leserBericht: Hörerfahrung Jadis Orchestra blacksilver

Kein Schwarz-Weiß

Jadis Orchestra blacksilver

von Martin Mertens

Eigentlich müsste der neue Orchestra ja "noir et argnet" heißen, schließlich kommt er aus Frankreich. Schwarz-Silber erinnert mich dabei sehr an Schwarz-Weiß, und schwarzweiß Zeichnung ist nun nicht gerade dass, was ich von einem Röhrenverstärker erwarte - sind Verstärker dieser Bauart üblicherweise doch eher für ihren Klangfarbenreichtum bekannt. Man sieht - mit dem Namen des Jadis kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Gut, genug der Wortklauberei. Der Name bezieht sich eindeutig auf die Optik des Verstärkers, und da gibt es meiner Meinung nach nichts zu beanstanden - er sieht einfach bildschön aus.

Bleiben wir zuerst bei den Äußerlichkeiten. Verchromte Chassis sind bei Röhrenverstärkern beliebt. Vermutlich, weil sich die glimmenden Glaskolben so schön darin spiegeln. Die größeren Modelle von Jadis gibt es auch vergoldet. Wer's braucht... Golden ist bei den meisten Jadis Verstärkern zumindest die Frontplatte standardmäßig. Eigentlich handelt es sich dabei um ein separates, auf die Gehäusefront aufgesetztes Schild. Beim Orchestra blacksilver ist es dankbarerweise schwarz. Die Holzwangen an den Seiten des Gehäuses sind dazu passend schwarz glänzend lackiert. Auf verchromte oder gar vergoldete Trafokappen hat man verzichtet. Mir gefällt's. Ausstattungsmäßig gibt sich der Orchestra blacksilver spartanisch. Ein schöner, satt klackender Einschaltknopf, eine grüne LED zur Betriebsanzeige und drei (verchromte) Drehregler: Ein Balance Regler, leider ohne rastende Mittelstellung, ein Lautstärkeregler mit Raststufen und ein Eingangswahlschalter. An Eingängen stehen fünf Hochpegelanschlüsse zur Verfügung; daneben verfügt der Orchestra über einen Signalausgang. Auf der Rückseite finden sich die entsprechenden Paare vergoldeter Cinchbuchsen, daneben zwei Paar Lautsprecherklemmen.

Das Ganze erinnert ein wenig an die chinesischen Röhrenverstärker, die zurzeit zu Kampfpreisen auf den Markt drängen. Leider hebt sich der Orchestra zunächst wenig von diesen ab - vor allem, was die von außen sichtbare Verarbeitungsqualität betrifft. Sorry, aber hier macht sich bei mir ein wenig Unmut breit. Auch wenn ich gern auf in eine 5 cm starke Alu-Frontplatte eingelassene, mit esoterischen Farbwechseln hinterleuchtete Herstellerschriftzüge verzichte - für 2.500 Euro erwarte ich eine bessere Qualität der Verchromung, keine Staubeinschlüsse im Lack der Trafokappen, keine wackelnden hölzernen Seitenwangen die zudem nicht ordentlich lackiert sind. Und auch wenn niemand ernsthaft den hässlichen Röhrenkäfig benutzen mag, sollte dieser trotzdem einwandfrei lackiert sein. Okay, wäre der Orchestra das Produkt eines Garagentüftlers, könnte man das Ganze noch irgendwie tolerieren. Aber bei Jadis?

Jadis Orchestra blacksilver

Jadis gehört zu den renommierten Herstellern von Röhrenverstärkern, der nach eigenem Bekunden viel Wert auf einwandfreie Qualität legt. Die Firma wurde 1983 von André Calmettes gegründet, das 25jährige Firmenjubiläum kann die Firma, nun unter der Rigide der Söhne Patrick und Jean-Christiophe feiern. Die Produktpalette umfasst neben Vollverstärkern ein breites Angebot an Vor- und Endstufen sowie CD-Player. Der Orchestra stellt das kleinste Modell der Firma dar. Bei der Produktion setzt man auf Handarbeit - vom Wickeln der Trafos bis zur freien Verdrahtung der einzelnen Bauteile. Da würde ich auch beim kleinsten Modell etwas mehr Liebe zum Detail erwarten, selbst wenn man berücksichtigt, dass sich die anderen Produkte der Firma in deutlich höheren Preisregionen tummeln.

 

 

Technisch handelt es sich beim Orchestra um einen konventionellen Push-Pull Verstärker. Über weitere Schaltungsdetails schweigt sich der Hersteller aus. Zur Leistungsverstärkung kommen vier 6CA7 zum Einsatz, pro Kanal und Halbwelle also eine Leistungspentode. Die 6CA7 ist das amerikanische Pendant zur weit verbreiteten europäischen EL 34. In der Treiberstufe kommen ECC83 zum Einsatz - ebenfalls weit verbreitete Doppeltrioden. Über die Versorgung mit Ersatzröhren muss man sich also auf absehbare Zeit keine Gedanken machen. Dem Experimentieren mit Röhren verschiedener Hersteller sind jedoch Grenzen gesetzt: Da der Orchestra nicht mit einer Auto-Bias Schaltung ausgestattet ist und auch keine von außen zugänglichen Einstellmöglichkeiten nebst Messpunkten aufweist, muss der Röhrenwechsel in einer Fachwerkstatt erfolgen. Jadis liefert den Orchestra blacksilver mit Röhren von Elektro Harmonix aus, auf die der Verstärker bereits eingestellt ist. Die Röhrenbestückung lässt auf ein einfaches, geradliniges Schaltungsdesign schließen.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema