überraschungen gefällig?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wie viele nonnen dürfen's sein?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unkritisches paarungsverhalten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das ist hohe verstärkerkunst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

offene fragen in sachen hochton

Im Hörraum mit dem AVM Ovation A 6.2

AVM Ovation A 6.2 im Hörraum

Da Kollege Jörg Dames beim Test der Endstufe AVM SA 8.2 die Erfahrung gemacht hat, dass sich trotz der mehrtägigen Einspiel- und Testphase, die die Geräte im Werk durchlaufen, in der ersten Zeit klanglich noch viel tut, gönne ich dem AVM Ovation A 6.2 ein paar Wochen Einspielzeit. Dann wird es ernst und ich beginne, dem Verstärker auf den Zahn zu fühlen. Allerdings bleibt mein Notizzettel zunächst leer. Was heißt, dass der A 6.2 nichts „macht“. Der Stimme auf einer eher mäßigen Aufnahme zu mehr Nachdruck verhelfen? Nö. Schwammiges Bassgewaber als eindrucksvolles Grollen inszenieren? Nix da. Der AVM-Vollverstärker könnte Ihnen den Spaß an einigen über eine gesoundete Wiedergabekette lieb gewonnenen Aufnahmen verderben. Auf der anderen Seite sorgt er für Überraschungen.

carlos gardelZu meinen Gepflogenheiten beim Testen gehört es, auch immer einige alte Aufnahmen zu hören. Solche auf einem anderen Stand der Technik oder auch unter einem anderen Klangideal gemachte Aufnahmen erlauben manchmal spannende Einblicke in den Charakter einer Komponente. Und so erlebe ich eine handfeste Überraschung, als ich aus einer Laune heraus eine CD mit alten Aufnahmen von Carlos Gardel (Album: The Best of Carlos Gardel, auf Amazon anhören) höre. Die Aufnahmen aus den 1930er Jahren sind sehr verrauscht, die Stimme wird von Störgeräuschen überlagert. Der AVM schafft es, diese Störgeräusche als solche wiederzugeben und sauber von der Musik zu trennen. Die Folge ist, dass sich die Stimme Gardels klar herausschält. Es ist, als ob ich den Sänger auf einmal im Auge eines Sturms wahrnehme. Rundherum toben die Störungen, aber in der Mitte tut sich ein Auge der Ruhe auf, in dem Gardel deutlich und plastisch zu hören ist. Ein anderes Bild fällt mir ein: Ich fühle mich an diverse Kino- und Fernsehszenen erinnert, in denen jemand eine Figur in einer Kristallkugel beschwört, die sich dann verkleinert und nebelumwunden, aber doch irgendwie klar und konkret im Glas materialisiert.

AVM Ovation A 6.2 Anschlüsse

Apropos Film: Eine von mir für Stimmen gerne herangezogene Benchmark ist der Nonnenchor aus Sister Act (I) (auf Amazon anhören). Die Aufnahme ist erfreulich gut. Besonders spannend finde ich, dass hier professionelle Sängerinnen in die Rolle eines „unprofessionellen“ Chors schlüpfen. Akustische Schauspielerei sozusagen. Und auch hier überrascht mich der AVM Ovation A 6.2 aufs Angenehmste, Sister Act (I)indem er sogleich ein beeindruckendes akustisches Cinemascope-Panorama aufmacht. Klar ist der Effekt nach den Mono-Aufnahmen von Gardel besonders beeindruckend. Aber nicht nur die ungeheuer breite Bühne, die der AVM in meinen Hörraum projiziert, beeindruckt mich. Mehr noch die ungeheure Detailliertheit, die der Verstärker bietet und die es mir ermöglicht, wirklich jede „Nonne“ im Chor zu orten und ihren stimmlichen Charakter auszumachen. Dabei agiert der A 6.2 nicht sezierend, indem tausend unzusammenhängende Details präsentiert würden, sondern er hält zusammen, was zusammen gehört, gibt jeder einzelnen Stimme Körper und Geschlossenheit und verleiht ihr so ein akustisches Gesicht.

Wenn es dagegen darum geht, alte AC/DC-Alben einfach bretthart nach vorne zu knüppeln, steht der AVM mit seiner unbedingten Präzision und Ordnungsliebe der durch den Schalldruck gestylten Fönfrisur im Wege. Hier geht es ausnahmsweise mal nicht darum, alle Details der Aufnahme akribisch aufzudröseln und exakt die musikalischen Zusammenhänge abzubilden, hier muss es einfach mal krachen und dreckig sein. Bei solcher Kost kann es eher vorteilhaft sein, wenn der Verstärker nicht ganz so präzise agiert, sondern womöglich auf die Verzerrungen der Gitarrenverstärker gar ein paar eigene drauflegt. Ein super Kandidat für solche Angelegenheiten wäre zum Beispiel ein T.A.C. V-88, der haucht solchen Aufnahmen ein ungeheures Leben ein. Der AVM Ovation A 6.2 zeigt dagegen einfach nur, um was es in der Realität geht – nämlich um ziemlich durchschnittliche Aufnahmen.
Ok, ok, das sind sicher alles „Spezialitäten“, die höchstens einen kleinen Teil des highendigen Alltags ausmachen. Kommen wir zu den Einzelwertungen.

AVM Ovation A 6.2 Fernbedienung
Die handschmeichlerische, schlanke Fernbedienung des AVM Ovation A 6.2 besteht aus Aluminium

Im Bass gibt der AVM Ovation A 6.2 nicht den Kraftmeier, sondern setzt seine zweifellos vorhandene Power wohldosiert ein. Dass ist eher Akrobatik als Kraftakt; Schwung und Dynamik statt markus millerstumpfem Stämmen. Tiefe Töne hat er unter Kontrolle, lässt ihnen dabei aber den Freiraum, sich zu entfalten. So macht er im Bass selbst subtile Klangfarben hörbar. Spaß hat mir hier etwa das Album Afrodeezia von Markus Miller (auf Amazon anhören), der sich seine ersten Sporen als Bassist bei Miles Davis geholt hat, gemacht. Doch auch akustischen Kontrabass oder komplexe Synthie-Orgien – gut kommt The Notwist: The Devil, You + Me (auf Amazon anhören) – gibt der AVM A 6.2 beeindruckend facettenreich und gleichwohl substanziell wieder. Hier wird er in meiner persönlichen Wertung lediglich ganz knapp von meinem Musical Fidelity AMS 35i (ehemals um 7.900 Euro) notwist getoppt. Allerdings zu dem Preis, dass der Musical Fidelity seine diesbezüglichen Talente nur im Zusammenspiel mit Lautsprechern ausspielen kann, die im Bass über ein gewisses Maß an „Selbstdisziplin“ verfügen und keine „eiserne Hand“ benötigen. Mit meinen Valeur Audio Micropoint 4SE und ihren PA-Tiefmitteltönern mit leichter Papiermembran und starkem Antrieb hat der Musical Fidelity keine Probleme. Bei Lautsprechern mit schweren, weich aufgehängten Tieftonmembranen wird die Basswiedergabe des Briten allerdings schnell weich und verliert an Kontrolle – das ist der Preis von lediglich 35 Watt und eher durchschnittlichem Dämpfungsfaktor. Auch wenn ich es nicht ausprobieren konnte: Ich bin mir sicher, dass der AVM mit seinen Leistungsreserven und seinem Dämpfungsfaktor von 600 an so gut wie jedem Lautsprecher seinen hervorragenden Bass ausspielen wird.

AVM Ovation A 6.2 Lautstärkeregler

In den Mitten überzeugt der AVM Ovation A 6.2 durch eine wunderbare Klarheit und Aufgeräumtheit, die ich zum Großteil auf sein wirklich phänomenales Auflösungsvermögen zurückführe. Die von AVM im Zusammenhang mit den eingesetzten MOS-FET-Transistoren angeführte „röhrenartige Wärme“ des Klangbildes würde ich nicht bestätigen. Zumindest nicht in tonaler Hinsicht. Sollte damit allerdings gemeint sein, dass das Klangbild nicht zu irgendwelchen Härten neigt, würde ich dem wiederum zustimmen. Auch wenn der AVM extrem hoch auflöst, bleibt die Musik im Fluss, bleiben Töne verbunden, Zusammenhänge gewahrt. Aber das würde ich nicht als „Wärme“, sondern als besondere Musikalität bezeichnen.

lisa bassengeIch höre mich durch aktuelle Studioproduktionen verschiedener Sängerinnen. Lisa Bassenges neues Album Canyon Songs, Ulita Knaus - The Moon on my Doorstep oder Louise Gold mit Terra Caprice. Alles sehr gut und sauber produzierte Alben mit jeweils sehr eigenen Charakteren. Der AVM Ovation A 6.2 bildet Sängerinnen und Musiker jeweils sauber ab und stellt diese – hier greife ich mal kurz vor – auch räumlich exakt definiert in den Louise Goldimaginären Aufnahmeraum. Er übersieht kein Detail und schafft es trotzdem, nicht nüchtern oder gar analytisch zu klingen. Vielmehr arbeitet er die Spannungen und Bezüge zwischen Stimmen und Instrumenten tadellos heraus – feinste Schwebungen, Resonanzen und Harmonien. Das Tolle ist, dass das bei aller Klarheit swingt, lebt, vibriert – eben Musik ist. Das ist hohe Verstärker-Kunst.

Lisa Bassenges eigentümliche Stimme (auf Amazon anhören) wertschätzt man vor allen Dingen dann, wenn sie sehr sauber reproduziert wird. Über mäßige Wiedergabeketten klingt sie schnell irgendwie „knödelig“. Davon kann mit Blick auf den AVM Ovation A 6.2 überhaupt keine Rede sein. Allerdings entlarvt er Frau Bassenge aufgrund ihrer Diktion des Englischen sogleich als Deutsche. So kann's gehen. Trotzdem macht das Album unglaublichen Spaß. Die Produktion ist perfekt, Frau Bassenges jeweilige Begleitmusiker spielen auf den Punkt und das Album vermittelt eine ganz eigene Atmosphäre von Weite. Vielleicht, weil es in den Saaten, genauer in den East West Studios am Sunset Boulevard in L. A. aufgenommen wurde? Auf jeden Fall ist es ein Hochgenuss, tief in die Aufnahme einzutauchen und sich von Musik und Stimmung vollkommen einfangen zu lassen. So ähnlich geht es mir bei den beiden anderen Alben. Stets versteht es der AVM Ovation A 6.2, einen für die Musik zu begeistern, er lässt die präzise Wiedergabe nie zum Selbstzweck werden – es geht immer um Musik, dabei transportiert er auch das, was man mit „Stimmung“ oder „Atmosphäre“ nur unzureichend beschreiben kann und das jedem der genannten Alben – unabhängig von der Musik – seinen ganz eigenen Charakter verleiht.

AVM Ovation A 6.2 Lautsprecherkabel

Ich erinnere mich gerne an meinen Jadis Orchestra Blacksilver – einen Röhrenvollverstärker, mit dem ich lange glücklich Musik gehört habe. Der hatte genau diesen „Sinn“ für musikalische Zusammenhänge. Der AVM besitzt diese Tugend auf einem für mich völlig neuen Level. Mein Musical Fidelity AMS 35i zeigt bei den besagten Alben andere Talente: Er rückt die Sängerinnen stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die Begleitmusiker geraten dadurch ein bisschen in den Hintergrund. Dadurch wähnt man sich als Hörer subjektiv näher am Zentrum des Geschehens, die Wiedergabe wirkt etwas direkter. Dafür ist der Musical Fidelity nicht in der Lage, die Tiefe der Musik so zu vermitteln, wie das der Ovation A 6.2 vermag. Wobei ich hier nicht primär den Raumeindruck meine, sondern eher die Tiefe der Komplexität - die Musik wirkt über den AVM insgesamt vielschichtiger.

Eva Cassidy, Live at Blues AlleyIn Sachen Hochton stellt sich mir zunächst die Frage, ob der AVM Ovation A 6.2 hier einfach genauso exakt und präzise agiert wie in den übrigen Frequenzbändern oder ob er sich ganz leicht zurückhält. Nach längerem Hören tendiere zu ersterer Ansicht: Der A 6.2 verursacht offenbar kaum höhere harmonische Verzerrungen (vulgo Klirr), die häufig als besondere Luftigkeit im Hochton empfunden werden. Ich selbst empfinde die Hochtonwiedergabe des A 6.2 nicht zuletzt deswegen schlicht als vorbildlich. Gerne ziehe ich als Benchmark für den Hochton Eva Cassidy, Live at Blues Alley (auf Amazon anhören) heran. Gleich im ersten Stück, „Cheek to Cheek“, zeigt der Schlagzeuger vollen Einsatz an den Becken. Und ich bin mir sicher, dass ein Metallurgie-Experte anhand des Klanges die Zusammensetzung der für die Becken verwendeten Bronze heraushören kann - so präzise gibt der AVM im Hochton feinste Nuancen wieder.

Wie bereits erwähnt, agiert der AVM Ovation A 6.2 auch in Sachen Raumabbildung mustergültig. Er bietet eine extrem stabile Darstellung mit klarer Ortungsschärfe, realistischer Abbildungsgröße und einem exakt in seinen Abmessungen und in seiner akustischen Beschaffenheit erfahrbaren Aufnahmeraum. Im Studio „gemachte“ Räumlichkeit entlarvt er schnell – zumindest, wenn der Toningenieur hier nicht akkurat  gearbeitet hat. Technische Spielereien wie den musikalischen Comic „Now I'am Following You“ auf Madonnas Album I'm Breathless (auf Amazon anhören) – setzt er effektvoll um. Beeindruckt hat mich auch die Wirkung von Aufnahmen in Q-Sound-Technik, wie sie Roger Waters etwa auf Amused To Death eingesetzt hat. Was der AVM hier im Zusammenspiel mit den recht phasentreuen (das ist wichtig, damit Q-Sound funktioniert) Micropoint 4 SE an Räumlichkeit aufbaut, kann mit ausgewachsenen Surround-Settings mithalten. Das ist gigantisch.

AVM Ovation A 6.2 Display