und M2Tech HiFace für Verbindung sorgen - feilbietet. Eines mit Ferritkernen oberhalb der 1 Euro-Schwelle ist ratsam, dachte ich. ‚Clicktronic’ erhielt den Zuschlag für 1,5 m Kabel mit Metallsteckern - und im Klangtest erreichte das HiFace mit und ohne Verlängerungskabel das gleiche Ergebnis. Die Wahl war also gut.
Dem Genuss der Musik geht beim HiFace - wie üblich bei Personalcomputern - eine meist aufregende Treiberinstallationsorgie voraus. Ein Treiber? Gängige Betriebssysteme bringen doch USB-Standard-Treiber mit? Wie wir später sehen werden, wird er dennoch gebraucht.
Als Erziehungsberechtigter meines Netbooks durfte ich auch noch selbst ran und erlebte die erste Überraschung mit der beiliegenden Treiber-CD-ROM. Hier hätte der Trainer noch einmal üben lassen sollen, denn unbeschriftet kam sie daher und mit nur 8 cm Durchmesser. Verspielt, diese Italiener, mit guter Defensive, dachte ich. Man kann also raten, welches die Datenseite der CD ist oder die winzige Seriennummer am Transportloch entziffern (meistens nur lesbar von der Labelseite). MacMini-Besitzer sind hier auch außen vor, denn sogenannte Slot-In-Laufwerke, so warnt zusätzlich ein Beipackzettel M2TECHs, mögen diese kleinen Datenträger gar nicht. Das Internet sei hier zu bemühen, wird sogleich aufgeklärt. Nun, ratsam ist so was ja immer. Der im Netz stehende Treiber mit Version 1.0.3 für Windows XP 32 Bit war dann aber auch auf der CD mitgeliefert worden. Ein Rechner mit Schubladenlaufwerk und ein USB-Stick erledigt das aber auch mit der kleinen CD-ROM.

Der Überraschungen war noch kein Ende, gestattet doch die Treiberinstallationsanleitung die variantenreiche Wahl zwischen Englisch oder Italienisch. Bei den Screenshots der Installationsanleitung hat man sich auch beim Abschnitt zu Vista und Windows 7 kurzerhand auf das italienischsprachige Windows XP gestützt. Treiberinstallation (Deutsch/Englisch gemischt), Erläuterungstexte und Screenshots sprechen also verschiedene Sprachen - Nutzfreundlichkeit sieht anders aus und das gewählte Verfahren wirkt keineswegs der sicher vorhandenen Skepsis von Neueinsteigern entgegen.
Die Deinstallation des Treibers gelingt - typisch für Windowstreiber - leider auch hier nicht restlos. Wird also zunächst aus Versehen der falsche Treiber installiert, dann deinstalliert und erneut das HiFace angeschlossen, wird der falsche Treiber automatisch wieder aktiviert. Verwirrend.
Treiber gibt es übrigens auch für MacOS X, leider nicht für Linux, was für Netbooknutzer zuweilen dramatisch ist. WASAPI - also die Audioschnittelle von Windows Vista und Folgende - wird unterstützt.
M2TECHs Anleitung zur Einrichtung in der Abspielsoftware des Rechners bezieht sich nur auf Foobar2000 (dem Mediaplayer, dem auch ich das meiste Vertrauen schenke), und zwar auf eine relativ alte Version. Erkennbar ist aber, dass offenbar ein sogenannter Kernel Streaming Client, der den verflixten Windows Mixer umgeht, installiert wird. Die Standard-Audiotreiber, die herstellerseitig für die heute meist schon vorhandene Onboard-Audiohardware installiert werden, umgeht der HiFace-Besitzer somit elegant. Diese Treiber und der Windows Mixer sind geächtet, verändern sie doch unter Windows mittels zwanghafter Konvertierung in 32 Bit (und dann ggf. wieder zurück in die Auflösung des Ausgabegerätes) sowie simpelster, rein softwarebasierter Lautstärkregelung das Nutzsignal maßgeblich.
Als Nebeneffekt - ich hatte es oben schon kurz erwähnt - wird der USB-Schnittstelle gleichzeitig dazu verholfen, mit bis zu 192 kHz gelieferte und 24 Bit tief aufgelöste Daten an den D/A-Wandler weiter zu geben.
In Foobar2000 wählt man also nach erfolgter Treiberinstallation dieses Output-Device aus. Es bleibt noch einzustellen, ob der Datenstrom in 24 Bit Wortlänge oder nur mit 16 in Richtung Wandler ausgegeben werden soll. Für den Vergleichstest wählte ich 24 Bit, was vorweggenommen deutlich bessere Ergebnisse erzielte.
Bis hierher könnte Foobar2000 das auch mit seinem eigenen, kostenlosen Kernel-Streaming-Plugin, womit hier also zunächst kein Vorteil für das HiFace gegeben ist.

Das HiFace meldet sich nach erfolgter Installation schon ohne Rechnerneustart auch erfreulich explizit im Gerätemanager und der Übersicht der USB-Geräte und wird anschließend als Audiocontroller dort und in der Systemsteuerung angezeigt. Es dient bei seiner Auswahl fortan für alle Software mit Audioausgabe als primäres Gerät.
Speziell auf Kompatibilität mit Foobar2000 und WinAmp wurde das HiFace getrimmt, wie die Treiberhistorie auf der (englischsprachigen) Webseite des Herstellers preisgibt. Allerdings ist es durch die Nutzbarkeit als Standard-Audioausgabegerät unter Windows praktisch mit jedem Player kompatibel, auch mit iTunes oder Microsofts Media Player.

Diese Orgie war somit abgeschlossen, Musik konnte endlich erklingen. Das gerade laufende Fußballspiel Portugal - Spanien stand dem auch keineswegs entschieden entgegen ... Kann also wenigstens das HiFace „sein Potenzial voll abrufen“?