Dynaudio Xeo
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin
Arvo Pärt

Von Arvo Pärts "Alina" lasse ich das Stück "Spiegel im Spiegel" spielen. Mitten in meinem Zimmer steht die Violine, und jeder Auf- und Abstrich ist zu hören, das Streichen des Bogens über die Saiten bekommt eine ungeheure Präsenz. Körpervoll, warm und rund darunter die Resonanzen des Holzes. Etwas weiter hinten rechts das Klavier. Ob Bösendorfer oder Steinway weiß ich nicht, aber ich bin sicher: Ein Kenner würde auch das heraushören, so glaubwürdig und präsent steht der Flügel im Raum. Als ich so fasziniert den Geräuschen des Bogens auf den Saiten lausche, fängt etwas Irritierendes an, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Der Pianist spielt nicht taktgenau, er hängt der Violine nach. Er kommt ihr näher, er bleibt wieder weiter zurück, kommt wieder näher - ich möchte ihn anschieben, ihm ein Zeichen geben, denn so geht mir das gegen den Strich. Plötzlich setzt die Violine nicht ein, sondern wartet einen Tick zu lange mit dem nächsten Ton, und da hat das Klavier wieder aufgeholt - welch eine Erlösung. Und ich merke, dass ich reingelegt worden bin. Das war mitnichten ein Fehler, sondern volle Absicht. Klassische Musiker haben vom Jazz gelernt. Ich grinse breit und lehne mich zurück, und nach kurzem gleiten die Gedanken ab in wohliges Tagträumen.

Sie werden sagen: Jetzt dreht der Mann ab. Aber ich bleibe dabei: Wie es dem ABACUS gelingt, die Lautsprecher wie an Stangen zu führen, führt hier der Denon mein Herz wie an Stangen - und zwar wörtlich. Mein Herz versuchte, den Takt zu schlagen, den der Pianist mutwillig um Haaresbreite verfehlte. Wenn eine Anlage DAS erreichen kann, muss es eine richtig gute Anlage sein (und richtig gute Musik).

Die Platte von Pärt habe ich schon lange. Ich habe sie nie begriffen, eigentlich stand sie eingeordnet bei L wie langweilig. Erstmals mit dem ABACUS wurde ich aufmerksam und fing an, zu genießen. Es war, als würde die Musik lebendig, und ich jubelte innerlich: "Guck an, ich habe unentdeckte Perlen in meiner Sammlung". Und mit dem DENON kam noch ein Quäntchen hinzu.

Bei sowas ist der DENON in seinem Element. Er ist ein wundervolles Gerät. Er kann noch ein Bisschen mehr als der ABACUS, vor allem bei leiser Musik.

Mark HollisApropos leise Musik: Wo ich es vorhin von Mark Hollis letzter Platte "Mark Hollis" hatte: Ein Platte wie für den DENON gemacht. Wenn man bei einem hingehauchten Stück wie "A life (1895-1915)" genau lauscht, relativiert sich jeder Preis für eine Anlage, und mein Urteil, die Platte sei vielleicht nicht genau so stark wie "Spirit of Eden", sowieso.

Geneva
PSB Lautsprecher

Aber das eigentlich erstaunliche Ergebnis der letzten Tage ist, dass es wohl reicht, die 660 Euro für den ABACUS auszugeben. Es ist absolut bemerkenswert, was dieser Verstärker kann. Er kann alles wiedergeben, was die Aufnahme hergibt, und er gibt es so wieder, wie es gemeint ist (und das ist ja die große Kunst). Er macht die Musik lebendig. Er ist ausgewogen und macht einen schönen großen Raum. Er führt einem jedes Detail vor Augen und Ohren, bei Bedarf macht er einen Bass, dass die Nachbarn zusammenlaufen, spielt bei nächster Gelegenheit luftig und leicht, und man kann sich, in der Sicherheit nichts zu verpassen, ganz und gar auf das konzentrieren, worauf es ankommt: die Musik.

Nichts anderes macht auch der Denon. Vielleicht kann der das Kratzen der Bogenhärchen auf den Saiten noch etwas haariger abbilden, vielleicht behält man im großen Orchester noch etwas genauer die Übersicht, während man den Bläsern den Einsatz gibt. Vielleicht - aber meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen. Es ist wirklich schwer, auf diesem Niveau noch irgendwas mit Sicherheit sagen zu können.

Nun, die Lautsprecher ... da macht es wahrscheinlich mehr Sinn, viel Geld auszugeben. Da werden die wahren Unterschiede gemacht. Und obwohl ich meine B&W 804 sehr mag, hätte ich Lust, mit anderen zu experimentieren. Sollte mich also eines Tages ein warmer Geldregen erwischen ...

Als ich nach Tagen denke: „So, jetzt ist es genug, jetzt schicke ich den ABACUS wieder zurück“, und den MARANTZ wieder anschließe, überkommt mich nach nur fünf Minuten eine überwältigende Unlust, und ich schließe ganz schnell nochmal den ABACUS an. Noch einen Tag wenigstens will ich mit ihm weiterhören ... und mit dem DENON ...

Mich stört das Aussehen des ABACUS. Vielleicht bin ich aber nur nicht cool genug, um zu sagen: Was wollt ihr, Kinners? Zeigt mir erstmal einen Verstärker, der signifikant besser Musik macht! Der soll nicht aussehen, der soll spielen!

Gestern kamen übrigens überraschend Freunde – ausgewiesene Designliebhaber – zu einem schnellen Espresso in der Küche vorbei, und wollten sehen, was da aus dem Nebenzimmer spielt. Ganz glücklich war ich nicht als ich sie hinüber führte, weil ich dachte: Die werden mir ja was erzählen über das Aussehen des ABACUS. Aber nichts da: "Cool!" sagten Sie nach einigem Hören. "Sieht aus wie gebastelt, aber macht klasse Musik. Understatement at its best!", und strichen zärtlich über die Schrauben, die die Kiste zusammenhalten.

Abacus Rieder