Test: Transrotor Jupiter | Plattenspieler | Preis: 3.000 Euro

Auf der Umlaufbahn

Transrotor Jupiter

Februar 2017 / Tobias Zoporowski

HiFi-Tester sind auch nur Menschen: Grundsätzlich zu Objektivität verpflichtet, können wir natürlich nicht verleugnen, wenn Emotionen eine Rolle spielen. Und gerade wenn wir über Plattenspieler schreiben, geht es nicht nur um das Abarbeiten technischer Fakten. Es geht ums Erfassen eines Gesamtwerkes, bei dem die handwerkliche – auch die Optik und Haptik betreffende – Leistung des Herstellers ebenso zu würdigen ist wie das klangliche Ergebnis. Vielleicht sogar etwas mehr als bei anderen Komponenten, da bei Plattenspielern die handwerkliche Akkuratesse und die Materialauswahl unmittelbareren Einfluss auf den Klang haben. Insofern sind die überwiegend aus Acrylglas und Aluminium bestehenden Vinylskulpturen aus Bergisch Gladbach (www.transrotor.de) weit mehr als reines „Show & Shine“. Sie sind Präzisionsinstrumente, bei denen das Auge mithört.

Transrotor Jupiter

Auf einen der jüngsten Sprösslinge des Hauses Transrotor, den Jupiter, trifft das insbesondere deshalb zu, weil er sich schon optisch von den meisten seiner Brüder unterscheidet. Sicher: Auch bei anderen Drehern im Modellprogramm ist das Vater-Sohn-Gespann Jochen und Dirk Räke bereits von der üblichen quadratischen Grundform abgewichen (siehe Firmenbericht Transrotor). Der Jupiter indes wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich proportioniert, weil bei ihm die Tellerachse nicht mittig, sondern nach links versetzt auf der runden Basis positioniert wurde. Vor allem wenn der 60 Millimeter hohe und sieben Kilogramm schwere Aluminiumteller seine Position eingenommen hat, wirkt die Konstruktion zunächst, als wenn ihr Schräglage drohe. Natürlich steht das nicht zu befürchten!

Die Lagerachse selbst koppelt über eine Kugel an eine runde Aluminiumpfanne an, die letztlich das Hauptgewicht des Tellers trägt. Zwei weitere, deutlich größer dimensionierte Pucks aus massivem Aluminium tarieren den gesamten Dreher auf dem Untergrund aus. Diese Pucks finden an der Oberseite der schwarzen Acrylbasis ihre Entsprechung in zwei beweglichen Pendants, die jeweils über sämig-leicht laufende Feingewinde dafür sorgen, dass sich der Plattenspieler exakt gerade ausrichten lässt. Logisch, dass man dafür eine Dosenlibelle oder eine kleine Wasserwaage parat haben sollte. Damit ist das „Ins-Wasser-stellen“ des Jupiter dann allerdings ein Kinderspiel.

Die Füße des Jupiter sind leich tin der Höhe einstellbar
Die Füße des Jupiter sind leicht in der Höhe zu justieren

Eine weitere kreisrunde Aussparung in der Basis dient zur Aufnahme des Motorblocks, der sich aber auch außerhalb dieser platzieren lässt. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Dreher ohne eines der optional erhältlichen „Konstant“-Netzteile (ab 350 Euro) betrieben wird. Der Ein-/Ausschaltknopf des Motors befindet sich an dessen Oberseite und wird – wenn man den Antrieb in die Basis integriert – vom wuchtigen Teller verdeckt. Menschen mit „Wurstfingern“ dürften es so schwer haben, den Plattenspieler in den Betriebsmodus zu versetzen.

Die Antreibseinheit des Transrotor Jupiter
Die Antriebseinheit des Transrotor Jupiter

Gleiches trifft zu, wenn die Umdrehungszahl des Tellers geändert werden soll, was ab Werk manuell geschehen muss. Platziert man den Motor also außerhalb der Basis, lassen sich gleich zwei Komforteinbußen auf einmal erschlagen. Allerdings kann auch hier die Anschaffung eines externen Netzteils vorteilhaft sein. Bereits das günstigste („Konstant Eins“) bietet eine Drehzahlumschaltung nebst Feinregulierung und soll, so der Hersteller, darüber hinaus auch dem Klangbild zuträglich sein. Ob Sie den Motor nun innen oder außen platzieren: Transrotor hat natürlich mitgedacht und legt dem Jupiter unterschiedlich lange Antriebsriemen bei.

Der Motor kann in die Aussparung links neben dem Subteller platziert werden oder ganz außerhalb der Zarge stehen
Der Motor kann in die Aussparung links neben dem Subteller platziert werden oder ganz außerhalb der Zarge stehen


Der vom japanischen Spezialisten Jelco zugelieferte und von Transrotor umgelabelte Tonarm TR 800S thront auf einer Acrylbasis, die ihrerseits auf vier Aluminiumstelzen ruht. Das ist zum einen notwendig, um neben dem hohen Teller überhaupt eingesetzt werden zu können, zum anderen ermöglicht es aber auch den schnellen Wechsel des Tonarmkabels, wenn gewünscht. Wovon ich abgesehen habe, ich halte die von den Bergisch-Gladbachern mitgelieferte Strippe mit vergoldeten Steckkontakten an beiden Enden und einer separat geführten Masseleitung für absolut angemessen. Wer indes experimentieren möchte – wozu der Jupiter ohnehin herstellertypisch prädestiniert ist, wie ich später erläutern werde – sei herzlich eingeladen. Sehr positiv registriere ich, dass der in klassischer S-Form sehr wertig gefertigte Tonarm an seinem vorderen Ende über ein Schraubgewinde verfügt, mit dem sich das Headshell samt Tonabnehmer in Sekundenschnelle wechseln lässt. Der Arm darf von seinem Eigengewicht zu den mittelschweren Genossen seiner Zunft gezählt werden – was bei der Wahl des Pick-ups zu berücksichtigen ist – und lässt sich mittels einer Madenschraube an seiner Basis problemlos, weil gut zugänglich, in der Höhe verstellen. Generell zeigt er sich praxisfreundlich: Das schraubbare Auflagegewicht ist gut lesbar skaliert, die Antiskatingeinrichtung über ein fingerfreundlich großes Rändelrad kinderleicht zu bedienen. So soll das sein.

Der Lagerblock des Tonarms im Detail
Der Lagerblock des Tonarms im Detail

Der schwere Haupt- wird bei der Aufstellung des Drehers über einen massiven Subteller (kein Subchassis! Es handelt sich um ein Masselaufwerk) gestülpt, der seinerseits auf einem eng tolerierten Inverslager mit in der Achse eingepresster Keramikkugel ruht. Wichtig: Das Tellerlager muss vor Inbetriebnahme mit dem beiliegenden Lageröl geschmiert werden und sollte sich wenigstens einige Stunden einlaufen. Das trifft auch auf das ab Werk montierte MM-Tonabnehmersystem (Goldring Elektra) zu, das meiner Überzeugung nach für einen Plattenspieler dieser Güte unterdimensioniert ist. Der einzeln für etwa 130 Euro erhältliche Abtaster ist dabei überhaupt kein schlechter, kann aber nicht im Entferntesten zeigen, wozu Laufwerk und Tonarm des Jupiter klanglich imstande sind. Das ist ungefähr so, als würde man einen 300-PS-Motor in einen alten Fiat 500 verpflanzen. Den reinen Daten nach zu urteilen, müsste er nach diesem Eingriff verdammt schnell sein, in der Realität wird er seine Kraft jedoch nicht vernünftig auf die Straße bekommen. Insofern sollte man das Elektra eher als „Funktionsnachweis“ betrachten, mit dem sich eine Weile gut leben lässt, dann aber auf ein hochwertigeres System umsteigen. Die Tonabnehmerfrage derart auf die Spitze treiben, wie ich dies im Laufe dieses Tests getan habe und Sie es im Folgenden Klangcheck lesen werden, muss man aber nicht.

Das auf dem Transrotor vormontierte System Goldring Elektra ist eigentlich nicht standesgemäß
Das auf dem Transrotor vormontierte System Goldring Elektra ist im Grunde nicht standesgemäß


Ohnehin ist es ja so, dass Vater und Sohn Räke den größten Teil ihres umfangreichen Modellprogramms in einer Art Modulbauweise angelegt haben. Heißt: Man erwirbt ein Basisgerät und hat jederzeit die Möglichkeit, dies mithilfe diverser hauseigener Upgrades klanglich zu „tunen“. So trat auch mein Test-Jupiter in „kleinstmöglicher“ Ausbaustufe an, ließe sich aber je nach Gusto und Geldbeutel bereits ab Werk mit diversen Tonabnehmern, externen Netzteilen, einem SME M2- oder 5012-Tonarm, dem Magnetlager TMD oder einer zusätzlichen Bodenplatte bestücken. Treibt man dies alles ins Extrem, verdreifacht der Jupiter allerdings auch seinen Einstandspreis auf deutlich über 9.000 Euro. Wie erwähnt: Man muss es nicht! Aber die Möglichkeit bestünde. Aus meiner Sicht ergäbe ein hochwertigerer Abtaster in Verbindung mit dem TMD-Magnetlager (780 Euro) und dem Netzteil Konstant Eins (350 Euro) eine sowohl klanglich sinnvolle wie auch finanziell noch überschaubare Erweiterung. Wie weit man darüber hinaus dann noch gehen möchte, sollte man für sich selbst ausprobieren.

 

 

 

 

Im Test:

Plattenspieler
Transrotor Jupiter

UVP zum Testzeitpunkt:


3.000 Euro (mit Tonarm
TR 800S und MM-System Goldring Elektra)

Hersteller & Vertrieb:

Räke Hifi/Vertrieb GmbH

Telefon: 02202 - 3 10 46

eMail:
transrotorhifi@t-online.de
Web:
www.transrotor.de


Größe des Hörraums:

Grundfläche 18 qm
Höhe: 2,45 m 

 

Equipment

Quelle:

analog:
Plattenspieler Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und MM-System Shelter 201,
Phono-Pre Lehmann Audio Black Cube Statement,
Tuner Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler
Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, Netzwerkplayer Pioneer
N-50 und Marantz NA 8005

Verstärker:

Vollverstärker Magnat RV-3 und Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schräg?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zweierlei aufstellung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

experimentierfreudig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der einstandspreis
lässt sich auch verdreifachen