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Musik-Rezensionen acht neuer Platten / August 2013

Victoriah's Music

Teaser August Achter

Victoriah Szirmai / August 2013

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält acht neue Platten von folgenden Künstlern: Fräuleinwunder | DePhazz | Samirah Al-Amrie | Zukunft und die Lichter | Stefan Gwildis & NDR Bigband | Lasse Matthiessen | Karen Souza | Café Del Mar


Fräuleinwunder | Edition Damenwahl

Fräuleinwunder I Edition Damenwahl - Cover

Der Sommer wird weiblich – zumindest, wenn es nach der leicht ironisch mit Fräuleinwunder. Edition Damenwahl betitelten, neuen Kompilation aus dem Hause Edelkultur geht, die sich zum Ziel gesetzt hat, deutschen Sängerinnen von Pop bis Jazz eine weitere öffentlichkeitswirksame Plattform zu bieten.

Fräuleinwunder I Damenwahl 1.1

Treue fairaudio-Leser treffen hier auf eine Handvoll alte Bekannte wie etwa Kitty Hoff, Meike Koester, Pat Appleton, Jasmin Tabatabai, Bodo & Herzfeld oder Fola Dada, die wir letzten Sommer bei Bartmes gehört haben, und die hier mit der SWR Big Band, ganz viel brasilianischem Feeling und einer der stärksten Stimmen dieses an grandiosen Sängerinnen ohnehin nicht gerade armen Albums am Start ist. Wer schon immer einmal all die tollen Künstlerinnen, die regelmäßig in Victoriah's Music vorgestellt werden, auf die Ohren bekommen wollte, sich bislang aber – unter welchem fadenscheinigen Vorwand auch immer – nicht aufraffen konnte, ihre Alben zu kaufen: Hier bekommt er gleich achtzehn von ihnen auf einen Streich, mal zauberhaft leicht wie beim Berliner Duo Berge mit seinem „Meer aus Farben“, mal fingerschnippend lässig wie bei der von Michy Reincke geförderten neuen Hamburger Stimme Katharina Vogel mit „Wunder“, mal zerbrechlich-introspektiv wie bei Cristin Claas und ihrem Trio mit dem songpoetischen „So weit“.

Immer aber steht der Sommer im Vordergrund auf diesem Album, das sich am besten mit dem Songtitel des hier ebenfalls vertretenen Berliner Jazzpop-Electro-Quartetts Triband zusammenfassen lässt: „Schweben“. Andere Assoziationen, die ich Ihnen in diesem Kontext bieten kann, ranken sich um Tag am Meer, Sommer in Berlin, Nicht von dieser Welt ... Und mit einem Mal ergibt auch Jasmin Tabatabais Easy-Listening-Interpretation des Tucholsky-Textes „Augen in der Großstadt“, mit dem ich auf ihrem Album noch gehadert habe, perfekten Sinn. Perfekt schließt auch Judith von Hillers schwebeflugartiges „Schlaflied“ dieses Album ab, das mir allein hiermit ein neues Lieblingsstück beschert hat.

Fräuleinwunder I Damenwahl 1.2

Eher seltsam mutet einzig der Epensängerinnenhabitus von Ex-Rainbirds-Frontfrau Katarina Franck an; während mir das schräg-eigenwillige „Das Neue“ von Sophie Hunger, die sich mit Anna Aaron den Produzenten teilt, viel zu leicht rechtspopulistisch (fehl-)interpretierbar ist. Schade um die musikalische Idee! Auch kokettiert der Refrain von Diane Weigmanns „Zehntausend Meter freier Fall“ für meinen Geschmack eine Handbreit zu sehr mit dem deutschen Schlager, was ebenfalls schade um die tolle Singer/Songwriter-Strophe ist. Gewohnt großartig dagegen ist Lisa Bassenge mit „Ein Tag, den du magst“ aus Wolke 8, die von einem Morgen, den es nur einmal in tausend Jahren gibt, erzählt, und Inga Lühning mit „Gestern“, die sich mit Stephan Scheuss nicht nur die ehemalige Band Vocaleros teilt, sondern auch die unglaubliche stimmliche Präsenz, ohne Röhre zu sein.

Fräuleinwunder I Damenwahl 1.3

Eine Entdeckung ist bestimmt auch Prag, ein ursprünglich aus Eric Lautenschläger und Tom Krimi bestehendes Indie-Duo, das mit Keinohrhasen-Schauspielerin Nora Tschirner zum schönsten Retro-Pop-Trio gereift ist. Da gibt es Spaghetti-Western-Gitarren, die in friedlicher Koexistenz mit dem ganz großen Streicherarrangement leben, während die Texte irgendwo zwischen Alltagsphilosophie über eine zunehmend beschleunigte Welt und Banalem wie der Freude über die letzte Shoppingbeute kreisen.

Wem der Sinn nach noch mehr Poesie steht, wird mit „Feldsegen“ von Xóchil – hinter der sich die 1975 geborene Mannheimer Spoken-Word-Künstlerin und Poetin Andrea Schütz verbirgt – glücklich, hier zu hören im Remix von DePhazz, die dem Ganzen einen schnasselig-weichen Electro-Bossa-Klangteppich verpasst haben, der der sehnsuchtsvollen Schütz’schen Lyrik ihre sommerlich leichte Seite abzutrotzen vermag.

DePhazz | Naive

DePhazz | Naive - Cover

Und wo wir schon mal beim Thema sind: Auch in eigener Sache waren die selbsternannten Lounge-Punks in diesem Jahr aktiv und haben mit Naive kurzerhand den Nachfolger von Audio Elastique auf den Markt geworfen, auf dass der Nachschub am heiligen Lounge-Altar nimmer versiege. Oder so ähnlich.

Naive beginnt mit „I Saw It On The Radio“ genau so electrobossaschnasselig-chillig, wie DePhazz-Oberklangmaler Pit Baumgartner Xóchil für die Damenwahl geremixt hat. Bevor hier aber seichte Chill-out-Assoziationen aufkommen können, präsentieren sich mit „Sabbatical“ zwar immer noch tiefenentspannte, aber deutlich Funk-geladene Latin-Rhythmen, die gute Laune satt verheißen. Wer jetzt glaubt, den Song zu kennen, liegt richtig – er stammt aus DePhazz' Durchbruchsalbum Death by Chocolate von 2001. Tatsächlich war man auf Naive ein bisschen faul, denn im Grunde handelt es sich hierbei nicht um ein neues Studioalbum, sondern eher um eine Art Best-of-DePhazz, angereichert mit der einen oder anderen Neuveröffentlichung und dem einen oder anderen Remix. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, denn DePhazz sind nach wie vor erste Wahl, wenn man seinen Sommer auf dem schmalen Grat zwischen Stil und Komik beschallen möchte. Genau das hebt die sympathischen Heidelberger nämlich von anderen Lounge-Acts ab: dass sie sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Wobei, was heißt hier schon „nicht allzu ernst“: überhaupt nicht ernst! Man höre nur mal in den „Mambo Craze“ mit seinem Titicaca-Lake oder in das noch vom Vorjahr im Ohr hängende „Something Special“, das ich nur als Karibik-Country-&-Western bezeichnen kann, oder das operettenhafte „Heavy Dream Rotation“ hinein! Das ist brüllend komisch; und genau das braucht es in diesem ansonsten an einem eklatanten Mangel an Selbstironie krankenden Chill/Lounge-Genre, wie die Café del Mars dieser Welt beweisen, aber dazu an späterer Stelle noch mehr.

DePhazz I Naive 1.1

Natürlich wird bei DePhazz aber auch fündig, wer es auf die Edelvariante von Downtempo abgesehen hat, etwa bei „Quicksand“ inklusive gehauchter Vocals von Sandie Wollasch, die uns gerade erst auf der Edition Damenwahl als Frontfrau von Triband durch die Gehörgänge geisterte. Manche Menschen haben eben ausgesprochene Sommerstimmen! DePhazz-Haussängerin Pat Appleton bestreitet auf Naive dann auch nur vier der insgesamt sechzehn Tracks, was für mich als Appleton-Fan zwar schade ist, der Sache an sich aber keinen Abbruch tut, denn neben Sandie Wollasch sind auch Karl Frierson und Barbara Lahr schlichte Ear Candys; und mit Christina Lux schaut einmal mehr eine alte Bekannte aller treuen Victoriah's-Music-Leser vorbei, die kurzzeitig etwas Ernsthaftigkeit und Tiefe in die Baumgartner‘sche Sommerparty bringt. Dann geht‘s aber auch schon wieder karibisch-flockig weiter.

DePhazz I Naive - 1.2

Ausnehmend gut gefällt mir persönlich „In My Society“, eine augenzwinkernde und oh-so-wahre Hymne auf die beste Gesellschaft der Welt – nämlich die eigene, in der man „only solitary, not alone“ ist, ebenso das von Barbara Lahrs rauchigen Vocals getragene „Goodboy“, das sich nicht hinter Shirley Basseys Kooperation mit den Propellerheads und ähnlichen Kalibern verstecken muss. Das nervöse „Jazz Music“ hingegen, das roots-rockige „Jim the Jinn“ und das soulig-songwritereske „Time Slips“ dürfte sich auch bei notorischen Lounge-Hassern einiger Beliebtheit erfreuen – ganz auf die Easy-Listening-Kreuzfahrt-Atmo verzichten mag Pit Baumgartner indessen auch hier nicht, und genau dafür muss man DePhazz lieben. Mag auch das Girl From Ipanema auf Tracks wie „Easy Goodbye“ allzu deutlich um die Ecke lugen, man kommt nicht umhin festzuhalten, dass man für einen perfekten Sommer nichts weiter braucht als eine aktuelle DePhazz-Platte, selbst wenn ihre Songs wie im Falle von Naive nicht hundertprozentig neu sind. Wer will eine gewisse Bequemlichkeit bei vierzig Grad im Schatten schon verurteilen.

Samirah Al-Amrie | Miraloo. Loop Songs

Samirah Al-Amrie I Miraloo Loop Songs - Cover

Ihr jüngstes Projekt Miraloo – zusammengesetzt aus der Koseform ihres Vornamens und der Abkürzung für Loop – versetzt Samirah Al-Amrie in die Lage, mit sich selbst im Duett, Terzett, Quartett und so fort zu singen – und das Ganze auch live auf die Bühne zu bringen. So beispielsweise bilden beim Opener „I Fall For You“ mehrstimmige Doo-doo-Schleifen in Moll und ein Boom-tssst-tschack-Rhythmus, von dem jeder bessere Beatboxer nur träumen kann, die Grundlage des Stückes, über der die Leadvocals vom romantischen Parkspaziergang und mehr künden. Wo Loop Songs draufsteht, sind Loop Songs drin.

Samirah Al-Amrie | Miraloo. Loop Songs 3.2Das Album bleibt aber nicht a capella, denn schon Stück Nummer zwei („Die Zeit ist nah“) schickt sich an, mit verträumtem Keyteppich unter zarter Poesie eine melancholische Songminiatur auf der Suche nach dem perfekten Tag und überhaupt einer besseren Zukunft zu schaffen. Eine Durchhaltehymne für alle, die zurzeit (noch) nicht „im Gras liegen und [sich] von der Sonne in den Schlaf wiegen“ lassen können. Das Glockenspiel auf dem nächsten Stück wiederum gemahnt an das Spielzeuginstrumentarium einer Yael Naim oder einer Maïa Vidal, nur dass Al-Amrie weitaus fraulicher, reifer klingt als Letztgenannte. Hier singt kein verträumtes Mädchen, hier erzählt eine erfahrene Frau von ihren „Heart Flowers“, wobei das behutsame Programming – nicht unähnlich dem von Marc Collien auf Yasmine Hamdans Ya Nass – seinen Teil zum erwachsenen Gesamteindruck der Loop Songs beiträgt. Die sind, obwohl neben den Voice-Loops und allerlei Electronica noch so einiges an Organik aufgefahren wird, eine reine Ein-Frau-Produktion: Komposition und Text, Gesang, Glockenspiel, Melodika, Sansula, Keys, Darabouka, Konservenbeat, Streicherarrangements und natürlich die Loops werden allesamt von Al-Amrie allein erschaffen. Ganz nebenbei hat sie auch noch die Cover-Illustration gemacht und für jedes der zwölf Stücke eine eigene Bild-Miniatur entworfen. Manche sind eben reicher gesegnet als andere.

Mein persönlicher Favorit auf der Platte ist das luftige „One Day“ mit seinem „Don‘t Look Any Further“-Bass, das – ganz in der Tradition von Adas „Faith“ oder Dillons „Tip Tapping“ – unglaubliches Ohrwurmpotenzial hat, ohne dabei eingängig im engeren Sinne zu sein. „Need You“ wiederum ist für mich ein Paradebeispiel des Sounds, der nicht mehr Nuller Jahre, sondern ganz klar 2010er ist – und zwar jenseits von aktuell die Charts dominierenden Vollpfostenrappern und modisch-hippen Retrozauseln. Mehr Jetzt geht kaum. Auch im weiteren Verlauf des Albums bleiben Miraloos Loop Songs auf der Höhe der Zeit, wie etwa auf „Brücken“, das sich am ehesten noch als Songwritertechno bezeichnen lässt.

Samirah Al-Amrie | Miraloo. Loop Songs 3.1

Wenn Sie sich spätestens jetzt wundern, woher Sie diese Stimme kennen – vielleicht ist sie Ihnen in Sönke Senns Kinofilm „KussKuss“ aufgefallen, für den Al-Amrie selbstgeschriebene arabische Songs interpretierte, oder, falls Sie junge Eltern sind, von der Jubiläums-CD „Bibi Blocksberg – Hits für kleine und große Hexen“, wo die umtriebige Berlinerin mit jemenitisch-indonesischen Wurzeln ebenfalls zu hören ist. Die Loop Songs sind inzwischen bei „Wie ein Sommertag am Meer“ angekommen, das durch seine „Und suche meine Ruh“-Zeile eine dezente Winterreise-Reminiszenz bietet – doch wo der Wanderer diese bei Schubert ob melodischer Negativsymbolik nicht finden wird, ist Al-Amiris Ruhesuche nach einem Wettflug mit den Möwen am Strand erfolgsgekrönt. Herrliche Ruhe breitet sich auch im Hörer aus und bereitet ihn für die große Ballade „Is it real“ vor, die zeigt, dass Al-Amrie nicht nur leichtfüßige Endlosschleifen programmieren, sondern en passant auch komplexe Sätze für Streichorchester arrangieren kann.

Samirah Al-Amrie | Miraloo. Loop Songs  3.3Zu etwas Besonderem werden die Loop Songs aber durch Stücke wie „Always“ – technoide Klang-Miniaturen, die auf aus seinem alltäglichen Kontext gerissenem Geräusch basieren. Da klingt es schon mal, als köpfe sich das Frühstücksei selbst, während der Löffel rhythmisch an den Eierbecherrand schlägt, der Küchentimer tickt und das Butterpapier raschelt. Bei Samirah Al-Amrie wird die Alltagsszene zum Klangkunstwerk. Achtziger-Synthies bringen noch eine Prise kühlen Elektropop dazu, doch anstatt dass der Rabe hier „Nimmermehr“ schreit, versichert uns Al-Amrie lebensbejahend und den synthetisch-distanzierten Klangteppich nicht nur konterkarierend, sondern gleichsam niederringend: „Always“! Dem steht „Zeit anhalten“ mit seinem betörend schieftönenden Melodikauntergrund in nichts nach. Zum Schluss gibt es noch einen Radiomix von „One Day“, auf dem sich die kraftvolle Stimme Al-Amries, die auf den experimentelleren Tracks schon mal verborgen bleibt, wieder voll entfaltet. Und dann ist die CD auch schon vorbei, was ein wahrer Jammer ist. Wie einst bei Dillon bleibt dem Kritiker nur zu postulieren: Mehr! Mehr davon!!

Zukunft und die Lichter | Vergiss, was gestern war

Zukunft und die Lichter I Vergiss, was gestern war - Cover

Der scheinbar nie versiegen wollende Nachschub an originellen Musikern aus Berlin ist in Victoriah’s Music mittlerweile zu einer ebenso festen wie verlässlichen Größe geworden. Auch das Akustik-Trio Zukunft und die Lichter macht da keine Ausnahme, stimmt man hier doch schon mal mit singender Säge Seemannslieder an und spielt zum Neuköllner Walzer auf.

ZUDL 4.2

Dabei klingt der Albumopener „Montag Morgen“ in seiner rumpeligen Liedermacherindiepoprockmanier mehr nach Hamburger Schule als nach Berlin, ein bisschen Olli Schulz und der Hund Marie, ein bisschen Tomte, ein bisschen Blumfelds „Apfelmann“ – genauer genommen: mit all den Chören und dem akzentuierten Gitarrenspiel schon mehr als nur ein bisschen Apfelmann! In jedem Fall hat das Stück ‘nen guten Drive und ‘nen ebenso feinen Gute-Laune-Groove. „Meine Seele, die stirbt nie!“ dagegen galoppiert mit Banjo auf dem Knie großstadtcowboy-rockabillymäßig davon; und mit „Parallele Wirklichkeiten“ ist das Album – kleiner Cowboy, heyhey, du musst weiter, ho-ho, denn es ruft dich die Prärie, yippie-yeah! – endgültig im Country&Western-Modus angekommen, samt kojotenrufimitierender (Mund-)Harmonika. Und plötzlich ist da auch noch dieser Funksouljazzbass, den hier garantiert keiner erwartet hätte, ein ziemlich guter Text und ein Refrain, der sofort im Hirn wurzelt; und spätestens jetzt haben sie einen für alle Zukunft, die Lichter.

ZUDL 4.1

Mit Vergiss, was gestern war kann jetzt eigentlich gar nichts mehr schiefgehen – und das tut es auch nicht. Zwischen her hat man sich an die Diktion von Sänger Sebastian Zukunft gewöhnt und badet wohlig im warmen Akustiksound der Platte, auf die man sich in der Zwischenzeit eingegroovt hat. Große Zufriedenheit stellt sich ein. Besser wird es lediglich noch, wenn sich auf „Zu spät für uns zwei“ die gedämpfte Trompete dazugesellt – und vollends froh stimmt, dass hier auf „Kissen“ nicht das handelsübliche „vermissen“ gereimt wird, sondern ein saftiges „besch ...“. Richtiggehend hymnisch dann das folkige „Verlieben“, während die Verletztes-Ego-sagt-der-Ex-den-Kampf-an-Nummer „Und den Schminktisch nimmst du mit“ im funky „Papa Was A Rolling Stone“-Gewand daherkommt: „Wenn wir uns jetzt nie wiederseh‘n/wär‘ das für mich wunderschön“, skandiert Zukunft, und die Lichter blubbern ebenso bestätigend wie knarztrocken dazu.

ZUDL 4.3

Auch „Unsere Welt“ hat ob seiner trockenen Funk-Gitarre so gar nichts mehr mit der C&W-Atmosphäre vom Anfang der Platte gemein. Das ändert sich aber schon mit „Der Vollmond scheint“, das förmlich zur Zusammenrottung am Lagerfeuer nach vollbrachtem Tagwerk schreit, während sich „Die Welt liegt im Dunkeln“ sehr am „Blue Moon“-Thema zu orientieren scheint, zu welchem die Lichter eine gute Portion Ska mischen. Sentimental wird es mit „Hey Seemann!“, das die Kindheitserinnerungen des Sängers verarbeitet, und ohnehin, das ist eine Binse, schreiben sich die besten (Liebes-)Lieder mit gebrochenem Herzen. So auch der von Sehnsucht geprägte Sechsachtler „Jede Nacht“, der das Album mit dem besten all dessen ausklingen lässt, was Zukunft und die Lichter so zu bieten haben: Wärme, Funk, ‘ne gehörige Portion Rock‘n‘Roll und Themen, mit denen sich wohl jeder ganz persönlich identifizieren kann und die ein diffuses Hochgefühl hinterlassen.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der sommer wird weiblich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

achtzehn von ihnen auf einen streich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein morgen, den es nur einmal in tausend jahren gibt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wem der sinn nach noch mehr
poesie steht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

electrobossa-schnasselig-chillig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ear candys

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eine gewisse bequemlichkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein boom-tssst-tschack-rhythmus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hier singt kein verträumtes mädchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

herrliche ruhe breitet sich auch beim hörer aus

 

 

 

 

 

 

 

die alltagsszene als klangkunstwerk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

spielt zum neuköllner
walzer auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

badet wohlig im warmen akustiksound

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

diffuses hochgefühl