fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Messe-Bericht: High End 2011 in München

Kein Twen mehr

High End 2011

 

Mai 2011 / Jörg Dames und Ralph Werner

Neunzehnhundertzweiundachtzig kamen erstmals 20 Aussteller zusammen, die unterm Signet „High End“ hochgezüchtete HiFi-Anlagen präsentierten. Diese sehr kleine Messe fand parallel zur deutlich größeren „HiFi-Video“ in Düsseldorf statt, welche den High-End-Initiatoren als „Messe der Masse“ und „Tummelplatz großer Marken“ High End 1982galt und insbesondere nicht die Möglichkeit bot, dem HiFi-Enthusiasten gut und gute Musik vorzuspielen.

Schon im Jahr darauf ging es nach Frankfurt - seinerzeit die geografische Mitte der Bundesrepublik - ins Hotel Kempinski, dem man bis ins Jahr 2003 die Treue hielt. So lange, bis es einfach nicht mehr ging: Schlicht zu viele Aussteller wollten am Erfolgsmodell High End teilnehmen, zu viele zumindest für die Kapazitäten des Kempinskis. Folglich ging es vom Main an die Isar, nach München ins M,O,C,, in dem die High End vom 19. bis 22. Mai dieses Jahr nun schon zum achten Mal ausgerichtet wurde.

Nun wollen wir nicht mit überlangen historischen Exkursen langweilen, aber doch kurz festzustellen: Die Messe High End ist heuer dreißig Lenze geworden. Herzlichen Glückwunsch, so lange muss man sich erst einmal behaupten! Und zudem erfolgreich behaupten, von einer anfänglich sehr kleinen und belächelten Veranstaltung hat sich die High End zu Europas bedeutendster Messe unserer Branche gemausert, ja, nicht wenige sagen sogar, sie sei heutzutage wichtiger als die CES in Las Vegas. Das sich damit der Charme der Messe von „klein, freakig, gemütlich“ zu „international & businessmäßig“ verschoben hat, liegt auf der Hand - aber das muss ja nichts Schlimmes sein, schließlich gibt es regional schon ein paar „gemütliche“ Veranstaltungen, da ist’s doch gut, wenn national ein größeres Rad gedreht wird, oder nicht? Wie auch immer: fairaudio war natürlich wieder vorort, wie stets auf der Suche nach interessanten highfidelen Neuigkeiten ...

High End 2011

Als solche dürfen die Objekte, die die Herren Thomas Blumenhofer (Entwicklung) und Andrea Vitali (Marketing & Sales) von Blumenhofer Acoustics (www.blumenhofer-acoustics.de) mit im Gepäck hatten, allemal gelten, und da es in audiophilen Zirkeln durchaus auch schon mal um schiere Größe und Wildheit gehen darf, bittesehr:

Blumenhofer Acoustic Wiki - seitlich betrachtet

So sieht, seitlich betrachtet, das gefaltete, circa viereinhalb Meter lange Basshorn des Blumenhofer-Lautsprechers „Wiki“ aus, eines Zweiweglers der üppig dimensionierten Art. Den Namen verantwortet übrigens Frau Blumenhofer, die ihren Gatten eines Tages in den Tiefen dieses Hornes steckend antraf und fragte, ob er nun tatsächlich gedenke, Wikingerschiffe nachbauen zu wollen ... Nun, die drei „Segel“ des Schiffes, von vorn‘ schauen sie so aus:

Blumenhofer Acoustic - Wiki-Prototyp
Andrea Vitali von Blumenhofer mit Prototyp der „Wiki“

Nummer 1 ist für den Hochton zuständig, es wird von einem Druckkammertreiber mit 75-mm-Berylliummembran angetrieben, Nummer 2 ist das Fronthorn vorm 38-cm-Bassmitteltöner, der aber eben auch - backloaded - genanntes 4,5-m-Basshorn (3) beglückt. Wem der Aufbau nicht potent genug erscheint, dem stehen optional auch noch zwei Eckhörner zwecks Druckbeatmung im Untergeschoss zur Verfügung. Fragen nach dem Preis beantwortete Herr Vitali übrigens mit einem entschiedenen „Ach, naja …“ inklusive konziliantem Lächeln, was der Autor dieser Zeilen frei mit „ganz deutlich im sechsstelligen Bereich“ übersetzt. Verrückt. Zu erleben war die Verrücktheit aber (leider) nicht auf der Messe, sondern bei Blumenhofers selbst - ein abendlicher Shuttelbus München/Walkertshofen fuhr ausgesuchte Interessenten zum Hornglück in den Wald (siehe auch Firmenbericht Blumenhofer).

Blumenhofer Acoustic - Plakat Wiki

Deutlich mehr auf dem Teppich geblieben, wenn auch alles andere als konventionell ausschauend, gab sich die zweite Messeneuheit von Blumenhofer Acoustics.

Blumenhofer Acoustic - Gran Gioia

Die Gran Gioia - italienisch für „Große Freude“ - ist das erste Modell der neuen Gioia-Lautsprecherserie, die sich im Portfolio dieser deutschen Horn-Manufaktur oberhalb der bisherigen beiden Linien Fun und Genuin (siehe Testbericht Genuin FS 3) ansiedelt. Auch hier findet - wie bei der Wiki - ein 38-cm-Bass-Mitten-Treiber Verwendung, der frontseitig ins Horn bläst, rückseitig allerdings nicht an ein Backloaded-Horn gekoppelt ist, sondern auf ein Bassreflex-ventiliertes Volumen (mit Öffnung Richtung Boden) arbeitet.

Blumenhofer Acoustic - Gran Giogi mit Field Coil-Bestückung

Der Treiber sei eine Eigenentwicklung in „Zusammenarbeit mit einer deutschen Firma“, dessen Papiermembran von einem derart starken Antrieb bewegt werde, dass das Chassis „noch schneller als der sowieso schon hervorragende 38er von TAD“ sei, schenkt man Andrea Vitali Glauben. In den höheren Lagen schiebt ein 75-mm-Druckkammertreiber (mit einer selbst entwickelten und abgestimmten Druckkammer natürlich, wie üblich bei Blumenhofer) Dienst. Für 45.000 Euro ist diese Preziose zu haben - kein Kleingeld, aber wer davon doch noch etwas mehr übrig hat, könnte auch zu einer Variante des Lautsprechers mit „Field-Coil-Bestückung“ tendieren, also zu Chassis, die keinen Permanentmagneten verwenden, sondern einen - stärkeren - Elektromagneten, um so dann langsam die 70-kEuro-Schwelle zu nehmen. Die Gioia-Serie wird ausgebaut, als nächster Lautsprecher ist ein Modell geplant, das preislich deutlich unter dem hier vorgestellten liegt.

Chassis mit Elektromagnet
Chassis mit Elektromagnet

Bleiben wir bei Lautsprechern, kommen aber in ganz andere, erschwingliche Preisgefilde ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

historisches ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und aktuelles

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schiere größe
und wildheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

verrückt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

blumenhofers
große freude

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eine frage
der treiber