Messebericht: Westdeutsche HiFi-Tage 2016

Bericht aus Bonn

Messebericht: Westdeutsche Hifi-Tage

Oktober 2016 / Frank Hakopians

Auf die Frage, die wievielten Westdeutschen HiFi-Tage es 2016 eigentlich sind, musste auch Benno Salgert erst einmal kurz nachdenken. Immerhin war es schon die siebte Messe dieser Art, die am zweiten und dritten Oktober dieses Jahres wie gewohnt im Bonner Hotel Maritim stattfand. Dabei sollte man dem Mitinhaber von Hifi-Linzbach in Bonn unbedingt zugute halten, dass der enorme Aufwand, den die Organisation einer solchen Veranstaltung mit sich bringt, selbst einen stresserprobten Händler feiner High-End-Preziosen nicht vollkommen cool lassen kann.

Salgert stemmt zusammen mit Partner Christian Breil und dem Team von HiFi-Linzbach immerhin eine Veranstaltung mit mehr als 100 Ausstellern in fast 80 Räumen.

Westdeutsche Hifi-Tage

Wobei das Bonner Maritim neben Hotelzimmern, Suiten und Salons auch über zwei weitläufige Säle verfügt, in denen manch andere Messe komplett Platz finden dürfte. Angesichts des enorm gut besuchten ersten Messetages am Sonntag und einem immer noch sehr ordentlich frequentierten Montag schienen die Anspannungen aber rasch von den Verantwortlichen abzufallen, die aus logistischen Gründen entschieden hatten, die sonst üblichen Wochenend-Messetage auf Sonntag und Montag - den Tag der Deutschen Einheit - zu verschieben. Der reichliche Zuspruch gibt ihnen jedenfalls recht und wir können an dieser Stelle nun über zwei rundherum gelungene „HiFi-Tage“ berichten.

Wer nicht bereits im Mai die Münchener High-End besucht hat, durfte sich in Bonn über etliche Neuheiten freuen. Das Traditionsunternehmen Elac (www.elac.de), immerhin feiert man 2016 das neunzigste Jahr des Bestehens, präsentierte mit der Concentro einen Lautsprecher, der die Bezeichnung Referenz oder Flaggschiff wirklich verdient. Organisch geformt, ruht das aus Gründen der Zeitrichtigkeit nach hinten fliehende Gehäuse auf einem Sockel aus massivem Aluminium. Über 150 Kilogramm bringt diese Lautsprecherskulptur aufs Parkett. Chassisseitig kommen natürlich die bekannten Jet-5-Hochtöner zum Einsatz, ebenso wie die bemerkenswerten Kristall-Konusse im Mittenbereich. Dank einer Push-Push-Pull-Pull-Anordnung der vier extrem langhubigen 10-Zoll-Tieftöner an den Seiten des Gehäuses bleibt die Concentro auch bei extremen Bassimpulsen die Ruhe selbst.

elac concento
Elac Concentro

Für etwas Unruhe indes könnte der Preis von 60.000 Euro für ein Paar Concentro sorgen. Vielleicht aber auch nicht, denn schließlich gibt es bei einem vergleichsweise ähnlich traditionsbewussten Sportwagenhersteller aus Stuttgart für diese Summe gerade einmal das Einstiegsmodell.

Hat Elac mit der Concentro nun das, pardon, Ei des Kolumbus gefunden? Der erste Höreindruck war jedenfalls der eines großen, mächtigen Klangbildes, das nun wirklich Full-Range in allen Belangen sein dürfte. Trotz einer ungünstigen Sitzposition, die besten Plätze der sehr vollen Vorführungen waren stets bereits sehr früh besetzt, ließ sich eine sehr griffige, plastische Abbildung ausmachen, ebenso eine extrem tiefe und weitreichende Bühne. Kurz: Ein unbedingtes Muss, sich diesen Lautsprecher nochmals unter günstigeren Bedingungen anzuhören.

elac
Elac Miracord 90 Anniversary

Bei soviel Trubel drohte der ebenfalls zum Firmenjubiläum von Elac aufgelegte Plattenspieler Miracord 90 Anniversary fast ein wenig unterzugehen. Wir haben ihn dennoch aufgespürt.
Der Name stammt übrigens aus den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Plattenspieler von Elac auf dem Weltmarkt gut vertreten waren. Die Reinkarnation ist allerdings eine aktuelle Neuentwicklung einschließlich moderner Lagertechnik und aufwendigen Entkoppelungsmaßnahmen. Interessant dürfte auch die Preisgestaltung des Kieler Herstellers sein. Für 2.000 Euro bekommt man den Miracord 90 Anniversary inklusive Carbon-Tonarm und einem speziell für Elac modifizierten MM-System von Audiotechnica. Wenn das kein Grund ist, mal wieder die alte, heimische Plattensammlung zu entstauben?


Dynaudio Contour 20

Einer der weiteren Großen im Lautsprecherbusiness, nämlich Dynaudio (www.dynaudio.de), machte es diesmal andersherum und brachte das kleine Kompaktmodell aus der neuen Contour-Linie mit nach Bonn. Na gut, so richtig winzig ist die Contour 20 dann doch nicht geworden, allerdings trauten die meisten Besucher dem Zweiwegemodell nicht zu, den doch recht ausladenden Saal adäquat zu beschallen. Doch die Dänen haben die 20 Millimeter dicke, aus massivem Alu gefräste Schallwand mit einem langhubigen Tiefmitteltöner und ihrem feinsten Hochtöner, dem Esotar² bestückt, womit sich die Contour 20 beachtlich gut aus der Affäre ziehen konnte. Wenn ihr keine brachialen Pegel abverlangt wurden, tönte es im Bass erstaunlich tief und konturiert, in den Mitten dann ausdrucksstärker als von früheren Serien Dynaudios gewohnt, dabei luftig und transparent, mit sehr feiner Auflösung im Hochtonbereich. Obwohl das Preisschild vergleichsweise recht zivile 4.500 Euro für ein Pärchen Contour 20 auswies, beschlich mich das sichere Gefühl, dass die kompakte Dynaudio auch hochwertigste Elektronik zu goutieren vermag.

wilson benesch
Wilson Benesch Act One

Im Saal von Ibex (www.ibex-audio.de) konnte man zwei Dinge lernen: Zum einen, dass Carbonfasern nicht zwingend in tristem Grauschwarz daherkommen müssen. Dank bekannt guter Verbindungen zur Formel Eins lassen sich die Carbonteile der Wilson Benesch Act One nun auch in so munteren Farben wie das hier zu sehende Enzo-Red einfärben. Die The P1 Collection stellt wohl rein fertigungstechnisch einen Meilenstein dar. Das erklärte, warum auf den Kaufpreis von 27.590 Euro für zwei normale Act One Evolution ein Aufschlag von 1.990 Euro für die Enzo-Red-Version zu entrichten ist.

CH-Precision
CH-Precision
 
Zum anderen, dass Understatement wohl eine Urtugend der Schweizer sein muss. Die Geräte des Schweizer Herstellers CH-Precision besitzen ein klares, funktionales Design. Alles wirkt beruhigend grundsolide, die Elektronik kommt ja nicht umsonst aus der Schweiz. Nach der Performance im Saal zu urteilen, spielt sie auch noch da mit, wo eidgenössische Kühe des Sommers zu grasen pflegen, nämlich ganz weit oben. Zu schade, denn bei den erforderlichen 20.000 bis 30.000 Euro je Baustein müsste der glückliche Erwerber am Ende den Gegenwert eines vollamtlichen Luxusautos investieren, um die gesamte Elektronik ins heimische Wohnzimmer zu überführen. Das ebenfalls auf dem Solid-Tech-Rack befindliche Oracle-Laufwerk Mk VI 2nd Generation für 10.650 Euro ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Apropos Sportwagen, in genau diese Richtung spielte die Kette dann auch, also enorm schnell, präzise und ultradynamisch. Dabei kein Stück ausgezehrt und viel, viel größer, als es die eher schlanke Physis der beiden Act One Evolution erwarten ließ.

horns
Björn Kraayvanger von Len-Hifi mit Horns-Lautsprechern und Elektronik von Jadis und Linnenberg

Eine Art Gegenentwurf bekamen die Besucher bei Audioplan (www.audioplan.de) und LEN-Hifi (www.lenhifi.de) geboten. Im Verein mit den eher stämmigen Monitorlautsprechern FP10 von hORNS (schreibt sich wirklich so, Wirkungsgrad 96 dB, Paarpreis 4.850 Euro) aus unserem Nachbarland Polen kreierten der Röhrenvollverstärker Jadis Orchestra Reference (3.700 Euro) und Linnenbergs DAC/Preamp Vivace 2 (2.800 Euro) einen enorm relaxten Klang mit satten, vollmundigen Farben. Prickelte bei Ibex noch der Schampus, war hier mindestens ein alter Bordeaux oder gar Barolo im Glas. Es darf durchaus auch mal schöner klingen als der raue Alltag? Dann sollten Sie vielleicht einen Termin mit Björn Kraayvanger (Audioplan/LEN-Hifi) ausmachen.

Jadis Orchestra Reference
Jadis Orchestra Reference

Nach diesen ersten Höreindrücken stand ein Besuch der Säle im Erdgeschoss an, wo sich viele kleinere Hersteller und Vertriebe, aber auch Schwergewichte wie die Analogspezialisten von Pro-Ject, Clearaudio oder Transrotor tummelten. Zu hören gab es hier allerdings weniger, um so mehr durfte gefachsimpelt werden.

chisto
Walter Kircher und Armin Kern machten sich für die Plattenreiniger von Chisto stark

Hier stieß ich auch wieder auf die Schallplattenreiniger von Chisto (www.chisto.me/de), die nicht nur besonders hübsch verpackt sind, sondern die ich inzwischen auch selbst mit erstaunlichem Ergebnis ausprobieren konnte. Wer bereits jetzt ein Weihnachtsgeschenk für einen Analoghörer sucht, sollte zugreifen. Passend dazu ließ sich, wie gewohnt, im Foyer ein breites Angebot an Tonträgern, vornehmlich Vinyl, begutachten und so mancher nutzte den Besuch im Maritim, um den heimischen Fundus entsprechend aufzustocken.


Vorführung von Gaudios Klangkonzepte

Relativ neu im Vertrieb von Gaudios Klangkonzepte (www.gaudios.eu) ist die Elektronik von Sugden aus England, deren Amps aus der Reference-Serie die Lautsprecher Mingus Quintet von Marten und die kleine Falcon LS3/5a mit feinen Watt versorgten. Sugden ist bekannt für Class-A-Verstärker. Auch die deutlich über 100 Watt starken Monoblöcke MPA-4 arbeiten relativ lange im verzerrungsminimalen Class-A-Bereich. An ihnen brillierte die Marten Mingus mit einem für die Schweden typischen transparenten, detailfreudigen und schnellen Klangbild. Trotz des recht großen Raumes konnte die Mingus auch im Bass überzeugen, wobei sie - prinzipiell eher auf der schlanken Seite liegend - bei Bedarf zu überraschendem Tiefgang fähig war, was bei einer Investition von 45.000 Euro pro Paar allerdings auch irgendwie erwartet werden darf. Danach wechselte man zur Falcon LS3/5a, die mehr als nur eine bloße Variante des bekannten BBC-Minimonitor-Konzeptes ist, sondern für 3.000 Euro Paarpreis eine absolut detailgenaue Wiederauflage des 15-Ohm-Originals von 1975 darstellt.


Eva Kujath von HiFi Pawlak mit den Lautsprechern Marten Mingus und Falcon LS3/5a

Der kleine Lautsprecher bekam nicht nur von vielen Besuchern einen Niedlichkeitsbonus zuerkannt, sondern war auch der erklärte Liebling von Eva Kujath (HiFi Pawlak/Essen), die den Gaudios-Chef Sina Kovacevic tatkräftig unterstütze. Zwar hatte die Falcon objektiv betrachtet etwas Mühe, sich im weiträumigen Hörsaal durchzusetzen, doch viele Hörer haben ja im heimischen Wohnzimmer nicht ganz so großzügige Verhältnisse. Dann raste die Falcon 3/5a förmlich ein und erzeuge ein sehr stimmiges und dreidimensionales Klangbild, wusste Eva Kujath zu berichten.

Focal
Die Sopra N°3 von Focal

Im nächsten Salon gab es die Sopra N°3 von Focal (18.000 Euro/Paar) zu bestaunen. Die sicherlich nicht ganz billige Top-Elektronik der britischen Spezialisten von Naim (beides www.music-line.biz), die mit dem Musikserver HDX (7.198 Euro) und dem Netzwerkplayer NDS (9.898 Euro) ein aufwendiges digitales Frontend bereithielten und im Weiteren ihre zweitgrößte Vorstufe NAC 552 (26.898 Euro) sowie die Endstufe NAP 500DR (26.998 Euro) auffuhren, verhalf dem Lautsprecher aus Saint-Étienne zu einer enorm druckvollen, erdig-griffigen Spielweise inklusive amtlichem Tiefbass, der mit dem passenden Musikmaterial schon mal an den Hosenbeinen zerrte.

Naim
Wird es auch nach dem Brexit geben: Top-Elektronik von Naim

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die siebte am zweiten und dritten zehnten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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und schnell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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