überraschend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ausgewogen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

impulsgenau & geschmeidig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

konsistent & kohärent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

warum überhaupt noch größere lautsprecher?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

für nachteulen

Die Quadral Aurum Rodan 9 im Hörraum

In einer Sache überraschen mich die Quadral Aurum Rodan 9 klanglich gleich von Beginn an. Denn die „alte“ 8er-Aurum-Reihe war - so meine Erfahrungen mit einigen Modellen - in Sachen „Bühnendarstellung“ nicht gerade auf höchste Ortungsschärfe/Plastizität getrimmt. Ein Blick in den erst im vergangenen Sommer erfolgten Test der neuen Aurum Montan 9 des Kollegen Jochen Reinecke (der auf das Thema Räumlichkeit hohen Wert legt) hätte mich zwar eigentlich schon auf den neusten Stand bringen können, aber so erledigt diese Aufgabe angus und julia stoneerst einmal die kleinere Rodan: Denn was die in dieser Hinsicht zum Beispiel beim Track „Here we go again“ des australischen Geschwisterduos Angus und Julia Stone (Album: A Book like this, auf Amazon anhören) in meinen Hörraum stellt, ist absolut amtlich. Allenfalls die Hi-Hat auf dem rechten Kanal bekommen meine mehr als doppelt so teuren Sehring 902 noch ein bisschen realistischer hin, was den feinen Nachhall und damit auch das Gefühl für den Aufnahmeraum sowie die „Greifbarkeit“ des Instruments angeht. Westerngitarre und Sängerin werden derart plastisch-locker-realistisch in meinen Hörraum gebeamt, dass hier eigentlich keine weiteren Wünsche offen bleiben - klar tragen dazu auch die formidablen Bryston 7B³ ihr Scherflein bei, aber das gilt mit Blick auf die Sehring ja ebenso.

Auf der Z-Achse der virtuellen Bühne (also die vom Hörer über die Boxengundline bis dahinter) ergibt sich bei alledem eine ausgewogene Darstellung, weder geht es offensiv nach vorne, noch wird eine nüchterne, sich lediglich in die Tiefe streckende oder gar flache Draufsicht geliefert. Die horizontale Ausdehnung gerät ebenfalls „handelsüblich“, nur vertikal baut die Abbildung etwas niedriger als ich das gewöhnt bin, was der geringeren Bauhöhe von 99 Zentimetern geschuldet sein mag, gegebenenfalls auch der stärkeren vertikalen Bündelung des Bändchens. Meine verflossenen Spendor SP100R² (die ich nach wie vor zu den besten Boxen zähle, die meinen Hörraum bevölkerten) bildeten aufgrund der Hochtöner-Positionierung zwischen Bass- und Mittentreiber ebenfalls vergleichsweise niedrig ab, was mich nach kurzer Eingewöhnung aber nie störte.

Was mir beim genannten Song zudem positiv ins Ohr fällt, sind die feinen Obertöne der Metallsaiten und dass man aufgrund der feinen Vibrationen - nein, kein Schnarren und auch nicht die Umgreifgeräusche - fast meint, die Bünde zu „sehen“, auf die sie gedrückt werden, so metallisch echt und fein gerät es über die Quadral Aurum Rodan 9. Okay, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, riet einst Helmut Schmidt, deshalb stoppe ich hier in Sachen Hochton zunächst einmal und ziehe sicherheitshalber mal fix das handfeste Thema „Dynamik“ vor:

doomsquadEine stramme, massive Bassdrum, flinke, hallunterlegte „tischtennisballartige“ Handtrommeln, Wood Block und Hi-Hat sind einige der Zutaten aus der Rhythmusabteilung des Songs „Who owns Noon in Sandusky“ der kanadischen Combo Doomsquad, die ihre elektronische Musik auch gerne mal mit selbstgebauten akustischen Instrumenten anreichert. Das 2016er Album „Total Time“ (auf Amazon anhören) ist nicht zuletzt aufnahmetechnisch bar jeder Kritik. Was mir abermals sofort auffällt, ist die Aufgeräumtheit der virtuellen Bühne, das präzise räumliche Fassen der vielen „schnellen“ Klänge und Töne.

Dieser angenehme Charakterzug der Quadral Aurum Rodan 9 wird sicherlich dadurch gefördert, dass sie auch auf der Zeitebene nichts schleifen lassen: Ob Grobdynamik abfordernde Bassdrum oder eher die Feindynamik ansprechende Instrumente wie der Wood Block oder die dezent inszenierte Hi-Hat: Alles wird derart unvermittelt-zackig und leichtfüßig transportiert, dass von der Rhythmik, den Laut-leise-Sprüngen lebende Titel wie eben das „Who owns Nonn in Sundusky“ so involvierend ins Blut gehen, wie sich’s gehört. Wobei die Quadral Aurum Rodan 9 in Sachen dynamischer Griffigkeit auch nicht unbedingt zu den extra dry aufspielenden Zeitgenossen gehören. So drücken einen die grobdynamischen Beschleunigungswerte etwa einer JaWil Audio Ragnarök 2, die gerade beim Kollegen Ralph Werner steht, und mich nicht nur wegen ihrer Schnelligkeit ziemlich beeindruckt haben, noch mehr in den Sitz. Was bei einem Breitband-Hornkonzept wohl auch nicht verwundert. So oder so: Die Rodan 9 gehören für mein Dafürhalten zu den absolut impulsgenauen und flinken Lautsprechen, inszenieren das Gebotene aber mit einer besonderen Geschmeidigkeit, mit einem verbindenden Element, manch einem wird beim Hören bestimmt auch die Phrase „musikalischer Fluss“ in den Sinn kommen.

Quadral Aurum Rodan 9

Was auch an ihren besonderen Hochtonqualitäten liegen mag, wobei man mal wieder sieht, wie miteinander verzahnt die verschiedenen Klangparameter in praxi doch sind. Denn ich würde mal behaupten, dass eine leichte Hochtonbetonung, auf jeden Fall aber eine (über)betonte Attackansprache ein gesteigertes Gefühl von dynamischer Frische und Präzision suggerieren können (selbst die Bassqualität wird von den oberen Lagen mit beeinflusst): Bei meinen ausnehmend rasant, aber klangfarblich fahler tönenden ehemaligen Thiel CS 3.7 war das zum Beispiel ein wenig der Fall.

Die Aurum Rodan 9 hingegen spielt zum einen, was die schiere Hochtondosis angeht, im Zweifelsfall ganz leicht auf der dezenten Seite von neutral. Wenn mich meine Erinnerungen nicht gänzlich trügen, tönten zumindest einige ehemalige, noch aus der Vorgängerserie stammenden Probanden von Quadral - wie etwa die Aurum Vulkan VIII R, Aurum Montan VIII oder auch die Phonologue C Rondo – obenherum einen Tick ausgeleuchteter, freilich ebenfalls ohne den grundsätzlichen Pfad der neutralen Tugend zu verlassen.

Zum anderen liefert das Bändchen statt attackiger „eckiger Trennschärfe“ eine - Kollege Michael Bruß mahnte mich neulich, dass gänzlich ohne Poesie daherkommende Klangbeschreibungen zu trocken sind, nun dann - „feinduftige und zart-lockere“ Vorstellung, in der auch subtile Texturen zwischen den eigentlichen Anschlägen und nicht zuletzt das Ausklingen von Tönen ein starkes Wörtchen mitzureden haben. Was nebenbei dazu führt, dass auch fiesere Aufnahmen, mit zu arg zischelnden High-Hats oder zu naturbelassen ins Mikro gezischten Sibilanten nicht zu akustischen, - ach, warum nicht mal den Komiker Edmund Stoiber zitieren -, „Problembären“ mutieren.

Quadral Aurum Rodan 9 | Lautsprecher im Hörraum

Im Grunde lässt sich von den Aussagen über den Hochton sowie den dynamischen Qualitäten unserer Probanden unschwer aufs Thema „Auflösung“ schließen: Die Quadral Aurum Rodan 9 spielen ungemein feinsinnig und locker-aufdröselnd, haben aber auch keinen Einzelheiten-aufs-Silbertablett-Stellen-Fetisch, sind mithin keine allzu straighten Analytiker. Nichtsdestotrotz: Bei Goran Kaifjes „Sandboogie“ (Album: X/Y) - das ich zum Abklopfen der Detailwiedergabe zwischendurch extra mal einlegte - differenziert sich etwa das auf dem rechten Kanal zu hörende Geflecht aus Toms, Snare und unterschwelligem Hi-Hat-Ticken tadellos.

Ein echtes Asset, erst recht für einen Drei-Wegler in dieser Preisklasse, ist die Homogenität, die der Hochtöner zusammen mit seinem eine Etage tiefer werkelnden Mittenkonus ausstrahlt. Im Grunde frage ich mich beim Schreiben gerade, warum ich diese Frequenzbereiche überhaupt gesondert behandle, denn in praxi wirken sie wie miteinander verschmolzen: Ob Auflösung, Dynamik, musikalischer Fluss – Hoch- und Mitteltontreiber wirken extrem konsistent und auch auf Zeitebene ausnehmend kohärent: Instrumente und Stimmen erscheinen dem Ohr unvermittelt logisch, eingängig, echt – und gehen dadurch quasi wie Traubenzucker mühelos ins Blut.

Lykke LiTonal geraten Stimmen oder Akustikgitarren dabei wohlbalanciert, die beschriebene leichte Hochtondezenz trägt jedenfalls nicht so weit, dass das Gefühl aufkäme, solche Musikbestandteile würden ins betont Gefällige oder Sonore driften: Lykke Lis Stimme im aufnahmetechnisch  generell recht präsent eingefangenen „Tonight“ (Album: Youth Novels, auf Amazon anhören) wirkt so ätherisch und gläsern-fragil, wie ich das auch sonst so kenne, und keineswegs „entschärft“ . Bei charakterstarken Männerstimmen - wie auf Peter Murphys Album Dust oder Arboretums Longplayer Rites of Uncovering mit seinem gravitätischen, in sich ruhenden Folkrock zu hören - meine ich dann sogar, dass die Quadral Aurum Rodan 9 fast schon studiomonitoresk sachlich abbilden. Sachlicher jedenfalls als meine ehemaligen, ausnehmend organisch zeichnenden, allerdings mit einer klitzekleinen Extraportion Wärme tricksenden Spendor SP100R². Aber auch meine zweifelsfrei neutral aufspielenden Sehring 902 lassen Gesang irgendwie – ich kann gar nicht genau sagen, woran das festzumachen ist  – einen Tick mehr nach Fleisch und Blut klingen. Was auch insofern beruhigend ist, als dass man für die 902 ja auch ein gut zweieinhalbfach massiveres Bündel an Euronoten auf den Händlertresen legen muss. Und für die Spendor mit zugehörigem Ständer ein ungefähr doppelt so dickes.

Apropos Ständer, da war doch noch was: Genau, einen solchen kann man sich bei der Quadral Aurum Rodan 9 sparen, dafür erwartet man gerade im Bass eine Performance, die sich doch hoffentlich deutlich von gängigen Kompaktlautsprecher-Konstruktionen abhebt: Nun, die Rodan enttäuschen in dieser Hinsicht nicht. Im Gegenteil - der Tiefgang würde auch deutlich größeren Standlautsprechern zur Ehre gereichen. Ob die abgrundtiefen, elektronischen Bassfiguren in „Etched Headplate“ des englischen Dubstep-Projekts Burial (Album: Untrue, abwechslungsreiche, atmosphärische Musik, auf SumacAmazon anhören) oder das im Viervierteltakt auf drei gesetzte, bedrohliche „Uuum“ des Basses in Sumacs „Thorn in the Lion’s Paw“ (Album: The Deal, roher, schwerer, mechanisch anmutender Postmetal, ein Tipp (nur) für Hartgesottene, auf Amazon anhören): Die Rodan 9 geht mit und legt in Sachen Tiefgang fast das vollständige Blatt auf den Tisch, lediglich die schon fast eher körperlich spürbaren denn hörbaren Infraschallanteile, wie sie meine Sehring 902 oder etwa, ich erinnere mich noch ziemlich gut, eine Audioplan Konzert III in den Raum wuchten, spart sie sich aus – was Ihre Nachbarn sicherlich goutieren werden.

Für mich noch wichtiger als der schiere Tiefgang ist der erfreuliche Umstand, dass die Quadral Aurum Rodan 9 bei alledem einwandfrei neutral und konturiert agieren: Nichts dickt auf, nichts wummert, Bassbeats werden wohldefiniert und dynamisch zackig transportiert. Erstaunlich ist, dass das sogar bei hohen Pegeln funktioniert: Okay, wenn es zu später Stunde so weit ist, dass Ihre Party vollständig aus den Fugen gerät und das Lautstärkerädchen am Verstärker nur noch eine Richtung kennt, kommen auch die Rodan an ihre Grenzen, der Bass wird zunehmend unsauber. Aber abgesehen von solchen Extremsituationen sind sie – gerade angesichts des Tiefgangs, den sie bei ihrer Gehäusegröße/Membranfläche erzielen – überraschend pegelfest.

Warum überhaupt noch größere Lautsprecher kaufen? Nun, das ist fast schwerer zu beschreiben als zu hören: Lautsprecher mit mehr Membranfläche wie meine Sehring 902 schütteln insbesondere dynamische Kost naturgemäß noch leichter aus dem Ärmel, es tönt unterm Strich etwas selbstverständlicher, druckvoller, eindrücklicher, packender, physischer - und das keinesfalls nur bei hohen Pegeln. Für Hörer, die hier - auch mit Blick auf die Restriktionen ihres Wohnzimmers - mehr können und wollen, bietet ja schließlich auch Quadral größere Kaliber an - wie etwa die in der Modellhierarchie eine Ebene weiter oben angesiedelten Aurum Montan 9, die Kollege Jochen Reinecke vergangenes Jahr zu Gast hatte.

Quadral Aurum Rodan 9 | KingRex T20
Auch am zwischenweise mal flugs angeleinten, lediglich 2 x 10 Watt leistenden KingRex T20 blieb das Klangbild der Rodan 9 stabil

Ein besonderes Schmankerl haben die Aurum Rodan 9 aber noch in petto: Sie spielen auch leise extrem - ja, ich finde, das ist das richtige Wort – „hochwertig“ und sind ein ideales Tool für intensive nächtliche Hörsitzungen. Es erstaunt nahezu, wie stabil sich Tonalität, Dynamik und Luftigkeit selbst bei Flüsterpegeln halten. Hörabstände von zwei Metern oder auch kürzer sind ebenfalls kein Problem. Wer generell nicht auf allzu hohe Maximalpegel aus ist, sollte übrigens auch mit schwachbrüstigeren Verstärkern auf seine Kosten kommen: 86 dB/W/m machen die Rodan 9 zwar nicht gerade zu Wirkungsgradwundern, dennoch bleibt bei moderaten Pegeln selbst an einem gerade mal 2 x 10 Watt „starken“ KingRex T20(inklusive des optionalen externen Netzteils) das Klangbild einwandfrei stabil.