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Musik-Rezensionen acht neuer Platten / März 2013

Victoriah's Music

Musik Rezension 8ter Maerz 2013

Victoriah Szirmai / März 2013

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält acht neue Platten von folgenden Künstlern: Amatorski | Iris Ornig | Beady Belle | Lisa Bassenge | Ebene Null | East Drive | Melanie Pain | Miles Davis Quintet


Amatorski | TBC

Amatorski TBC Cover

Der Portishead-Vergleiche wird es wohl nie ein Ende geben: Wie erst Monika Roschers Bigband in der Januarausgabe von Victoriah‘s Music, wird auch dem belgischen Quartett Amatorski nachgesagt, auf den Spuren von Beth Gibbons und ihren Mannen zu wandeln. Darüber hinaus möchten die einen einen Anflug von Sparklehorse in dem Bandsound ausgemacht haben, während andere hier eher Einflüsse von Massive Attack oder Ornette Coleman heraushören wollen.

Amatorski TBC 1

Nehmen wir es vorweg: Sie haben alle Recht. Und dann wieder so gar nicht. Der rein instrumentale Opener „Fading“ schleicht sich mit sanften Glockenspielklängen in Moll an, wie man sie auch auf Susanne Sundførs „The Brothel“ hören kann und die man als nachgerade lieblich bezeichnen könnte, würde sich das Ganze nicht über einem zunehmend bedrohlich werdenden Untergrund abspielen. Welche Kreatur auch immer da in der Tiefe ihre Fäden zieht – sie hebt erstmals auf „Soldier“ in Form der distanziert-spröden Stimme von Amatorski-Sängerin, -Keyboarderin, -Gitarristin und -Songwriterin Inne Eysermanns ihren Kopf. Der ätherische Gesang im Duett mit abgründigen Störflächen scheint hier um die Vorherrschaft von Gut oder Böse zu ringen, ganz, als würden sich die Cocteau Twins mit Trent Reznor duellieren.

Amatorski TBC 3

Mit dem träumerischen „Never Told“, vor allem aber dem über nervösen Gitarrenlicks sich epochal entfaltenden „Peaceful“ wagt sich Amatorski mehr in den Indie-Bereich vor, während „22 Februar“ den unheimlichen Unterton des Albumbeginns wieder aufnimmt. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier ganz tief im Untergrund David Lynch und Soap & Skin ihre Köpfe zusammenstecken und ihre schwarzen Phantasien tentakelgleich nach Amatorski ausstrecken. Selbst der freundliche Sechsachtler „8 November“ vermittelt hier nicht nur folkig-warmes Country-Feeling, sondern lässt vor dem inneren Ohr einen düsteren Tom-Waits-Waltz vorüberziehen. Im siebten Stück „The Cheapest Soundtrack“ blendet das Album sich in bester Cinematic-Orchestra-Manier mit einer verhalten verstimmten Blaskapelle und dem Glockenspiel vom Beginn genauso unmerklich wieder aus, wie es sich angeschlichen hat, und der Spuk ist – wartet man noch den zauberhaften, verhauchten Hidden Track „Anthem & Hop-è“ ab – auch schon wieder vorbei.

Amatorski TBC 2

Da dies nach nur einer guten halben Stunde Spieldauer jedoch ein Jammer wäre, wurde TBC noch um das aus vier Songs bestehende Repertoire der Amatorski-EP Same Stars We Shared ergänzt. Das wiegt seine Hörer mit einem Auftakt im Stil einer klassischen Fifties-Ballade à la „The Great Pretender“ in Sicherheit, gibt sich bald aber auch der Zeitlupentristesse aus heiser gehauchten Vocals und minimalistischer Instrumentierung hin. Dennoch ist der Sprung vom noch recht konventionellen, lagerfeuernahen Songwriting der EP zum abstrakt-entrückten Düstersound des Albums ohrenfällig und entwicklungsgeschichtlich interessant: Wo Same Stars We Shared, das thematisch die Briefe von Eysermans‘ Großeltern aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet, immer auch einen organisch-warmen Unterton hat, ist man auf TBC bei klirrender Kälte und finsterster Nacht angekommen, wo Entrücktheit, Zerbrechlichkeit und Raum ihren einsamen Reigen tanzen und kleiner und kleiner werden, bis sie ganz verschwinden. Grandioses Debüt!

Iris Ornig | No Restrictions

Iris Ornig No Restrictions Cover

Anders, als der Titel No Restricitons fürchten lässt, ufert der Zweitling der Bassistin Iris Orning nie ins Freejazzig-Beliebige aus. Zum Glück, möchte man rufen! No Restrictions pirscht sich mit einem sanften „Autumn Kiss“ erst einmal willkommen smooth mit einem leicht gniedelndem Saxophon und Pianokaskaden heran und summertimet auf „We Shall Meet Beyond The River“ dann gar wohlig vor sich hin. An dieser Stelle könnte man tatsächlich geneigt sein zu glauben, in eine Gershwin-Produktion geraten zu sein, denn hier tut nichts weh, etwaige Dissonanzen prickeln kurz, stören aber das vorherrschende Wohlgefühl nicht.

Iris Ornig No Restrictions 3

In der Tat hat No Restrictions durchaus etwas von gediegener Kreuzfahrtunterhaltung – aber im durchweg positiven Sinne. Nicht langweilig, sondern wohltuend. Das Wort „angenehm“ mag ich – obwohl es zutrifft! – schon gar nicht mehr verwenden, habe ich doch für die entsprechende Beschreibung von Maximilian Gellers Alpenglühen Leserprügel bezogen. Darum diesmal die explizite Warnung: Wer Experimentelles, Gewagtes sucht, wird hier nicht fündig. Genießer jeglicher Provenienz hingegen, ob Klangconaisseure oder Schallschwelger, finden in dem Album der Schweizer Wahl-New-Yorkerin einen wohlklingenden Leckerbissen.

Wem die klassischen Lounge-Alben à la Truffels Lounge & Co. zu klangtapetig sind, sollte es mal mit ihrer jazzigen Entsprechung probieren, denn auch wenn No Restrictions vordergründig überaus geschmeidig erscheinen mag, ist es in erster Linie ein durchweg ehrliches, handgemachtes, sehr traditionell amerikanisches Quintett-Album. Das ist Spätnachtsjazz, wie er sein sollte: Lässig, perlend und am Ende dennoch packend, wie beispielsweise das Björk-Cover „Venus as a Boy“. Und wo der Titeltrack fast schon Christian-Meyers-Quintet-verdächtig swingt, tritt Ornig bei „If Anything Goes Wrong“ endlich nicht mehr hinter dem Gruppenklang und ihren Kompositionen zurück, sondern zeigt mit ausführlichem Solospiel, dass dies tatsächlich die Platte einer Bassistin ist. Und die verlangt dann schon ein genaueres Hinhören des sich allmählich aus der Gershwin-Starre lösenden Publikums.

Iris Ornig No Restriction 2

Die Überraschung des Albums lauert dann aber bei „The Way You Make Me Feel“. Das hatte ich zwar schon in Lounge, aber noch nie in Jazz gehört, dabei ist dies ein Idiom, das Michael Jacksons Hit aus seinem Erfolgsalbum „Bad“ (übrigens meiner ersten Langspielplatte) überraschend gut steht, obwohl – oder vielleicht gerade weil – hier nicht das passiert, was für gewöhnlich geschieht, wenn Jazzer Popsongs übersetzen. Hier wird nichts dekonstruiert und kopfrum wieder zusammengeschraubt. Hier wird einfach der Jackson-Song mit ureigenen Mitteln nachgespielt, und zwar so respektvoll vor dem Original, dass ich eher von Cover denn von Interpretation sprechen möchte.

Nach „The Way You Make Me Feel“ jedenfalls ist auf No Restrictions nichts mehr so, wie es einmal war. So spottet „Gate 29“ der These, dass man es, Stichwort Maximilian Geller, in der Schweiz eben etwas gemütlicher liebe, während „Spark of Light“ den Hörer zwar wieder sanft einfängt, die Soli aber insgesamt länger werden und die Experimentier- sowie Spielfreude größer. Einzig „No Restrictions Version II“ scheint mir etwas langatmig, was schade ist, denn es umspielt ein ganz zauberhaftes kleines Thema. Dafür überzeugt aber der Closer „Uptight“ wieder mit mehr Biss.

No Restrictions ist ein Album, das Zeit braucht, sich zu entwickeln. Wer es nach den ersten drei Tracks als belanglos abtut, verpasst etwas.

Beady Belle | Cricklewood BroadwayBeady Belle Cricklewood Broadway Cover

Bleiben wir beim Bass, denn der steht bei Beady Belle bekanntlich auch im Mittelpunkt, was meiner persönlichen Vorliebe für den Tieftöner entgegenkommt. Aber auch sonst kann ich von dem norwegischen Duo des Bassisten Marius Reksjø und der Sängerin Beate S. Lech einfach nicht genug bekommen – und auch nicht genug erzählen. Nach Belvedere und At Welding Bridge entführen uns die zwei auf ihrem mittlerweile sechsten Album nun also an den Cricklewood Broadway.

Aber was heißt hier schon „die zwei“? Beady Belle haben sich auf ihrem aktuellen Album zur amtlichen Band ausgewachsen, ist doch nun neben Reksjø und Lech auch noch Schlagzeuger Erik Holm fest mit an Bord. Nicht zuletzt hat man sich mit den Gastmusikern David Wallumrød (Synthies, Orgeln, Moogs) und Torun Eriksen (Backing Vocs) soundtechnisch fette Beute an Land gezogen. Als wäre dies noch nicht genug der Extras, ist Cricklewood Broadway auch noch ein Konzeptalbum – und zwar insofern, als dass alle Texte von Zadie Smith‘ Londoner Immigranten-Roman „White Teeth“ („Zähne zeigen“) inspiriert sind. Den kennen Sie nicht? Sollten Sie aber. Ich habe mich seinerzeit sehr gut und intelligent unterhalten gefühlt. Und genau das lässt sich auch für den Cricklewood Broadway vorab festhalten: Es ist unterhaltsam und intelligent.

Beady Belle 1

Aber von vorn. Musikalisch hat der Cricklewood Broadway glücklicherweise wenig Konzeptionell-Versponnenes an sich und eröffnet mit „Saved“ gewohnt funky: ein rülpsender Bass, Lechs unprätentiöser Alt und ein tighter Beat – nur noch wenig ist hier vom sogenannten NuJazz der Anfänge und so gut wie nichts mehr vom Country-Folk-Jazz der letzten beiden Alben zu hören. Eher scheinen Beady Belle eine Art Acid-Jazz-Revival à la Incognito, Brand New Heavies oder Jamiroquai einläuten zu wollen. Das klingt ob seiner minimalistischen Funksoulnatur seltsam anachronistisch. Wohl gemerkt, nicht modern retro, sondern tatsächlich wie in einen anderen, vergangenen Zeitraum passend, und damit erst einmal einfach überraschend – gar nicht unähnlich der letzten, unerwartet smoothen [re:jazz]-Veröffentlichung. Andererseits sind diese altbekannten, warmen Sounds auch sehr befreiend, vor allem, wenn man in letzter Zeit mit viel zu viel verkopftem Jazz zu tun hatte. Nicht zuletzt widerlegt der Sound von Beady Belle das Klischee des kühlen Nordens, an dem Künstler wie Kari Bremnes so vehement festhalten.

Und das liegt zuallererst an Beate S. Lechs warmen Vocals. Das sind die, die einen schon damals im Lullaby „Tranquil Flight“ auf Belvedere so sanft einlullen konnten, wie sie es auch hier wieder auf „So Far So Good“ verstehen; und wenn Lech auf „Circlet“ von der „Absence of any dead-line“ singt, dann hat man selbst das Gefühl, wohltuend aus der Zeit gefallen zu sein. So besticht der Cricklewood Broadway vor allem durch viel Gefühl, sei es in Form der unendlich zärtliche Ballade „Faith“ oder dem locker groovenden „Song for Irie“ mit von bedingungsloser Zuneigung kündenden Zeilen wie „but if I see you go to hell/I’ll go with you“. Etwas bedrohlicher wird es bei „My name in the world“ mit seinen leichten D&B-Anklängen in Moll, die man eher einer Martina Topley-Bird zugetraut hätte. Dieser eher düstere Track ist für mich persönlich der Höhepunkt der CD, auch wenn es hier zur Abwechslung nicht um Zwischenmenschliches, sondern um Territoriumseroberung, ob nun die britische Kolonisation oder den Mondflug der Amerikaner, geht.

Beady Belle 2

Auch das nachfolgende „Every Moment“ weist eher experimentelle Klänge auf – und hier zeigen Beady Belle, dass man sie mit den letzten Alben zu Unrecht in die Retro-Ecke abgeschoben hat, sondern sie ihrem anfänglichen Status als Avantgarde-Electro-Jazzer auch auf Cricklewood Broadway wieder gerecht werden. „Every Moment“ ist slow-motiv dubsteppig, ohne James Blake zu sein, toll! „Poppy Burt-Jones“ hingegen könnte wieder ein Stück Soul direkt aus den Sixties sein, das ein bisschen zuviel mit Irie-Daily-Reggae-Beats geflirtet hat. Heraus kommt dabei ein butterweicher, dickbauchiger, glücklich vor sich hinglucksender Sound, wie gemacht für den zu Recht mehrfach preisgekrönten Gesang von Beate Lech. Ein Track, der einen ganzen Vormittag auf Repeat laufen kann!

Da bedauert man, dass das Album mit „Half-truth“ schon zum Ende gekommen ist, das ein bisschen was von meinem absoluten Lieblingsstück hat, dem wohlig wabernden Joe-Claussell-Remix von Nina Simones „Feeling Good“. Das ist Alltagsflucht pur oder, in den Worten von Beate S. Lech, „don’t worry me with worries“. Tür zu, Beady Belle rein, Sorgen draußen. Kein Wunder, dass man von Beady Belle eben nicht genug bekommen – und auch nicht genug erzählen kann.

Lisa Bassenge | Wolke 8

Lisa Bassenge Wolke 8 Cover

Dasselbe gilt auch für Lisa Bassenge. Deren Stimme hat mich das gesamte letzte Jahrzehnt meines Lebens hindurch begleitet und damit meine späten Zwanziger und frühen Dreißiger gewissermaßen bassengeifiziert, ob nun mit ihren Bands Nylon und Micatone, mit dem Lisa Bassenge Trio oder solo unter eigenem Namen. Unter diesem veröffentlicht die Berliner Sängerin nun nach A Little Loving (2006), Won’t Be Home Tonight (2008) und Nur Fort (2011) ihr viertes Soloalbum, das ihre Hörer auf Wolke 8 mitnimmt.

Was, fragen Sie, kann denn noch kommen, wenn man Wolke sieben verlässt und Kurs auf die nächste nimmt? Ganz einfach: Hinter dem siebten Himmel dreht sich – ganz im Gegensatz zum aufbruchsgestimmten Nur Fort – alles um das Ankommen. Irgendwann im Leben, wenn man bestimmte Ziele erreicht und sich in demselben Maße von gewissen Illusionen verabschiedet hat, „muss man sich ja auch mal festlegen“, konstatiert Bassenge im Interview. Ein langweiliges Album über satte Alles-Erreicht-Haber ist Wolke 8 deshalb noch lange nicht, und auch mein Haus, mein Auto, mein Kind wird nicht besungen. Letzteres diente allerdings als Inspiration für eine ungewöhnliche Coverversion: Nachdem Lisa Bassenge gehört hatte, wie ihre Tochter im Kindergarten das „Vagabundenlied“ sang, wollte sie dies auch. Gesagt, getan. Neben diesem Stück, einem Selbst-Cover aus Nylon-Zeiten und der Interpretation eines „Foyer des Arts“-Songs finden sich jedoch nur Neukompositionen auf Wolke 8. Und während die Bassenge beim Komponieren auf die bewährte Unterstützung ihres Bassisten und Arrangeurs Paul Kleber (u.a. auch Alev Lenz zurückgreifen konnte, ist in dichterischer Hinsicht eine ganz neue Kooperation entstanden, indem sie sich das Texten mit Feuilletonliebling Thomas Melle, dem 1975 geborenen Autor von Raumforderung und Sickster, teilte.

Lisa Bassenge 3

Gemeinsam nehmen die beiden kein Blatt vor den Mund, wie man schon im Opener, dem programmatischen „Lass die Schweinehunde heulen“, hören kann. Da geht es ums In-die-Fresse-schreien, letzte Tänze tanzen, Nasen bluten und Säue raus lassen, ums Dicke-Lippe-riskieren und Auf-Applaus-pfeifen. Angekommen wird hier nicht im kuschelig warmen Eigenheim, sondern mitten im Leben! Da darf es dann auch mal leiser werden, um in einer ruhigen Minute zu reflektieren: „Leute wie ich, die kommen niemals an/Zumindest hab ich das immer gemeint/Bis einer wie du kommt und sie auffangen kann“, wie es in „Das hier wird für immer sein“ heißt, welches gemeinsam mit „Nach dem Glück“ das Schlüsselstück des Albums ist.

Und wem der Sinn eher nach der in den Schweinehunden eingeschlagenen Tonart steht, der wird in „Van Gogh“ fündig, einem fiesen kleinen Rundumschlag, bei dem es „eigentlich nur darum geht, jemanden so richtig fertig zu machen“. Und das liest sich bei Bassenge und Melle dann so: „Wär ich ne Geschichte, kämst du nicht vor/Wär ich van Gogh, wärst du das Ohr/Wär ich die Zeit, wärst du der Zahn/Wärst du ein Telefon, ginge ich nicht ran“. Im Gegensatz zu den swingenden Schweinehunden klingt hier Gitarrenschrammelig-Indiepoppiges durch, das sich in der dritten Uptempo-Nummer, dem Shouter „Dernier Cri“, fast schon ins Electropoppige à la Puder steigern würde, benötigte man dazu keine Elektronik. Lisa Bassenges Band kriegt den schrillen Achtziger-NDW-Sound auch so hin, während Bassenge persönlich dafür sorgt, dass selbst das abgehackteste Stakkato-Deutsch eine butterweiche Jazz-Phrasierung bekommt. Das genial irgendwo zwischen Ironie und Nonsens pendelnde Lied – „Vogue“ muss man auch erst einmal auf „Katalog“ reimen! – mit seinem sich beharrlich in den Kopf fräsenden Refrain hätte ich glatt Foyer des Arts zugeschrieben, dem NDW-nahen Duo von Max Goldt.

Lisa Bassenge 2

Dessen zart-melancholisches „Könnten Bienen fliegen“ ist mit seinen Cure-igen Gothic/Wave-Gitarren sicherlich einer der interpretatorischen Höhepunkte Bassenges, die hier zwischen Schnurren und Fauchen eine neue stimmliche Heimat findet. Ein weiteres Highlight ist die beschwingte oder vielmehr beswingte Version des Berkin’schen „Vagabundenliedes“, die dieses facettenreiche Album abschließt. Davor aber gibt es hier noch ein rockabillyeskes „Dummes Herz“, den erstmals 2007 mit Nylon aufgenommenen Seelenbrecher „Ein Tag, den du magst“ und einen – nicht nur ob seines 6/8-Taktes ziemlich unüblichen – „Apfelbaumblues“, der herrlich trotzig-rotzig daherkommt und uns kokettes Eingeschnapptsein auf höchstem Niveau lehrt. So lob ich mir die neuen deutschen Lieder.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

welche kreatur auch immer da in der tiefe ihre
fäden zieht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lässt vor dem inneren ohr einen tom-waits-waltz vorüberziehen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kleiner und kleiner werdend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

leicht gniedelndes saxophon plus pianokaskaden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wer experimentelles sucht, wird hier nicht fündig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein album, das zeit braucht, sich zu entwickeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unterhaltsam und intelligent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wohltuend aus
der zeit gefallen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein butterweicher, dickbauchiger, glücklich vor sich hinglucksender sound

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

man muss sich ja auch mal festlegen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nehmen kein blatt
vor den mund

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

so lob ich mir die neuen deutschen lieder