Test: Technics SU-G30 | Verstärker mit USB-DAC, Streamingfunktion, Airplay und Bluetooth | Preis: 2.999 Euro

Das Feature-Biest

Technics SU-G30 Netzwerkverstärker

Mai 2016 / Tobias Zoporowski

Es ist wie mit einem alten Freund: Man hat ihn gefühlte Ewigkeiten nicht gesehen, ihn zwar hin- und wieder vermisst, aber letztlich doch nicht verhindern können, dass der Lauf der Zeit die Erinnerung an ihn verblassen ließ. Welche Freude, wenn er dann plötzlich – wie aus dem Nichts – wieder auftaucht, sich zwar optisch verändert hat, im Kern aber doch der gute alte Kumpel geblieben ist.

So ging es mir, als ich vor gut anderthalb Jahren von der Wiederauferstehung der HiFi-Marke Technics erfuhr. Die mich, wie vermutlich viele andere Audio-Aficionados auch, über Jahrzehnte begleitet hatte. Nun kann man durchaus auch erwähnen, dass Legenden-Revivals nicht immer erfolgreich ausgehen: Dass die einst große Marke Grundig vor einigen Jahren ihren kultigen Kugellautsprecher „Audiorama“ wiederaufleben ließ, ist eine Randnotiz geblieben. Mehr wurde nicht daraus. Auch der berühmte japanische Wettbewerber, CD-Miterfinder und „Walkman“-Pionier Sony wagt sich in unregelmäßigen Abständen mit durchaus ambitionierten HiFi-Komponenten aus der Deckung. An seine große Tradition anknüpfen kann er jedoch nicht. Und man hat mitunter Zweifel daran, ob das überhaupt beabsichtigt ist. Und Kenwood? Das Logo ziert heute Küchengeräte und billige Autoradios. High Fidelity ist schon lange kein Thema mehr. Mir scheint, als habe der Mutterkonzern Panasonic mit seiner Tochtermarke Technics - übrigens seit ihrer Geburtsstunde vor über 50 Jahren ununterbrochen in dessen Besitz - da schon deutlich ernsthaftere und nachhaltigere Zukunftspläne.

Technics SU-G30

Und das erste Attribut, dass mir einfällt, wenn ich die nunmehr insgesamt drei Produktlinien „Reference Class“, „Premium Class“ und „Grand Class“ – die von einem All-in-one-System namens „Ottava“ flankiert werden – so ansehe, ist: smart. Smart im Sinne einer puristisch-wertigen Designphilosophie, die sich in allen Produktlinien wiederfindet. Aber auch smart im technischen Sinn: In jeder Range gibt es eine netzwerkfähige Komponente, die sich sowohl drahtgebunden als auch „wireless“ mit dem Heimnetz verbinden lässt und alle relevanten digitalen Audioformate (bis PCM 384 kHz/32 Bit bzw. DSD 11,2 MHz) verarbeitet.

Dieser technischen Architektur folgt auch mein Testkandidat: Der mit 2 x 50 Watt/8 Ohm Ausgangsleistung deklarierte „SU-G30“ entstammt der „Grand Class“-Familie und ist auf den ersten Blick ein moderner Class-D-Vollverstärker. Dessen Aluminiumfront lediglich von zwei Drehreglern, einem Display, einer Kopfhörerbuchse sowie einem USB-Port gesäumt ist. Aufgeräumt, edel, schick. Das Vollaluminiumgehäuse wirkt massiv verarbeitet, der Amp ist mit rund 11,5 Kilogramm Gewicht mitnichten ein Rückenkiller, aber eben auch kein Federgewichtler. Der erste Eindruck überzeugt.

Technics SU-G30 Boden
Gut besohlt: Der Technics SU-G30 von unten

Der Zweite macht neugierig, denn der recht flach bauende Schönling kann viel mehr als „nur“ Signale verstärken. Wobei selbst das Attribut „nur“ eine ziemliche Untertreibung darstellt. Der Technics SU-G30 setzt nämlich auch bei seiner Kernaufgabe auf durchaus nichtalltägliche Technologien. Sogenannte „Digitalverstärker“ wie er arbeiten in der Regel mit Schaltnetzteilen, die zur Stabilisierung ihrer Ausgangsspannung ihre Schaltfrequenz etwaigen Lastschwankungen anpassen. Nachteil dieses Prinzips: Es verursacht zumeist ein Eigenrauschen. Das ist zwar sehr leise, kann das Klangerlebnis aber dennoch – etwa bei leisen Musikpassagen – beeinträchtigen. Um dieses Rauschen weitgehend zu reduzieren, setzen die Entwickler hier auf ein Schaltnetzteil mit festen Schaltfrequenzen, dessen Ausgangsspannung laut Technics mittels eines sogenannten „Längsreglers“ in der zweiten Schaltstufe stabilisiert werde. Damit ergebe sich, so Technics weiter, ein extrem rauscharmes Klangbild, völlig unabhängig von der angeschlossenen Last. In der Verstärkerstufe selbst verwenden die Japaner Gallium-Nitrid- bzw. GaN-MOSFETs, die für ultraschnelle und verlustarme Schaltvorgänge bekannt sind und der Wiedergabe des Technics SU-G30 zu gesteigerter Linearität verhelfen sollen.

Alle eingehenden Audiosignale – einschließlich analoger Quellen, die via „Line“-Input eingespeist werden und derer, die das Phonoteil (MM) von angeschlossenen Vinyldrehern entgegennimmt – werden intern gewandelt, neu getaktet und volldigital in die Endstufe transportiert.

Technics SU-G30 Lautstärkeregler
Klassisch: Der markante Lautstärkeregler des Technics SU-G30

Ein großer Feind digitaler Übertragungswege heißt seit jeher „Jitter“, weshalb die Technics-Entwickler dem gefürchteten Taktzittern mit einer besonders ausgeklügelten Technologie beikommen wollen, die sie „JENO Engine“ getauft haben. In niedrigen Frequenzbereichen sorgt ein Taktgenerator für die Jittereliminierung, im oberen Frequenzbereich wird diese Aufgabe von einem hochpräzisen Abtastratenkonverter übernommen. Beide zusammen sollen dafür sorgen, dass über die gesamte Bandbreite des Signals praktisch nichts mehr zittert. Puristen mögen daran Anstoß nehmen, dass in der Tat auch das Musiksignal eines Plattenspielers eine A/D-Wandlung und Taktung durchläuft. In der Praxis ist das aber gar kein Problem. Die Wiedergabe von Schallplatten gelingt dem modernen Verstärker sogar ausnehmend natürlich, flüssig und in sich stimmig. Gut, wer schwerpunktmäßig auf den Genuss des „schwarzen Goldes“ setzt, wird an integrierten Lösungen immer etwas auszusetzen haben und langfristig auf einen externen Phono-Pre ausweichen. Gelegenheitsvinylisten dürften jedenfalls nichts vermissen. Denken Sie also einfach nicht darüber nach, was der smarte Japaner intern mit den Phonoströmchen anstellt, er lässt da keinesfalls etwas anbrennen.

Phono hin oder her: Wie viele andere zukunftsorientiert konzipierte HiFi-Komponenten dieser Tage zeigt der SU-G 30 auf seinem Anschlussfeld gleichwohl eine deutliche Vorliebe für digitale Zuspieler. Zwei koaxiale Anschlüsse und eine optische Buchse sind S/PDIF-seitig vorhanden, darüber hinaus lässt sich der Netzwerk-Amp via USB-B-Port mit PC oder Mac verbinden. Ein USB-A-Pendant auf seiner Frontplatte dient zum Anschluss mobiler Devices à la iPod & Co und lädt zudem deren Akkus. Ein Netzwerkanschluss (LAN), sowie gleich zwei WLAN-Antennen unterstreichen den avisierten Einsatz des Verstärkers in einem „New Media“-Umfeld.

Technics SU-G30 Anschlüsse Rückseite
Die rückseitigen Anschlüsse des Technics SU-G30 samt vergessener Klebeband-Phasenmarkierung des Autoren

Wer möchte, kann den Technics SU-G30 auch direkt vom Smartphone oder Tablet aus mit Musik beschicken: Via Bluetooth – natürlich mittels klanglich vorteilhaften „aptX“-Codecs – oder für Apple-Fans via „AirPlay“. Mit DLNA-Servern versteht sich der Technics natürlich auch, wobei man dann zwecks besseren Handlings zur kostenlosen und sehr übersichtlich programmierten App greifen sollte.

Technics SU-G30 App
Die zugehörige App gibt es für iOS- und Android-Geräte

Technics SU-G30 LAPC
Mittels LAPC lässt sich der Technics SU-G30 auf das Phasen- bzw. Impedanzverhaltes der angeschlossenen Lautsprecher optimieren

Es gibt sie für iOS- und Android-Geräte, sie ist rasch installiert und findet den zuvor im Heimnetz registrierten Technics SU-G30 automatisch. Mit ihr kann man unter anderem Playlists anlegen und auf alle Gerätefunktionen zugreifen, die auch die mitgelieferte Infrarotfernbedienung steuert; auch auf die in 0,5-Dezibel-Schritten sehr feinfühlig gerasterte Lautstärkeregelung oder das intelligent gelöste Lautsprechereinmesssystem „LAPC“ (Load Adaptive Phase Calibration). Mittels verschiedener Testtöne ermittelt dieses das Phasenverhalten des angeschlossenen Lautsprechers und sorgt zudem für eine optimale Anpassung an dessen Impedanzverlauf. Das Ergebnis überzeugt, vor allem im Hinblick auf die räumliche Abbildung und – so war es zumindest in meinem Fall – die Basskontrolle. LAPC benötigt für seinen Messvorgang übrigens kein externes Mikrofon. Was insofern logisch ist, als das keine Anpassung an die Akustik des Hörraumes vorgenommen wird, was ohne Mikrofonierung nicht ginge, sondern der Verstärker sich auf die genannten elektrischen Parameter der angeschlossenen Lautsprecher einjustiert. Menschen mit empfindlichen Ohren sollten den Raum während der Messung verlassen, die Testtöne sind – nun ja – ziemlich „eindringlich“. Nach wenigen Minuten ist das aber erledigt.Technics SU-G30 von oben

Für Ende Mai dieses Jahres verspricht der Hersteller übrigens ein Firmware-Update, das auch den Musikabodienst „Spotify“ sowie das Internetradioportfolio von „vTuner“ verfügbar macht. Ein ganze Menge „High Tech(nics)“ also, vor der der für analoge Quellen gedachte Line-Eingang und der Phono-Input fast wie Anachronismen wirken. Aber es gibt sie immerhin und sie erfüllen ihren Zweck.

 

 

 

Im Test:

Netzwerk-Vollverstärker:
Technics SU-G30

UVP zum Testzeitpunkt:
2.999 Euro

Vertrieb/Hersteller:
Panasonic Marketing Europe GmbH 

Telefon:
+49(0)69-2222 1313

eMail: support_DE@eu.technics.com
Web:
www.technics.de

 

 
Größe des Hörraums:

Grundfläche 18 qm
Höhe: 2,45 m 

 

Equipment

Quelle:

analog:
Plattenspieler Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und MM-System Shelter 201,
Phono-Pre Lehmann Audio Black Cube Statement,
Tuner Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler
Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, Netzwerkplayer Pioneer
N-50 und Marantz NA 8005

Verstärker:

Vollverstärker Magnat RV-3 und Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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