überraschend subtil

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gesangstalent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zu viele vorurteile?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

einen deut weniger silbrig-glänzend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gut in der zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fast nur logische schlussfolgerung

Klang-Beschreibung: NuForce Reference 20
Mono-Endverstärker

kode 9Zwei mit den Hufen scharrende Monoblöcke mit 2 x 200 Watt/8 Ohm im Rack. Was erwartet man? Vor allen Dingen, dass ein energetisch-zupackendes und abgrundtief bassstarkes, riesiges Klangbild über einen herfällt? Nun, vielleicht, aber heben wir uns dieses Thema noch ein bisschen auf. Denn was mich an den NuForce Reference 20 vom Fleck weg begeisterte, waren zunächst etwas subtilere Qualitäten. So lebt der Titel „Am I“ des schottischen Dubstep-Pioniers Kode 9 (Album: Black Sun) zwar durchaus von den Bassarrangements der Sequenzer und Sampler, deswegen hatte ich den Track eigentlich eingelegt, dennoch fiel mir zunächst ausgerechnet die Stimmwiedergabe der Reference 20 ins Ohr. Ich liebe übrigens das Timbre und den jamaikanischen Dialekt des - letztes Jahr leider an Krebs verstorbenen -  Sängers Stephen Samuel Gordon, gerade im Kontext der doch schon etwas futuristischeren, experimentelleren Klangwelten auf Black Sun:

Nun, zum einen mutet der Gesang über die NuForce Reference 20 merklich echter an, ja, klangfarblich reiner und „untechnischer“ als ich das sonst so insbesondere von vielen Transistorverstärkern gewohnt bin. Als hätten die letzten unterschwelligen Fitzelchen an störendem Grissel oder Grautönen das Weite gesucht. Was die Stimme zugleich ein bisschen satter und deckkräftiger erscheinen lässt. Und übrigens nichts mit tonalen Gegebenheiten zu tun hat, die NuForce-Blöcke agieren im besten Sinne neutral und verzichten auf jegliche Schönfärberei mittels Grundtonanhebung oder sonstigem Getrickse.

Bei alledem differenziert sich der Gesang wunderbar vom Rest des Geschehens - bei einem solch dicht arrangierten Song keine Selbstverständlichkeit -, was wohl auch dadurch begünstigt wird, dass die Reference 20 einzelne Musikbestandteile räumlich sehr fokussiert und eindeutig gefasst präsentieren. Über meine Audionet-AMP-Monos, die in dieser Hinsicht eigentlich auch nichts anbrennen lassen, tönt es im direkten Vergleich tatsächlich einen Deut diffuser, werden einzelne Klangereignisse einen Tick flächiger inszeniert. Auch der eigentümliche Effekt, mit dem die Stimme in „Am I“ belegt ist – ein bisschen klingt es so, als stünde Stephen Samuel Gordon in einer Telefonzelle – kommt über unsere Probanden noch unmissverständlicher, noch kohärenter zur Geltung.

NuForce Reference 20 | Mono-Endverstärker und Diapason Admantes
Ungleich und mit ihren facettierten Fronten doch wieder so ähnlich, dass es den Fotografen in den Fingeren juckte: Die NuForce Reference 20 mit einer Diapason Adamantes im Rücken

Logischerweise treten diese Meriten auch bei akustischen Instrumenten zutage. Als ich Robert Wyatts „On the Town Square“ (Album: Comic Opera) in die Playliste von JRiver schiebe und den Volume-Regler meines Funk MTX weiter nach recht drehe, bin ich dann auch so ziemlich aus dem Häuschen: Die Definiertheit, die „Verwacklungsfreiheit“ der einzelnen Schläge des songeinleitenden Schlagzeugbesen-Wirbels und die Klarheit, mit der sich die dann einsetzende Steeldrum auf dem linken Kanal in Szene setzt, sind selbst für Endstufen dieser Preisklasse außergewöhnlich, ebenso wie die Unmittelbarkeit, die energetische Konzentration, ja, „Geballtheit“ mit der das trompetenähnliche Kornett plötzlich aus der rechten Box platzt. Meine Herren ...

Insgesamt 400 Watt Class-D-Power von futuristisch dreinblickenden, selbst bei höchsten Pegeln ungerührt cool bleibenden Metallflundern ... und das Erste, was mir ins Ohr fällt, sind ausgerechnet die klassischsten High-End-Kriterien überhaupt, sprich die klangfarbliche Glaubwürdigkeit/Natürlichkeit sowie die Verve bei der Darstellung von Stimmen und Instrumenten? Class A, Class D, Class XY, ... ich meine ja eh, dass in dieser Buchstabensuppe zu viele Vorurteile schwimmen.

NuForce Reference 20 | Mono-Endverstärker

Vielleicht kommt der besonderen Reinheit, Transparenz und Definiertheit des Mitteltons der NuForce Reference 20 auch ein bisserl zugute, dass die allerobersten Hochtonlagen - dort, wo es mehr um unterschwelligen Glanz und Luftigkeit geht als um fassbare Musikinhalte, aber gleichwohl zusätzliche Störeinflüsse lauern - einen Tick zurückhaltender, gedeckter tönen. Beispielsweise gaben die erst kürzlich besprochenen Norma Revo IPA 140 oder Lindemann musicbook:55 (die luftigsten Class-D-Amps, die bisher bei mir aufspielten) die obersten Höhenzüge einen Deut prägnanter wieder als unsere 20er.

Eine Prägnanz, die wie angedeutet eher „ätherische“ Wirkung hat als einen handfesten Einfluss auf die Detailwiedergabe: So bleibt beispielsweise der sich hauchzart über die ersten Takte legendekasabian Plattenknister-Effekt in Kasabians „Where did all the Love go“ (Album: West Ryder Pauper Lunatic Asylum, absoluter Tipp für Freunde anspruchsvollen Britpops) auch mit den NuForce Reference 20 einwandfrei wahrnehmbar. Das perkussive Knistern in Kliniks „Nautilus“, das wie ein mit Echo unterlegter elektrischer Funkenschlag anmutet, wird ebenso akkurat texturiert und feindynamisch zackig nachgezeichnet, wie ich das von meinen hochauflösenden, schnellen Audionet AMP kenne - nur einen Deut weniger silbrig-glänzend.

Ja, die leichte Dezenz im Obertonbereich macht sich nicht an einzelnen Details fest, sie prägt eher unterschwellig das Gesamtbild der Musik. Und führt nicht zuletzt dazu, dass der Hochton unserer Probanden zwar einerseits absolut durchlässig wirkt - ich würde die Ref 20 sogar durchaus zu den Hochauflösern ihrer Klasse zählen -, aber niemals ins unangenehm Grelle, Zischlige oder Harte driftet. Auch aufnahmetechnisch vordergründig eingefangene Sibilanten (S-Laute), die beispielsweise im Song „Matilda“ der englischen Mercury-Music-alt jaPrize-Gewinner Alt J (Album: An Awesome Wave) leicht nerven können, werden von den NuForce keinesfalls verschluckt, aber gleichwohl angenehm stressfrei gereicht.

Und da gerade das Wörtchen „stressfrei“ fiel – Gemütlichkeit holt man sich mit den NuForce Reference 20 dennoch auf keinen Fall ins Haus: Die flachen Amerikaner zählen zweifelsohne zu spielfreudigen Vertretern der Verstärkerzunft und wirken auf mich bei entsprechenden Titeln nahezu wie entfesselt.

Zum einen mag das daher rühren, dass sie - wie erwähnt - einzelne Klänge/Instrumente fokussierter und eindeutiger gefasst definieren als das Gros der Verstärker, die ich bisher intensiver hören durfte. Wodurch einzelne Musikbestandteile energetisch wie stärker gebündelt, ja, irgendwie noch impulskräftiger wirken. Nun, das mag sich vielleicht ein wenig schwurbelig lesen, trifft’s aber dennoch. Und deutet technisch unter anderem auf ein sehr kohärentes Zeitverhalten hin, hier werden Class-D-Amps häufig eh Vorteile gegenüber klassisch-linearen Verstärkern nachgesagt.

Zum anderen gehen die NuForce Reference 20 – auch hier wird das Zeitverhalten ein Wörtchen mitreden – als leidenschaftliche Dynamiker durch: Ob die knalligen Toms in Battles „Atlas“ (Album: Mirrored), die ebenso massive wie rhythmische Tieftonwelt auf dem Drum-and-Bass-Klassiker Casual Bodies vonklute Klute oder die zackigen Klänge des schwedischen Jazztrompeters Goran Kajfeš in „Sandboogie“ (Album: X/Y) – die Ref 20 sind bei rhythmischer Musik in ihrem Element und von Kopf bis Fuß ihres Übertragungsbereichs ausnehmend schnell unterwegs. In dieser Hinsicht stehen sie durchaus den pfeilschnellen Lindemann musicbook:55 nahe, die allerdings grobdynamisch gegenüber den NuForce das Nachsehen haben – liefern sie untenrum doch weniger „Pfund“, sprich pumpen weniger Tieftonmasse, weniger Bassenergie in die Lautsprecher, wodurch sie generell nicht ganz so mächtig tönen wie „große“ Endstufen.

Was man von den NuForce Reference 20 nun überhaupt nicht behaupten kann: Sie graben tief nach unten, nach meinem Gefühl gar noch ein paar Hertz tiefer als meine Audionet AMP, die sich dieser Hinsicht eigentlich ebenfalls absolut erwachsen geben. Wie beschrieben sind die Ref 20 dabei äußerst schnell und konturiert unterwegs, tonal zudem exakt auf der Ideallinie, wie überhaupt – ich hatte das noch gar nicht explizit geschrieben – das Klangbild der nuForce Reference 20 generell ausnehmend balanciert wirkt.NuForce Reference 20 | Mono-EndverstärkerLast but not least, aber fast nur logische Schlussfolgerung aus dem bisher Gesagten: Auch in Sachen Bühnenabbildung gehen die NuForce Reference 20 absolut amtlich zu Werke. Denn dass sie einzelne Klänge/Instrumente so eindeutig fokussiert und gefasst zeichnen, ist natürlich auch der Ortungsschärfe förderlich - sowie dem Umstand, dass sich die einzelnen Musikbestandteile weniger dicht auf die Pelle zu rücken scheinen und deren Abstandsverhältnisse unmissverständlicher definiert anmuten. Mag in Sachen Plastizität - das Bessere ist ja bekanntlich des Guten Feind - bisweilen dennoch ein Tick mehr gehen (hier habe ich den 3.000 teureren AVM SA8.2 noch sehr positiv im Ohr), zählt die „Bühnenqualität“ gleichwohl mit zu den Highlights der Class-D-Flachmänner, zumal sie bei alledem ein sich schön von den Lautsprechern ablösendes, involvierend auf den Hörer zugehendes Klangbild illusionieren. Meine Audionet AMP zeichnen räumlich etwas diffuser und nicht ganz so plastisch, lassen die Bühne aber etwas höher und offener wirken - ein Eindruck, der wohl nicht zuletzt ihrer etwas offeneren Hochtoncharakteristik geschuldet sein wird.