Test: Heco Celan GT 602 | Lautsprecher | Preis: 2.000 Euro

Schlank und Punk?

Heco Celan GT 602 | Lautsprecher

Juli 2015 / Tobias Zoporowski

Die vor etwa zehn Jahren vorgestellte Lautsprecherserie „Celan“ hat sich für Heco zu einer echten Erfolgsstory entwickelt. Das verwundert im Grunde niemanden, der einmal die Gelegenheit hatte, sich mit den sorgfältig abgestimmten und stets sehr wertig verarbeiteten Schallwandlern aus Pulheim bei Köln (www.heco-audio.de) zu beschäftigen. Die nun vorgestellten „New Celan GT“-Modelle, zu denen mein Testobjekt gehört, ersetzen die bewährte Linie denn auch nicht, sondern ergänzen sie um insgesamt vier anwendungsorientierte Lautsprecher im wohnraumfreundlichen „Slimline Design“.

„Anwendungsorientiert“ heißt in diesem Fall, dass es mit dem für die direkte Wandmontage konzipierten Kompaktmodell „Heco Celan GT 102 F“ und dem Centerspeaker „Heco Celan GT Center 32“ nunmehr zwei Varianten gibt, die vorrangig Heimkino- und Mehrkanalfans ansprechen. Die kompakte „Heco Celan GT 202“ und die hier zum Test anstehende Standbox „Heco Celan GT 602“ sind Universalisten, die sich sowohl in einem Cinema- als auch in einem reinen Stereo-Setup wohlfühlen.

Das größte Unterscheidungsmerkmal zu ihren bereits vorhandenen Celan-Geschwistern – die auch weiterhin im Programm bleiben – ist die auffallend schlanke Formgebung, die gerade bei der knapp einen Meter hohen Heco Celan GT 602 positiv ins Auge fällt. Die schmale Schallwand sowie die sich nach hinten verjüngenden Seitenwände haben indes nicht nur optische, sondern selbstredend auch akustische Vorteile, verhindern letztere doch effizient so genannte „stehende Wellen“ im Inneren der Gehäuse, die den Klang störend beeinflussen würden. Zusätzlich ist das stabile MDF-Kabinett intern mehrfach verstrebt und sehr penibel gearbeitet. Scharfe Kanten oder Kleberreste sind natürlich absolut Fehlanzeige, dazu würde sich die hochglänzende Mehrschichtlackierung, die wahlweise in Schwarz, Weiß oder dem sehr reizvollen „Piano Espresso“ meines Testmusters zu haben ist, auch auf einem teuren Möbelstück nicht besser verkaufen. Die gebürsteten Flansche der jeweils vier Wandlerchassis bilden dazu einen edlen Kontrast. HiFi-Ästheten werden daher vermutlich sofort nach dem Auspacken die beiliegenden Frontbespannungen entfernen und vergessen, dass es sie überhaupt gibt ...

Heco Celan GT 602 | Lautsprecher

Die vier Chassis der Heco Celan GT 602 kennzeichnen eine „echte“ Dreiwege-Konstruktion, deren Frequenzweiche mit besonders „eng tolerierten“ (O-Ton Hersteller) Bauteilen bestückt ist und die – inzwischen eine Heco-Spezialität – auf die Kraft des Papiers vertraut. In der Tat lassen die Rheinländer die jeweils 13 Zentimeter durchmessenden Membranen für Mittel- und Tieftöner aus „Kraftzellstoff“ (DIN 6730), der in Deutschland nach traditioneller Rezeptur erst seit 1999 wieder hergestellt und vor allem wegen seiner Reißfestigkeit bei gleichzeitig geringem Eigengewicht geschätzt wird, fertigen. Das dafür verwendete Papier muss besonders langfaserig sein – als Rohstofflieferanten dienen Nadelbäume nordischer Herkunft – und wird zusätzlich mit Wollfäden zur sogenannten „Kraftpapiermembran“ verpresst. Komplettiert werden die Chassis durch jeweils mehrfach belüftete und sehr stabil ausgeführte Aluminiumdruckgußkörbe sowie große Schwingspulen, die für spontanes Ansprechverhalten sorgen sollen. Die beiden Basstreiber werden dabei von einer speziellen Langhubsicke – die des Mitteltöners ist entsprechend schmaler – umfasst, die auch bei hohen Abhörpegeln kontrollierte Materialauslenkungen ermöglichen.

Heco Celan GT 602 | Lautsprecher Hochtöner

Am oberen Ende des Frequenzbandes setzen die Heco-Techniker auf eine Neuentwicklung: Ihr „High Energy Tweeter“ getaufter Hochtöner besteht aus einem Polyfiber-Verbundwerkstoff – also kein Papier! – und ist mit 30 Millimeter Durchmesser im Vergleich zu herkömmlichen Hochtonkalotten relativ groß. Zudem sitzt er leicht versenkt in einer hornähnlich ausgeformten Aluminiumfrontplatte, was gleichzeitig seinen Wirkungsgrad erhöht und sein Abstrahlverhalten positiv beeinflusst. Sein Schall streut trotz seines großen Durchmessers recht breit, so gibt es auch dann kaum Wahrnehmungsverluste im Hochtonspektrum, wenn man etwas außerhalb des „Sweet Spot“ sitzt.

Die Bassabteilung atmet durch zwei rückwärtig eingelassene und großzügig dimensionierte Reflexrohre aus. Bei dieser Bauart sollte man darauf achten, die Lautsprecher nicht allzu dicht an eine Rückwand zu positionieren. Sonst kann es im Tiefenspektrum womöglich zu viel des Guten werden, aber das werden Sie schnell herausfinden. Zumal die „Heco Celan GT 602“ ansonsten zu den aufstellungsunkritischen Schallwandlern gehören. Ob Sie die hübschen Rheinländerinnen auf den Hörplatz einwinkeln oder gerade in den Raum arbeiten lassen, bleibt Geschmackssache. Ich bevorzuge aufgrund des tendenziell fokussierteren Klangeindrucks eine leichte Einwinkelung und verzichte dafür auf ein Quäntchen Basisbreite. Aber wie gesagt: jeder nach seiner Fasson.

Heco Celan GT 602 | Lautsprecher Treiber

Herstellertypisch ist der komplette Lieferumfang in Sachen Bodenentkopplung: Heco legt sowohl höhenverstellbare Spikes – mit entsprechenden Unterlegscheiben – als auch einfache Gummikegel in den Karton. So ist man für alle Eventualitäten gerüstet, wobei ich die Verwendung der Spikes aus klanglichen Gründen ausdrücklich empfehle. Übrigens unabhängig von Hersteller oder Konstruktionsprinzip der Standbox. Selbst bei Kompaktlautsprechern kann eine Entkopplung vom Ständer mittels Spikes Sinn machen. Meine Erfahrung zeigt, dass vor allem der Bassbereich an Kontrolle und Präzision zunimmt. Aber: Probieren Sie es aus!

Unterhalb der Bassreflexöffnungen offeriert das Anschlussterminal, das klassenüblich für Bi-Wiring und Bi-Amping vorbereitet ist, fünf Buchsen. Moment mal: fünf? Ja, ich habe mich nicht verzählt. Der fünfte Anschluss dient der Anpassung des Hochtonpegels. Je nach Aufstellungsort, etwa wenn die Celan Celan GT 602 in stark bedämpften Räumen betrieben wird, kann der Hochtonpegel um zwei Dezibel angehoben werden. Im Single-Wiring-Betrieb – den auch ich fahre – muss dafür lediglich eine Kabel- oder Blechbrücke umgesteckt werden.

Heco Celan GT 602 | Terminal

 

 

 

Im Test:

Lautsprecher:
Heco Celan GT 602

UVP zum Testzeitpunkt:
2.000 Euro

Hersteller & Vertrieb:
Magnat Audio Produkte GmbH

Telefon: 02234 - 8070

eMail:
info@audiovox.de
Web:
www.heco-audio.de


Größe des Hörraums:

Grundfläche 18 qm
Höhe: 2,45 m

Equipment

Quelle:

analog:
Plattenspieler Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und MM-System Shelter 201,
Phono-Pre Lehmann Audio Black Cube Statement,
Tuner Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler
Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, Netzwerkplayer Pioneer
N-50 und Marantz NA 8005

Verstärker:

Vollverstärker Magnat RV-3 und Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schlank & verjüngt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

reißfest!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

jeder nach
seiner fasson

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

regel den pegel