Test: Meze 99 Classics | Kopfhörer | Preis: 299 Euro

Meze macht mobil

Meze 99 Classics | Kopfhörer

November 2016 / Fritz Schwertfeger

Ob unterwegs, auf Reisen oder in einer Stunde der Muße in den eigenen vier Wänden: Musikgenuss per Kopfhörer ist ein privates, ungestörtes Vergnügen. Beim Kauf eines Kopfhörers spielen neben klanglichen Aspekten auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu zählen Tragekomfort, Mobilität/Handling sowie auch Haptik und Optik. Steht dann auch noch ein außergewöhnliches Design und der großzügige Einsatz von Naturwerkstoffen wie zum Beispiel Holz ganz oben auf der Wunschliste, muss meist auf eher hochpreisige Modellen renommierter Hersteller zurückgegriffen werden. Bis dato.

Denn genau hier kommt der ohrumschließende, nach dem geschlossenen Prinzip konstruierte Kopfhörer Meze 99 Classics (www.headphone-company.com, mit Onlineshop) ins Spiel. Der aus dem rumänischen Baia Mare stammende Hersteller Meze ist gerade dabei sich ernsthaft zu etablieren und wird von Kopfhörer-Aficionados weltweit mit immer größer werdender Beachtung bedacht. Kündigt sich da also etwas Großes an?

Meze 99 Classics | Kopfhörer - Logo

Das „Classics“ in der Namensgebung, so ließ mich Thomas Halbgewachs, der den Vertrieb hier in Deutschland verantwortet, wissen, steht für reinen, klassischen Musikgenuss, ohne viel technischen Firlefanz. Back to the roots, möchte man schon ausrufen. Genau dies nämlich ist die Definition von Anton Meze, Industriedesigner, Namenspatron und Firmenchef. Genervt von der Tatsache, dass er keinen Kopfhörer fand, der seinen Vorstellungen entsprach, beschloss er kurzerhand selber das Heft in die Hand zu nehmen. Mit Hilfe eines 12-köpfigen jungen Teams, bestehend aus Ingenieuren und Designern sowie dem stetigen Kontakt zu Kopfhörerbegeisterten aus aller Welt, entstand so der Meze 99 Classics, wie er heute vor einem steht – die letztendliche Fertigung erfolgt übrigens in China. Dennoch legt man in Baia Mare keineswegs die Hände in den Schoß, sondern verfeinert den Kopfhörer fortlaufend weiter. Werden Komponenten weiterentwickelt, lassen diese sich auch auf bereits erworbene Modelle einfach implementieren. „Modularität & Upgradefähigkeit“ lautet hier die Zauberformel – auch für den unwahrscheinlichen Fall, dass mal was zu Bruch gehen sollte, zweifelsohne ein Vorteil.

Bei genauerer Betrachtung der Verarbeitung und der eingesetzten Materialien, kann man durchaus die eine oder andere Augenbraue anerkennend nach oben zucken lassen. Edelstahl, Messing und reichlich Holz sind auf den ersten Blick erkennbar. Die einzige Komponente aus Kunststoff ist die von außen nicht einsehbare Schallwand, in welcher der 40-mm-Treiber mit einer Membran aus Mylar (eine chemisch sehr beständige Polyesterart mit günstigen thermischen und physikalischen Eigenschaften) und einem kräftigen Neodym-Antrieb Halt findet.

Meze 99 Classics | Bügel

Logischerweise verantworten nicht nur Membran und Antrieb die Klangcharakteristik eines Kopfhörers. Auch die Wechselwirkung von Membran und der rückwärtig reflektierenden Schallanteile, die beim geschlossen konstruierten 99 Classics ja nicht direkt nach außen entweichen können, spielen eine große Rolle. Im Grunde, so muss man sich das vielleicht vereinfacht ausgedrückt vorstellen, prägen Größe, Form und Materialbeschaffenheit der Ohrmuscheln die Klangsignatur wie das auch bei Korpussen von Musikinstrumenten der Fall ist. Und genau aus diesem Grund entschied man sich bei Meze nach langem Tüfteln für Ohrmuscheln aus Holz, wahlweise Walnuss bei der schwarz-goldenen beziehungsweise schwarz-silbernen Ausführung oder Ahorn bei der vermeintlich eher die weibliche Zielgruppe anpeilenden weiß-silbernen Variante des 99 Classics. Das Holz stammt laut Meze aus Beständen, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, so dass auch dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung getragen werde.

Während eines mehrstündigen Arbeitsprozesses aus einem vollen Holzblock mittels CNC gefräst, wird im Anschluss jedes Treibergehäuse nach Qualitätsaspekten selektiert und anschließend in weiteren Herstellungsschritten von Hand auf Hochglanz poliert. Nicht ganz ohne Stolz wird auch darauf verwiesen, dass somit jeder Hörer im Grunde ein Unikat ist, denn die individuelle Maserung und Struktur der Ohrmuscheln ist bei keinem Kopfhörer dieselbe. 

Meze 99 Classics: Genauer hingeschaut ...

Meze 99 Classics | Ohrpolster

Sein barockes und dennoch gleichzeitig futuristisch anmutendes Design wird von einem Wechselspiel der Materialien, bestehend aus Metall, hochwertigem Kunstleder sowie Holz und deren unterschiedlich miteinander korrespondierenden Farbgebung zueinander unterstrichen. Wer sich dem Meze 99 Classics nähert, kommt nicht umhin, ihn gleich in Hand nehmen zu wollen. Hier geht der Over-Ear Kopfhörer tatsächlich neue Wege, denn er unterscheidet sich auf Anhieb von der breiten Masse anderer Kopfhörer.

Der weite Metall-Bogen aus Edelstahl, an dessen Enden sich die beiden filigranen, gerade einen halben Zentimeter breiten Metallbänder vereinen, erfüllt gleich mehrere Zwecke. Einerseits gewichtsreduzierend bei dennoch hoher Stabilität, nimmt er nicht nur die hölzernen Ohrmuscheln auf, sondern fasst auch kunstvoll das innenliegende Kopfband ein. Dessen Variabilität in Bezug auf Kopfgröße und -form des Trägers bietet im Zusammenspiel mit dem moderaten Gewicht – der 99 Classics wiegt ohne Kabel 260 Gramm – sicheren und angenehmen Tragekomfort. Dazu tragen auch die überarbeiteten Ohrpolster ihren Teil bei, die nun mit einer noch konturierteren Form sowie hochwertigerem Material aufgewertet wurden. Als eher unbegründet erweist sich offenbar der bloße Verdacht, der Kopfhörer könnte sich im Laufe der Zeit durch häufiges Tragen arg verwinden oder sonstigen Schaden nehmen. Den nicht gerade zimperlichen Schwertfeger'schen Verwindungstest steckte der 99 Classics jedenfalls klaglos weg.

Durch die geschlossene Bauweise werden störende externe Geräusche abgeschirmt, während umgekehrt das unmittelbare Umfeld nicht in Kenntnis des musikalischen Programms gesetzt wird. Hier erreicht der Kopfhörer nicht ganz die typische Isolierung eines Studio-Kopfhörers wie dem Ultrasone Performance 880 oder dem noch besser abkapselnden DT 770 PRO von Beyerdynamic. Aber dennoch ist das in Summe solide genug und vor allem für diejenigen erfreulich, die mit Bus und Bahn unterwegs sind oder einfach im Wohnzimmer Musik genießen wollen, ohne die anderen Familienmitglieder mit zu beschallen.

Ausstattung: Meze 99 Classics

Meze 99 Classics | Transportbox

Zwar lässt sich der Kopfhörer nicht platzsparend zusammenfalten, aber dafür liefert Meze ein kompakt gehaltenes und sehr robustes Hardcase mit, das den 99 Classics samt Zubehör schützend aufnimmt. Das Firmenemblem, die stilisierte Harfe auf schwarzem Grund, ziert die Front des Hardcase und ich komme nicht umhin festzustellen, dass mich dies ein klein wenig an das Emblem eines italienischen Sportwagenherstellers erinnert.

Im Inneren der Transportbox findet sich eine weitere Aufbewahrungsbox. Darin findet sich neben einem Flugzeugadapter ein anderthalb Meter langes und mit einer 3,5-mm-Klinke ausgestattetes Kabel inklusive Fernbedienung und Mikro, welches die rudimentäre Musik-Steuerung sowie das freihändige Telefonieren ermöglicht. Für den Anschluss an einen hochwertigen externen Kopfhörer-Amp beziehungsweise die heimische Anlage liegen zudem ein pures drei Meter langes Kabel sowie ein 6,35-mm-Klinkenadapter bei.

 

 

 

 

Im Test:

Kopfhörer:
Meze 99 Classics

UVP zum Testzeitpunkt:
299 Euro

Vertrieb:
Headphone Company

Telefon:
06221-889211

eMail:
info@headphone-company.com

Web:
www.headphone-company.com


 

Equipment:

Quellen:
Linn Sneaky DS, Auralic Aries Mini, Sony CDP X-707 ES, Mac Mini mit Audirvana
DAC/Kopfhöreramp/

Phonovorstufe: 
Mytek Brooklyn

Phono:
Linn LP12,  Pro-Ject Perspective Anniversary


Lautsprecher:
KEF LS 50, Isophon Vertigo (Signature Upgrade),  Audiostatic ES 300 (Fullrange Elektrostaten), Elac 247.3 Canton Vento 890.2,  Vento 830.2/Vento Center/Sub 600

Verstärker:
Vollverstärker: Cayin MT-34L, Sony TA-DA 9000 ES, Pioneer SC-LX 89
Vor-/Endkombi: Sony TA-E 80 ES /2 x TA-N 80 ES (Bi-Amping)

Mobile DAP / DAC:
Astell&Kern AK 380, Calyx M, Chord Mojo

Kopfhörer:
Beyerdynamic DT 1770 PRO, Astell&Kern AK T8iE, Sennheiser Momentum 2, Beyerdynamic DT 1990 PRO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

modularität & upgradefähigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kann spuren von nüssen enthalten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein eisenbieger namens schwertfeger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

in the box