Ans Werk! O‘zapft is! Die gelieferten Exemplare sind dankenswerterweise bereits eingespielt. Zuerst hänge ich die Altea EX an den Yarland FV34-CIII-Verstärker, einen Single Ended Push/Pull Röhrenamp mit EL84-Endstufenröhren. Als digitale Quelle fungiert ein Marantz SA 7001 SACD-Spieler. Wie immer beginne ich meine Hörtests mit Philip Caterine „live“ - einer vor Spielfreude und Live-Atmosphäre geradezu berstenden Einspielung. Mein Anspieltipp ist hier „Song For Victor“, ein Stück, das mit einem eher zappeligen Solo-Gitarrenthema beginnt, das sodann um einen Halbton transponiert vom Klavier aufgegriffen wird, um dann - kurz bevor man genervt weiterskippen will - in einen unglaublichen, geradezu obszön relaxten Quartett-Groove überzugehen. Und - ich gebe es zu - die Franzosen haben mich sofort auf ihrer Seite. Ich muss nicht mal die Augen schließen, um mich wie in einer rauch- und biergeschwängerten Jazzkneipe zu fühlen. Ich höre einen sauberen, harmonischen, definierten Bass, farbige, warme Mitten und ausgesprochen präsente, aber nie spitze Höhen. Hinten links fällt ein Bierglas um, und der leer mitschwingende Snare-Teppich im Intro raschelte verführerisch. Die Bühne ist weit, der Raum ist tief - und alles wirkt dermaßen authentisch, dass man herumgehen und die Aschenbecher auf den Tischen ausleeren möchte. Das fängt gut an!
Weiter geht's mit Bill Callahans traumschönem Album „Sometimes I Wish I Were An Eagle“. Der Opener „Jim Cain“ ist eine echte Bewährungsprobe für jeden Hochtöner, denn hier wurde das enorm präsente, uhrwerkartige Spiel der geschlossenen Hi-Hat geradezu pornographisch und schmerzhaft präzise aufgenommen. Ein schlapper Hochtöner quittiert dies mit Mulchen und Schleimen, ein überpräsenter mit spitzem Klicken und Schaben. Nicht so die Triangle Altea EX, sie stellt die Hi-Hat-Schläge, einen nach dem anderen, lässig-trocken in den Raum und man meint, dabei die Holzspäne der Sticks herunterfallen zu hören. Als Callahans Bariton einsetzt, bin ich verloren. Was für eine schöne, satte Kraft und Ruhe die Altea transportiert.
So langsam komme ich in Experimentierlaune, denn gestern kam per Kurier aus Hongkong ein Röhrenverstärker mit genau 2x2,5 Watt. Das gute Stück stammt vom Hersteller Miniwatt und kostet inklusive Versand umgerechnet beschämende 192 Euro. Kann das gut gehen? Mir doch egal. Ich hänge ihn an die Triangle Altea und füttere den CD-Spieler mit der Live-Version von Grant Greens famos-entspanntem „Down Here On The Ground“. Idris Muhammad lässt Ghostnotes federn, Ronnie Foster tupft eine zauberhafte Hammond-Orgel - und Großmeister Green spielt dazu ein göttergleiches Laidback. Auch diese Amp/Wandler-Kombination macht richtig Spaß. Der Hörraum misst 30 Quadratmeter, und trotzdem spielt die Altea bereits bei 12-Uhr-Stellung des Lautstärkepotis mit Groove und „Livehaftigkeit“. Sieht natürlich auch irgendwie scharf aus: Man kann den Amp theoretisch auf die Box stellen. Sollte man nicht, kann man aber.
