6moons
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Macht er die Flatter?

Na gut, dann wollen wir die Französin mal ein bisschen ärgern. Die Elaborate des irischen Quartetts U2 sind bei Tonmeistern ja nicht selten ob ihrer, nun, ungewöhnlichen Akustik gefürchtet. Das düstere „Cedars of Lebanon“ hingegen ist nicht nur ein verlässlicher Gänsehautlieferant, sondern auch ganz klar ein echter Anlagentester, denn hier kommen ab der zweiten Strophe finstere Subbässe zum Einsatz, die eine mäßige Mittelton-/Tieftonabstimmung gnadenlos aufdecken.

Triangle Altea EX - LS-Terminal

Um den zarten Yarland-Amp nicht allzu sehr ins Schwitzen zu bringen, kabele ich diesmal den guten, alten Harman-Kardon hk670 an, der im Zweifelsfall in den unteren Lagen etwas mehr Bierbauch mitbringt. Doch auch hier ist eitel Sonnenschein: Die Triangle Altea EX macht klare, präzise Ansagen im Bassbereich. Auch bei höheren Pegeln flattert nichts, bleibt das Verhältnis zu den Mitten und den Höhen stets rein, was gerade beim Einsatz eines Tief-Mitteltöners nicht immer gelingt. Die Musik steht im Raum wie eine Eins.

Wer zickt denn da?

Mahler / Sinfonie Nr. 2Wie sieht's mit Klassik aus? Mahlers zweite Sinfonie, Wiener Philharmoniker unter Gilbert Kaplan, von SACD, wird zeigen, wie es um Dynamik, Räumlichkeit und Tiefenstaffelung bestellt ist. Ersteres ist kein Problem, denn die Triangle geht dynamisch zu Werk: Sie kann ohrfeigen und eine Sekunde später streicheln. Was die Räumlichkeit angeht, zeigt sich allerdings eine Besonderheit der Altea EX. Sie hat einen vergleichsweise kleinen Sweet Spot. Wenn man ihn erwischt, dann ist die Abbildung richtiggehend holografisch. Sitzt man jedoch außerhalb, dann ist's schon schön, aber man verpasst das wahre Potenzial dieses Lautsprechers. Um es gemein zu sagen: Die Triangle Altea kann in Sachen Aufstellung eine Zicke sein. Es empfiehlt sich, einen bis zwei fleißige Helfer zu haben, die man - schön im Ohrensessel sitzend - so lange herumkommandiert („etwas mehr nach rechts, etwas mehr eindrehen, STOP! Zuviel!“), bis alles sitzt, passt und schmeckt.

Triangle Altea EX

Damit kein falscher Eindruck entsteht - die Altea macht auch außerhalb ihres Sweet Spots Spaß, aber sie honoriert eine gute Aufstellung weitaus mehr als andere Boxen ihrer Klasse. Meine bevorzugte Aufstellung ist übrigens das klassische gleichseitige Dreieck mit mindestens 2,5 Metern Seitenlänge, parallel, sehr leicht nach hinten geneigt.

audioplan
Genelec

 

Fazit Triangle Altea EX

Triangle Altea EXEine rundherum sauber verarbeitete Standbox. Mit großer Gutmütigkeit lässt sie sich auch an lachhaft kleinen Röhren-Amps betreiben und generiert trotzdem beachtliche Pegel bei sauber bleibendem Klang. Doch auch von potenten Halbleitern lässt sie sich durchaus gern an die Leine nehmen, klingt dann sehr spritzig und vital.

Ihre Klangcharakteristik ist insgesamt klar, lebendig, präsent, ohne aber auf vordergründige Effekte zu zielen. Ausgesprochen seidig-transparente Höhen, ein dynamischer Mittenbereich sowie schnelle, ausgewogene Bässe ohne Anzeichen einer Überbetonung. Keine Box für extremen Rock. Der Sweet Spot ist klein, aber oho. Bei richtiger Aufstellung gelingt eine außerordentlich räumliche Abbildung, die weit über die Grenzen des Aufstellungsdreiecks hinaus reicht.

Aufgrund der technischen Daten und der Klang- und Räumlichkeitscharakteristik empfehle ich die Triangle Altea EX vor allem für Musik mit Live-Charakter. Wer mit ihr Jazz aller Epochen, Singer-Songwriter und reinrassigen Rock und Pop hört, wird nicht enttäuscht werden. Für Kammermusik und Klassik taugt sie ebenfalls. Um in den Genuss einer tief gezeichneten Bühne zu kommen, sollte man allerdings den Sitzplatz nicht verlassen.