fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

leserBericht: Abacus Rieder 60-120B (UVP: 660 Euro)

Sumpfigkeit ade!

Abakus Rieder

Februar 2009 / Wolfram Sundermeier

Die Vorgeschichte: Als vor Jahren meine recht hochwertige Anlage mit Vorverstärker / Doppelmono-Kombination begann hörbar zu altern, verschenkte ich sie komplett - und beschloss, mich zu beschränken. Ich kaufte eine Marantz  Receiver & CD-Player/Recorder-Kombination (SR/DR2100) und kleine Boxen. Eine Wohnzimmer- und Mehrfamilienhaus-taugliche Lösung, so meine Überlegung. Das war ein Fehler.

Musikhören wurde mehr und mehr zur Nebensache, und mir begann die Freude zu fehlen, die ich beim Musikhören immer gehabt hatte. Nach zwei Jahren machte ich den Boxen den Garaus und kaufte die B&W 804. Das half weitere drei Jahre, bis die latente Genervtheit darüber, dass diese immer schwach in den Bässen klangen und in den Höhen so, als ob jemand ein Gummi über die Hochtöner gezogen hätte, sich in Wut wandelte. Ich beschloss herauszufinden, welchen Anteil daran der Marantz-Verstärker hat, und wie teuer ein Verstärker sein muss, mit dem das Hören Spaß macht.

So bestellte ich mir aufgrund eines fairaudio-Berichts die praktische Test-Box von ABACUS, und besorgte mir darüberhinaus den PMA-SA1, das Vollverstärker-Spitzenmodell von DENON - als Referenz.

Zuerst zum ABACUS-RIEDER 60-120B - einem Stereo-Endverstärker, dessen viel kleinerer Bruder, der Ampino, den fairaudio favourite-Award erhalten hatte. Die Familienähnlichkeit ist groß. Über das Aussehen ist schon im fairaudio-Test genug gesagt worden. Ich würde es "pragmatisch" nennen.

Das sind nette Menschen, da oben in Nordhorn. Am Telefon habe ich länger mit Herrn Sonder gesprochen - unter anderem darüber, warum sie dem ABACUS kein wertvolles Gehäuse verpassen.

Herr Sonder nahm sich Zeit, obwohl er gar nicht wusste, dass ich vor hatte, von meinen Erfahrungen zu erzählen. Er erklärte mir geduldig, dass jemand, der vor 25 Jahren einen ABACUS gekauft hat, sich heute einen neues Gerät kaufen und ihn zu den vorhandenen ABACUS-Geräten stellen kann - und es passt. Er erklärte mir auch, wie sie es schaffen, dass der ABACUS-Rieder 60-120B nur 660.-€ kostet. Ja gut, dann sieht der ABACUS eben so aus, wie er aussieht.

Ingenieure sind nüchterne Leute. Ehrlich und direkt. Sie überlegen sich Dinge gründlich. Ins Schwärmen geraten sie höchstens, wenn sie die Chance sehen, eine Sache neu erfinden zu können - und dabei etwas intelligenter machen, als andere Leute. Ausführlich, fast schwärmerisch wird auf der Abacus-Website erklärt, was seit 25 Jahren der Kniff des Schaltungsprinzips ist: Die verwendete Riederschaltung greift die Transistoren an einem anderen Fuß ab als üblich und vermeidet so alle erdenklichen Fehler, die andere mit viel Aufwand wieder ausbügeln müssen. Für mich als Technik-Dummie ist sowas uninteressant. Was mir einleuchtet ist folgendes Bild: Ein Abacus führt die Lautsprecher wie an Stangen, kontrolliert sowohl Vor- als auch Rückbewegung der Membranen.

Abacus und Marantz-Kombi
Der Abacus Rieder und die alte Marantz-Kombi

Mir soll's recht sein. Ich bin froh, dass ich das nicht verstehen muss. Es müsste Auswirkungen auf die Musik haben, damit ich mich dafür erwärmen könnte.

Also packe ich den Abacus Rieder 60-120B aus und stecke die Bananas in die LS-Anschlüsse. Im Gegensatz zum kleinen Bruder hat dieser Abacus stabile, Banana-fähige Schraubanschlüsse.

us Rieder von hinten

Den zugehörigen Vorverstärker 6-2RC für nochmal 660 Euro aus dem Leih-Set habe ich gleich wieder eingepackt. Ich brauche ihn nicht, da ich nur über eine Quelle höre. Die Lautstärke kann ich am Endverstärker regeln, wenn auch nicht fernbedienen. Letzteres wäre allerdings über den Vorverstärker möglich.

Meine Musik spielt von einem Festplatten-Laufwerk, das computerunabhängig per Netzwerk von einem Sonos-Controller gesteuert wird. Die Musikauswahl treffe ich über einen iPod-Touch, und die Wandlung der verlustfrei gespeicherten digitalen Daten in ein analoges Signal übernimmt bei mir ein Musical-Fidelity V-Dac. Das ist ein System, dessen Einrichtung deutlich länger dauert als es braucht, um einen CD-Player anzustöpseln. Danach hat man allerdings erhebliche Bedienungsvorteile, an denen ich viel Freude habe - als Beispiel sei die Möglichkeit genannt, vom Sofa aus am iPod die CD-Sammlung durchzublättern und zu jedem Stück das Cover des Albums zu sehen. Doch das ist ein anderes Thema.

Meine flugs angelegte Test-Playlist enthält einige Stücke, denen am Marantz besonders auffällig die Höhen fehlen. Des Weiteren Stücke mit kritischen Höhen und andere, bei denen der Bass Spaß machen muss. Zum Prüfen von Lautsprechern setze ich gerne Klassik ein, da diese Fehler in der tonalen Neutralität aufdeckt. Bei Verstärkern ist das weniger problematisch. Von den bekannten "audiophilen" Samplern halte ich nicht allzu viel, denn sie sind vollständig auf guten Klang auf einer Anlage ausgerichtet. "Leider" klingen sie auf jeder Anlage mehr oder minder gut - jedenfalls im Vergleich zu normalen Aufnahmen. So kann man sich seine Anlage prima schönhören, egal wie schlecht sie ist. Daneben treffen sie meinen Musikgeschmack nicht ...
Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema