Test: B&W CM6 S2 | Lautsprecher | Preis: 1.900 Euro

Luftig, lässig, lebendig

B&W CM6 S2

August 2015 / Tobias Zoporowski

Seit der legendären Ur-„Nautilus“ – also etwa seit Anfang der Neunzigerjahre – ist ein extern auf das Lautsprechergehäuse aufgesetzter Hochtöner unverkennbares Merkmal der Topmodelle des Hauses Bowers & Wilkins (www.bowers-wilkins.de). Ein Prinzip, das die „Briten-Boxen“ nicht nur optisch unverwechselbar erscheinen lässt, sondern auch technische Vorteile bietet. Natürlich. Aber eigentlich befinden wir uns schon viel zu früh zu tief in der Materie ...

Meine „Beziehung“ zu B&W ist eine ganz Besondere, war doch der Test des Standlautsprechermodells 804S im Jahre 2005 einer der ersten Berichte, die ich überhaupt für ein HiFi-Magazin verfasst habe. Und da die Redaktion ihren damaligen Volontär nicht einfach so „Mir nichts, Dir nichts“ auf eine 4.000-Euro-Box loslassen wollte, wurde ich sozusagen hochprofessionell vorbereitet. Niemand geringerer als B&W-Produktmanager Ulf Soldan wurde seinerzeit gebeten, mich in die Geschichte des Unternehmens im Allgemeinen und die technischen Vorzüge eben jener 804S im Besonderen einzuweisen. Was er gern getan hat. Einen ganzen Nachmittag lang. An dessen Ende ich markenspezifische Merkmale wie „Flowport“-Bassreflexkanal, „Matrix“-Gehäuseversteifung, Diamanthochtöner und Kevlarchassis im Schlaf singen konnte. Übrigens bis heute! Was absolut vorteilhaft ist, denn das Unternehmen betont bei jeder Neuerscheinung sein Traditionsbewusstsein und verweist stets mit großer Begeisterung auf die „Urmutter Nautilus“, die so etwas wie den Genpool der Bower'schen Klangphilosophie in sich vereint und durchaus als deren Technologieträger bezeichnet werden kann.

B&W CM6 S2
Der Hochtöner der B&W CM6 S2 - die 25-Millimeter-Membran besteht aus Aluminium

Und so spielt auch die im Jahre 2006 erstmals präsentierte und nunmehr in aktualisierter Form mit dem Zusatz „S2“ vorliegende Produktlinie CM mit (fast) allen Features, die die Briten aus ihrer maritim geformten Ikone abgeleitet und über die Zeit immer weiter verfeinert haben. Allgemein spielt die „CM“-Serie, innerhalb derer mein Testmodell „CM6“ die größte von insgesamt drei Kompaktmodellen darstellt, die „zweite Geige“ im Produktportfolio von B&W. Was ich keinesfalls despektierlich meine, folgt sie doch unmittelbar auf die elaborierte Toprange „800 Diamond“. Von dieser unterscheiden sich die „CMs“ mit ihrem klaren bauhausähnlichen Design optisch sehr deutlich, technisch jedoch gar nicht so sehr.

Zwar verzichtet die im Vergleich zur kompakten „805 Diamond“ nur etwa die Hälfte kostende B&W CM6 S2 auf die enorm stabile und an den Bootsbau erinnernde „Matrix“-Innenversteifung, geriert sich aber beileibe nicht als „Klapperkiste“. Das beweist der bewährte Fingerknöchelklopftest. Ihr sorgfältig verarbeitetes und fehlerfrei lackiertes Gehäuse ist konservativ stabilisiert, was unerwünschte Zitterpartien effektiv unterdrückt.

Den in einer separaten Röhre oben auf das Lautsprechergehäuse montierten Hochtöner kannte man in dieser Form bislang ebenfalls nur von den „großen“ 800er-Geschwistern, nun hat Bowers & Wilkins ihn auch den Topmodellen CM6 S2 (Kompakt) und CM10 S2 (Standbox) der günstigeren Produktlinie spendiert. Allerdings nicht mit der bei den 800ern obligatorischen Diamantkalotte, diese wäre für die schlanker kalkulierte CM-Serie denn doch zu aufwändig gewesen.

B&W CM6 S2 Hochtöner

Der 25-Millimeter-Tweeter der Bowers & Wilkins CM6 S2 besteht aus Aluminium und wird auf seiner Rückseite im Außenbereich – dort sitzt die Schwingspule – von einem zweiten Aluminiumring verstärkt. Ein Gelkissen entkoppelt das Chassis zudem von seinem Gehäuse, in dessen Röhrenform sich unerwünschte Schallanteile „tot“ laufen. Für zusätzliche Ruhe und Entkopplung der Hochtonanteile von eventuell auftretenden Störfrequenzen sorgt die flexible Montage der gesamten Hochtoneinheit auf dem „Kopf“ der Box. Keine Angst, wenn diese sich beim vorsichtigen (!) Berühren bewegt, das „muss so“.

Seit gefühlten Ewigkeiten setzt man bei B&W auf Kevlargewebe für den Einsatz als Membranmaterial im Tief- und Mitteltonbereich. Seine enorme Steifigkeit prädestiniert den Werkstoff für den Lautsprecherbau, ist er doch aufgrund seines geringen Eigengewichts schnell anzutreiben und abzubremsen. Zudem verzieht und verdreht sich Kevlar nicht in sich selbst, was Resonanzen der Membrane wirkungsvoll unterdrückt. In seiner neuesten Generation wird das „schusssichere“ Chassis von einer zusätzlichen Versteifung im Außenbereich gestützt, was drohende Verzerrungen nochmals minimiert. In der B&W CM6 S2 überstreicht ein 16,5 Zentimeter durchmessender Wandler den gesamten Tiefmitteltonbereich und atmet in tiefen Lagen durch ein in die Gehäuserückwand eingelassenes Bassreflexrohr aus.

B&W CM6 S2 Kevlar

Für dieses haben sich seine Entwickler die griffige Bezeichnung „Flowport“ ausgedacht, was nichts anderes meint, als dass die Kunststoffoberfläche der Bassreflexöffnung von zahlreichen Vertiefungen durchsetzt ist, die an die Oberfläche eines Golfballs erinnern. Was soll das Ganze? Sage ich Ihnen: Wie klingt ein Golfball, der durch die Luft fliegt? Das wissen Sie nicht? Aha! Warum nicht? Weil man ihn kaum hört. „Schuld“ daran ist seine strömungsoptimierte Oberfläche. Und jetzt – Aufgepasst! – wissen Sie auch, weshalb der „Flowport“ seine Löcher hat ...

An ihren Frequenzweichen sollt Ihr sie erkennen – die unterschiedlichen Philosophien im Lautsprecherbau! Während die einen – als Paradebeispiel ist hier etwa Nubert zu nennen – mit möglichst vielen Bauteilen auf der Platine die präzise Frequenzaufteilung zu kontrollieren suchen, gehen andere – und hier ist Bowers & Wilkins ein Extrem – den Weg der radikal reduzierten Leiterplattenbestückung. Bei der Zweiwege-Konstruktion der B&W CM6 S2 reichten den Entwicklern ganze drei Bauteile: ein Kondensator, eine Luftspule und ein Widerstand. Diese sind indes von ausgesuchter Qualität. So liefert etwa Mundorf mit seinem „MCaps EVO Silver Gold Oil“ einen Vertreter, den man auch auf Frequenzweichen ganz wesentlich kostspieligerer Lautsprecher findet. Aber ob eine Weichenplatine nun besonders üppig oder wie hier auffallend sparsam bestückt ist – ein „Richtig“ oder „Falsch“ scheint es in dieser Frage nicht zu geben. Die Debatte darüber – von vielen Experten bereits endlose Male geführt – scheint mir auch müßig. Denn wichtig ist doch vor allen Dingen, was hinten, pardon: vorne 'rauskommt ...

B&W CM6 S2

 

 

 

 

Im Test:

Kompakt-Lautsprecher:
B&W CM6 S2

UVP zum Testzeitpunkt:
1.900 Euro

Hersteller & Vertrieb:
Bowers & Wilkins Group Germany GmbH

Telefon: 05201 - 87170
eMail: info@bwgroup.de
Web:www.bowers-wilkins.de


Größe des Hörraums: Grundfläche 18 qm
Höhe: 2,45 m 

Equipment

Quelle:

analog:
Plattenspieler Transrotor Insigne mit Tonarm Rega RB 300 und MM-System Shelter 201,
Phono-Pre Lehmann Audio Black Cube Statement,
Tuner Sansui T-80 (modifiziert)

digital:
CD-Spieler
Lua Appassionato und Yamaha CD-S 1000, Netzwerkplayer Pioneer
N-50 und Marantz NA 8005

Verstärker:

Vollverstärker Magnat RV-3 und Yamaha A-S 1000

Lautsprecher:

Magnat Quantum 905
Klipsch RF-82 II

Kabel:

LS- und NF-Kabel durchgängig in-akustik, alternativ Eagle Cable, WireWorld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

tweeter inside

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

auf die röhre geschaut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das muss so

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wichtig ist, was vorne rauskommt ...