Messebericht: CanJam Europe 2016

Wer, wie, was?

Messebericht: CanJam Europe 2016

Oktober 2016 / Martin Mertens

Welchen Genus hat „CanJam“? Wenn man DIE Kopfhörermesse CanJam sagt, dann natürlich feminin, aber das bezieht sich auf die Messe. Meiner Meinung nach wäre DAS angesagt. Veranstalterin Juliane Thümmel sagt DER CanJam – vielleicht, weil „Jam“ mit Stau oder Auflauf übersetzt werden kann? Egal, viel wichtiger ist, dass sich DER CanJam Europe im vierten Jahr seines Bestehens fest als DAS europäische Event der Kopfhörerszene etabliert hat.

Das zeigt sich unter anderem daran, dass einige Hersteller hier Neuheiten gezeigt haben, die es auf der IFA in Berlin nicht zu sehen gab. Was sicherlich daran liegt, dass sich dort meist nur größere Firmen einen Auftritt leisten können. In der Kopfhörerszene gibt es aber auch viele kleine Hersteller, die im intimeren Rahmen des CanJam mehr Aufmerksamkeit erfahren.

Doch auch große Namen waren auf dem CanJam zugegen. Unter den 110 Marken waren Sennheiser, Beyerdynamic, Shure oder Pioneer genauso vertreten wie Violectric, Meyer Audio oder Audio Valve. Einige Hersteller nutzten den CanJam auch um Prototypen vorzustellen und die Resonanz des Publikums zu testen. Der eher ruhige Rahmen der Veranstaltung und das Konzept der Tischmesse, bei der Besucher an den Ständen der Aussteller Platz nehmen und sich in Ruhe Kopfhörer, Kopfhörerverstärker oder DACs und DAPs anhören können, bietet einen hervorragenden Rahmen für ausführliche Gespräche. Ich kenne kaum eine Messe, bei der der Austausch zwischen Herstellern, Vertrieben und Kunden so offen und von gegenseitigem Interesse geprägt ist wie auf dem CanJam.

Für Besucher hat die vertrauensvolle Atmosphäre darüber hinaus den Vorteil, dass hier fast jeder seine Traumkombi ausprobieren kann. So ist es durchaus üblich, sich den Wunschkopfhörer von Hersteller A kurz auszuleihen, um ihn einmal am Kopfhörerverstärker der Marke B zu hören. Viele Besucher bringen auf der Suche nach dem idealen Spielpartner für ihren mobilen Player oder Kopfhörer auch die eigenen Geräte mit, um sie in verschiedenen Kombinationen hören zu können. Ein Gewinn für Besucher und Aussteller, da beide die Produkte in Konstellationen austesten können, die ihnen sonst wohl nicht untergekommen wären. Kein Wunder, dass viele Hersteller weniger ihre Vertriebsmitarbeiter als vielmehr ihre Entwickler und Produktmanager zu der Veranstaltung schicken.

Auch in diesem Jahr war der CanJam gut besucht – wobei die Besucherzahl wohl aufgrund des schönen Wetters unterhalb der des Vorjahres blieb. Doch trotz des schönsten Spätsommers draußen waren drinnen die zur Verfügung stehenden Plätze häufig voll besetzt. Wer eine lange Anreise hatte, ließ sich vom Sonnenschein nicht „abschrecken“; viele Besucher aus der Gegend schienen ihren CanJam-Besuch mit einem Spaziergang im benachbarten Essener Grugagelände verbunden zu haben. Und so war auch dieses CanJam insgesamt eine sehr informative und vor allem gut gelaunte Veranstaltung:

Lehmann Audio
Lehmann Audio

Zu Beginn der Veranstaltung waren die Besucher noch etwas distanziert. So traut sich hier noch niemand so richtig, an den Tischen von Lehmann Audio Platz zu nehmen.

Kopfhörerverstärker Drachenfels
Lehmann Audio Drachenfels

Das änderte sich angesichts des neu vorgestellten Kopfhörerverstärkers Drachenfels aber schnell. Der aus besten Bauteilen auf einer 4-Lagen-Platine aufgebaute Drachenfels ist dank eines internen Steckplatzes modular erweiterbar, etwa durch ein USB-DAC-Modul, einen Bluetooth- oder WiFi-DAC. Der Preis des Grundgeräts soll bei 499 Euro liegen, die Module kosten dann zwischen 300 und 400 Euro.

Der schottische Hersteller RHA
RHA

Der schottische Hersteller RHA wurde von zwei engagierten Damen vertreten – oben rechts ist die PR-Managerin Marina Schurer zu sehen –, die die neuesten Entwicklungen aus Glasgow vorführten: den mobilen DAC/Kopfhörerverstärker Dacamp 1 und die neuen Spitzen-In-Ears CL1 Ceramic und CL750. Wie immer bleiben die Schotten trotz hochwertiger Verarbeitung und selbst entwickelter Technologien preislich auf dem Teppich: Der Dacamp 1 soll 550 Euro kosten, der CL1 Ceramic 450 Euro und der CL750 130 Euro. Das ist angesichts des Gebotenen nicht nur günstig, sondern sogar was für geizige Schotten.

Violectric beziehungsweise Lake People
Violectric/Lake People

Fried Reim, Mastermind von Violectric beziehungsweise Lake People, erfreute sich regen Interesses an seinen neuesten Kreationen – etwa der limitierten Neuauflage des ersten Violectric-Kopfhörerverstärkers Phone AMP G100, den es für 400 Euro geben wird – so lange der Vorrat reicht.

Lake-People-Technik
Die Reference-Serie von Lake People

Doch auch die Geräte der neuen Reference-Serie ernteten viel Beifall. Besonders spannend sind dabei die Kopfhörerverstärker HPA RS 02, der die aktuelle Lake-People-Technik für unsymmetrische Kopfhörer bietet, sowie der HPA RS 08, der auch einen symmetrischen Kopfhöreranschluss aufweist. Die Geräte kosten 550 Euro beziehungsweise 800 Euro.

Pioneer
Pioneer

Pioneer hatte unter anderem seinen Spitzenkopfhörer Master 1 (circa 2.500 Euro) in der Vorführung. Angesichts der knappen Verfügbarkeit nutzten viele Besucher die Chance, diesen Ausnahmekopfhörer einmal zu hören. Mit am Stand von Pioneer vertreten war die Software-Firma Xivero, die unter anderem eine Analysesoftware für Hi-Res-Files und eine Raumsimulations-Software für Kopfhörer vorführte. Wer wissen will, ober er wirkliche Hi-Res-Aufnahmen erworben hat oder lediglich aufgeblasene Standardware, kann das mit der Analysesoftware überprüfen.

Dr. Jan Meier Soul
Jan Meiers Verstärker-Prototyp Soul

Dr. Jan Meier präsentierte den Prototypen seines neuen Kopfhörerverstärkers Soul, der mit der aktuellsten Generation seiner ff-Technologie (frequency adaptive feedback) ausgestattet ist. Anstelle der bei den „alten“ Modellen bevorzugten Crossfeed-Schaltung soll in zukünftigen Versionen des Soul ein DSP zum Einsatz kommen, dessen Einstellungen man sogar über das Internet austauschen können soll. Jan Meier hofft, damit dem Community-Gedanken, der in der Kopfhörerszene seiner Meinung nach ein wenig einschläft, wieder etwas Leben einzuhauchen.

Focal
Focal

Music Line führte die beiden Focal-Kopfhörer Utopia und Elear vor – sonst in freier Wildbahn selten zu hören. Entsprechend groß war der Andrang. Der rund 4.000 Euro teure Utopia-Kopfhörer arbeitet mit Beryllium-Membranen. Der Einsatz dieses exklusiven, schwer zu bearbeitenden Materials rechtfertigt den enormen Preis zumindest ein bisschen. Und klanglich? Sorry, die Schlange war zu lang ...

Audio Valve
Audio Valve

Am Rand des Ausstellungsbereichs und doch viel beachtet: Hans-Peter Haffner von ATT Saar hatte unter anderem die Kopfhörerverstärker des deutschen Herstellers Audio Valve im Gepäck. Auf dem CanJam lag der Fokus ganz klar auf dem Digital-Board, das für die beiden Spitzen-Kopfhörerverstärker Luminare (mit DAC 4.200 Euro) und Solaris (mit DAC 5.600 Euro) verfügbar ist. Stolz verkündete Herr Haffner, dass er bei der Ausstattung und beim Design der Geräte einiges an Rückmeldungen von Kunden bei Audio Valve einbringen konnte.

Audioquest
AudioQuest

AudioQuest präsentierte Samples des geschlossenen Nighthawk. Zu diesem Anlass waren Robert Hay sowie Richard Drees (hinter dem Tisch) aus dem niederländischen Rosendaal angereist. Die ersten Klangeindrücke lassen Großes erwarten. Preislich wird sich das geschlossene Kopfhörer-Modell auf dem Niveau des halboffenen Nighthawk (um 600 Euro) bewegen.

SPL
SPL

SPL hatte die komplette Range der neuen Pro-Fi-Serie in der Vorführung. Wie gewohnt ernteten die Phonitor-Kopfhörerverstärker viel Zuspruch, doch auch der neue DAC/Vorverstärker Director fand großes Interesse. Ursprünglich hatte SPL die Phonitor-Kopfhörer für den Gebrauch im Tonstudio entwickelt. Doch die Nachfrage aus der hifidelen Kopfhörer-Szene war so groß, dass das Unternehmen aus Niederkrüchten nun eine eigene Produktlinie für Musikliebhaber aufgelegt hat. Preise: Phonitor x: 2.089 Euro, Phonitor e: 1.429 Euro, Phonitor mini: 799 Euro, Director: 2.859 Euro.

Shure
Shure

Bei Shure stand der erste elektrostatische In-Ear KSE1500 im Mittelpunkt des Interesses. Klar, die großen Over-Ears (im Vordergrund) bekommt man vielerorts zu hören, den 3.000 Euro teuren KSE1500 dagegen selten. Und so spielte sich das Geschehen am Stand vor allem im Hintergrund ab, wo der KSE1500 zu hören war.

Headphone Company
Headphone Company

Thomas Halbgewachs hat vor Kurzem seine Headphone Company ins Leben gerufen. Als „Zugpferd“ hat er den Vertrieb von Astell & Kern in Deutschland übernommen. Auf dem CanJam stellte er weitere Marken vor, die er im Portfolio hat, unter anderem In-Ears der Firma JH-Audio.

Malvalve
MalValve

Wie in den Jahren zuvor, war natürlich auch wieder Günter Malach von MalValve dabei. Er zeigte neben seinen bekannten Kopfhörerverstärkern den Prototypen eines neuen Modells und seinen elektrostatischen Kopfhörer. Die endgültigen Preise liegen noch nicht fest, Hausnummern sind 9.500 Euro für den Kopfhörerverstärker und 5.500 Euro für den Kopfhörer. Während der Kopfhörerverstärker Ende des Jahres in Serie gehen soll, wird man auf den Kopfhörer noch etwas länger warten müssen.

KS-Distribution
KS Distribution

Bekannte aus Berlin: Micheal Hudson (oben rechts) von KS Distribution präsentierte neben den Kopfhörern von SoundMagic mit Etymotic Research eine neue Marke, die er in den Vertrieb genommen hat. Während SoundMagic mit dynamischen Treibern arbeitet und schwerpunktmäßig im Einstiegs- und Mittelklasse-Segment angesiedelt ist, setzt Etymotic auf BA-Treiber und zeigt sich mit Preisen von 400 Euro für die Spitzenmodelle ambitionierter.

InEar GmbHMarco Rämisch von InEar

Noch mehr Ambitionen hat Marco Rämisch von der InEar GmbH, der  seinen neuen Spitzen-In-Ear ProPhile 8 vorstellte. Die Form wurde auf der Grundlage der Abformungen hunderter Ohren entwickelt und findet deshalb in den meisten Ohren guten Halt. Die Gehäuse kommen aus dem 3D-Drucker.

In-Ear ProPhile 8
Der InEar ProPhile 8

Den Kopfhörer gibt es als „universal fit“ und auch customised. Er arbeitet mit acht BA-Treibern. Zwei winzige Schalter erlauben es, eine Bass- sowie eine Höhenanhebung einzuschalten. Erster Klangeindruck: phänomenal! Der Preis ist mit 1.500 Euro für die Universal-fit-Variante leider auch nicht von Pappe.

r. Burkhardt Schwäbe von Eternal Arts
EternalArts

Entwicklerlegende Dr. Burkhardt Schwäbe von EternalArts präsentierte seine OTL-Röhren-Kopfhörerverstärker und führte mit analogen Quellen vor. Besuchern seines Standes erläuterte er gerne ausgiebig die Vorteile der OTL-Schaltung. Preislich geht es bei EternalArts bei 1.750 Euro für den Kopfhörerverstärker Basic Line los. Das Spitzenmodell KHV kostet 1.000 Euro mehr. Dafür gibt es neben aufwendigerer Technik ein schöneres Gehäuse sowie einen vergoldeten Lautstärkeregler.

Sennheiser
Sennheiser

Sennheiser hatte mit dem HE 1 den Nachfolger des legendären Orpheus im Gepäck. Die im Separee vorgeführte 50.000 Euro DAC-Kopfhörerverstärker-Kopfhörer-Kombination ist sicher nicht nur das zurzeit teuerste, sondern auch technisch aufwendigste, was man in Sachen Kopfhörer kaufen kann.

Sieveking Audio
Sieveking Sound

Jan Sieveking (mit Krawatte) von Sieveking Sound hatte unter anderem die komplette Range der HiFiMan-Kopfhörer dabei. Klar, dass hier fast immer alle Stühle besetzt waren – auch wenn man durch die Glaskuppel im Dach von der Sonne „gegrillt“ wurde.

Beyerdynamic
Beyerdynamic

Immer voll war auch der Stand von Beyerdynamic. Hier gab es unter anderem den flammneuen DT 1990 Pro zu hören – für alle Kopfhörerbegeisterten quasi Pflichtprogramm. Für rund 600 Euro bekommt man hier die Beyerdynamic-Tesla-Technologie im edlen schwarzen Gewand der Studiokopfhörer der Heilbronner. Auch das geschlossene Pendant DT 1770 Pro gab es zu hören, genauso wie die Highend-Kopfhörer T 1 und T 5 p (jeweils 1.200 Euro).

Digital Highend
Digital Highend

Last, but not least präsentierte Digital Highend wieder zahlreiche spannende Kopfhörermarken wie MrSpeakers oder Phiaton sowie Zubehörprodukte. Carsten Hicking - Chef des Hauses und einer der Pioniere bei der Etablierung interessanter internationaler Marken auf dem deutschen Markt - war natürlich ebenfalls zu Gast.

Web: www.canjam.de

 

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