Nubert
fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ländliches feeling mit düsterer qualität?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mit echten musikern!

Neue Fröhlichkeit

Goldfrapp / Seventh Tree 

Ihr erstes Album "Felt Mountain" brachte Goldfrapp prompt den Ruf ein, die "neuen Portishead" zu sein. Kein Wunder, hatte Sängerin Alison Goldfrapp doch bis zur Gründung des Duos 1999 mit TripHop-Größen wie Tricky zusammengearbeitet. Elektronisch, düster und betörend intim war der Sound dieses großartigen Albums aus dem Jahre 2000 - man denke nur an Tracks wie "Deer Stop" oder "Paper Bag"! Das Folgealbum "Black Cherry" (2003) war da schon wesentlich hektischer; und spätestens mit "Supernature" aus dem Jahr 2005 sowie dem Remix-Album " We Are Glitter" (2006) durchliefen die Briten eine Mutation von feinsinnigen Elektronika zu subversivem Disco-Stomp mit gekonnt inszeniertem Seventies-Glamour, frenetisch gefeiert von einem Publikum, das der neuerlichen Brit-Pop und Indie-Rock-Flut - ihrerseits ja auch nur eine Gegenreaktion auf die erstarkenden Genres AcidHouse, HipHop und Psychadelic - schlicht überdrüssig war.

Und nun also "Seventh Tree". Ein Album, das alles, was man über Goldfrapp zu wissen meinte, ad absurdum führt. Statt Ambient -Electro-Sounds fröhliche Folk-Tunes, die sich wie beim Opener "Clowns" auf leisen Sohlen anschleichen um schließlich in einer Streicher-Orgie in Dauerglückseligkeit zu verglühen ... Nur die gleißende Elfenstimme Alisons erinnert hier an die alten Goldfrapp. Was ist denn da passiert?

GoldfrappNun, am Anfang stand eine ganz bewusste Entscheidung - nämlich die, sich von allen früheren Werken zu lösen, von einem komplett leeren (Klang-)Raum auszugehen um eine psychedelischere Richtung auszuloten, wobei Goldfrapp unter 'psychedelisch' ein "verträumtes, ländliches Feeling, allerdings mit einer düsteren Qualität" verstehen. Ausgelöst wurde diese durch die Intensität ihres Tourens und den Wunsch, etwas greifbar anders zu machen: "Nach der Tour kam uns Supernature fast zu den Ohren heraus", so Will Gregory, dem zweiten Teil des Duos und seines Zeichens Filmkomponist, Arrangeur und Keyboarder.

 

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Es könne aber auch sein, dass sie zu viele Filme sähen, die "eine Kombination aus naiver englischer Volkstümlichkeit, gemischt mit etwas Horror und kalifornischem Sonnenschein" sind, gibt Sängerin Alison lachend ihre aktuelle Inspirationsquelle preis.

Goldfrapp

Fakt ist, Goldfrapp haben sich bedeutend mehr Zeit als bei den Vorgängern genommen, um "Seventh Tree" aufzunehmen. Sind ihre früheren Aufnahmen nach einem akkuraten Plan entstanden, gingen die neuen Stücke größtenteils aus Jam-Sessions mit - ein Novum für Goldfrapp! - echten Musikern hervor. So beispielsweise kann man auf "Road To Somewhere" eine Stahlsaitenharfe aus dem 17. Jahrhundert bewundern. "Das ist", erklärt Gregory, "die Geschichte dieses Albums. Es war sehr hilfreich für uns, echte Musiker dabeizuhaben, während unsere früheren Platten sehr penibel und unorganisch entstanden sind."

Dabei werden Folk und Seventies-Pop derart geschickt zitiert, dass das Ganze dann auch gern mal nach happy Hippies klingt, die auf zuviel LSD debil grinsend die Love Revolution proben und the sunshine in ihre hearts lassen. Harmony & peace of mind, rasseln die Tamburins auf Track 3. Fehlen nur noch die Blumen im Haar. Spätestens beim letzten Track langweilt dies allerdings kolossal, und man wünscht sich etwas weniger San Francisco und etwas mehr Tiefe. Ein frommer Wunsch, denn dieses Album ist per Konzept "ein C-Dur-Ding", meint Will. "Wir begeisterten uns für dieses ziemlich hämmernde, glückliche Feeling und verwandelten es in ein Kirchenorgel-Stück. Gleichzeitig ist es verrückt. Die Produktion ist so erbarmungslos großäugig, grinsend poptastisch, alles leuchtet in den buntesten Farben ... Das hat etwas ziemlich Krankes und Großartiges zugleich."

Das ist ironische Folkpop-Asthetik, übersetzt ins 21. Jahrhundert, mit einem guten Schuss Wahnsinn, oder auch, ganz einfach, der Klang "eines ausgesprochen britischen Deliriums", wie die Plattenfirma wirbt - eines Deliriums allerdings, welches auch sehr ermüdend sein kann.