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Firmenbericht: Acoustic Solid / Wirth Tonmaschinenbau

Die Kunst des Drehens

Acoustic Solid

 

Februar 2012 / Ralph Werner

Bei dem ganzen Medien-Tohuwabohu um Stuttgart 21 hätte ich mir doch gerne einmal selbst den historischen Bahnhof angeschaut. Doch dann hätte ich entsprechend in den Zug steigen und mal eben schlanke sechs-sieben Stunden für eine Strecke Berlin-Stuttgart einplanen müssen … was mir doch zu mühsam erschien. So bin ich denn geflogen, was einen solchen Tagestrip im Grunde auch erst ermöglicht, und musste statt mit einem denkmalgeschützten Kopfbahnhof mit den Profanbauten des STR, des Stuttgarter Flughafens vorlieb nehmen. Tja, schade eigentlich. Mein Öko-Engel zeigte sich vom gewählten Transportmittel auch nicht recht begeistert, doch der ist eh schon sauer, weil ich meine Endstufen gerne auch mal über Nacht an lasse, da macht das dann den Kohl wohl auch nicht mehr fett. Egal. Was will ich eigentlich in Stuttgart?

Acoustic Solid

Ziel der Reise war gar nicht die baden-württembergische Landeshauptstadt, sondern die unweit gelegene kleine Gemeinde Altdorf, in der die Firma Wirth Tonmaschinenbau ihr Domizil hat. Ein Besuch bei Acoustic Solid (Web: www.acoustic-solid.de) steht auf dem Programm.

Deren Plattenspieler dürften wohl fast jedem Analogfreund ein Begriff sein, und vielleicht ist das schon das erste Bemerkenswerte an dieser Marke: Zwar tut eine 15jährige Firmengeschichte in Sachen Bekanntheitsgrad durchaus gut, doch gibt es da auch noch andere, ältere Hersteller - die dennoch unbekannter sind. Frag nach deutschen Masselaufwerken und ein Name, der häufig fällt, ist Wirth. Eine kurze Taxifahrt vom Airport gen Süden bringt mich zu ihm.

Herr Wirth von Acoustic Solid

Apropos Firmengeschichte: Wie so häufig in der HighEnd-Branche begann es auch bei Acoustic Solid aus dem Hobby heraus. Beruflich zuvor in der Produktion eines Medizingeräteherstellers und danach lange Jahre als technischer Betriebsleiter bei einem Automobilzulieferer tätig, fertigte Herr Wirth 1995 seinen ersten Plattenspieler – für sich selbst und aus purem Spaß an der Freud. In der Metallverarbeitung sehr beschlagen und in der heimischen Anlage schon mit vier Subchassis-Laufwerken gesegnet – da kann man wohl auch gar nicht anders, als sich an einem Masselaufwerk zu versuchen, so zumindest meine Vermutung.

Erster Plattenspieler des Herrn Wirth
Mittig zu sehen: Der erste Plattenspieler des Herrn Wirth

Was ihm zu Ohren kam, als das erste Modell (der spätere „Solid One“) fertig war, gefiel nicht nur ihm, sondern auch dem audiophilen Bekanntenkreis und – nicht ganz unwichtig – seinem damaligen HiFi-Händler, der dann auch gleich mal zwei Exemplare für seinen Laden orderte.

Ein ganz früher Entwurf...
Ein ganz früher Entwurf ...

Und da nun ein Mitarbeiter dort gerade einen Vertrieb für HiFi-Elektronik plante und noch Plattenspieler zur Arrondierung des Portfolios suchte, nahm die Geschichte ihren Lauf. Einem größeren Publikum wurden die Acoustic-Solid-Laufwerke erstmals auf der High End 1997 vorgestellt, und die Resonanz dort und auch in der folgenden Berichterstattung waren so positiv, dass Herr Wirth sich plötzlich 50 Bestellungen gegenüber sah. Da wurde es dann Zeit, eine Drehmaschine in die Garage zu stellen und mit der Arbeit zu beginnen – falsch formuliert: „zu schaffen“, schließlich sind wir hier im tiefsten Schwabenland. Der Beginn einer klassischen High-End-Story ...

Garagenzeiten...
Garagenzeiten...

Die Garagenzeiten sind nun freilich schon lange vorbei, nach einigen Umzügen, Um- und Anbauten – der letzte wurde gerade in 2011 fertiggestellt –, kommt man inzwischen auf circa 350 Quadratmeter Produktionsfläche, auf denen fünf Mitarbeiter nebst einigem anderen so um die 400 Laufwerke pro Jahr herstellen.

Wirth Tonmaschinenbau
Rechtzeitig vorm Wintereinbruch noch fertiggestellt: Eine weitere Vergrößerung der Produktionsfläche bei Acoustic Solid

Man ist stolz auf die hohe Fertigungstiefe, denn nur so könne man konstant hohe Qualität liefern, sagt Herr Wirth. Und zu diesem „ganzheitlichen“ Ansatz gehört wohl auch, dass man Marketing und Vertrieb der eigenen Produkte ebenfalls selbst besorgt, nachdem sich anfänglich (bis 2001) der seinerzeitige Ortofon-Deutschlandvertrieb um die schwäbischen Schwermetaller bemüht hatte. Nun ist für Acoustic Solid freilich nicht nur das Inland wichtig, sondern – wie üblich bei vielen deutschen Unternehmen, zumal im „Maschinenbau“ – auch das Exportgeschäft: Dies ist inzwischen sogar für 70% des Umsatzes verantwortlich. In 30 Länder werden die Plattenspieler exportiert, die wichtigsten sind: Japan, Korea, Russland, Italien und Vietnam.

Wo gedreht wird fliegen Späne ...
Wo gedreht wird, fliegen Späne ...

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der öko-engel ist
eh schon sauer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

populär?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

da kann man wohl auch gar nicht anders, als sich
an einem masselaufwerk
zu versuchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wie die geschichte ihren lauf nahm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

stolz auf die eigene fertigungstiefe