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leserBericht: Hörerfahrung Netzfilter Solitär Audio
Jerry's Sound Laboratory Tonstudionetzfilter NT 16 MKII

Von Netzen und Filtern

Solitär Audio Netzfilter

von Thomas Beierlein

Als mir vor einiger Zeit ein Netzfilter zum Testen angeboten wurde habe ich dem eher widerwillig zugestimmt. Zu viel Negatives hatte ich von derartigen "Klangaufpolierern" gelesen. Sie nähmen zu viel Drive aus dem Klanggeschehen und machen es eher träge als sauber - soweit die bis dato gültige Meinung. Zudem wird diese Art von Geräten gerne in die Voodoo- Ecke verwiesen - nicht selten mit dem Hinweis, dass sie ohnehin zu teuer seien und nicht wirklich einen Effekt erzielen. Deshalb habe ich persönlich bisher immer einen großen Bogen um derartige Komponenten gemacht und das gesparte Geld lieber in einen besseren Verstärker oder eine andere, hochwertigere Komponente gesteckt. Nein, einen Netzfilter hatte ich so gesehen nicht auf meiner Wunschliste stehen.

Solitär Audio Netzfilter hinten

Als dann der Filter von Jerry´s Sound Laboratory mit der Bezeichnung "Tonstudionetzfilter - NT 16 MK II" bei mir eintraf war ich doch etwas überrascht: Sauberes Aluminiumgehäuse, dicke Netzzuleitung, schwerer Schuckostecker und eine solide Anschlussdose - alles mit erkennbarer Markierung zum phasenrichtigen Anschließen - machten auf den ersten Blick schon mal einen guten Eindruck und stammen allesamt nicht von der Grabbelkiste aus dem Baumarkt (ein weiteres Klischee, das gerne in Bezug auf die Voodoo- Gerätschaften bedient wird: Billig im Baumarkt einkaufen und unter eigenem Label teuer weiterverkaufen). Ein kleiner Umschalter für die Einstellungen "Normal Filter", "Fine Filter" sowie "Intensive Filter", zwei Sicherungen und eine an der Front angebrachte blaue LED runden das Bild ab. Schön, dachte ich, dann kostet das Teil gewiss so um die 250 Euro. Eine kurze Nachfrage erbrachte aber die nächste Überraschung: Der NT 16 MKII wird gewöhnlich in der Bucht (also bei ebay) für etwa 90 Euro gehandelt. Unter diesen Umständen war ich dann doch dazu geneigt, dem kleinen Filter einmal eine Chance an meiner Kette zu gewähren.

Solitär Audio Netzfilter Detail

Vorab aber las ich mich noch ein wenig in die Materie ein, um herauszufinden, wann ein solcher Filter sinnvoll eingesetzt werden kann. Das Ergebnis: Wie es der Name in der Typenbezeichnung ja schon andeutet, findet er in der Regel in einem Tonstudio und dort bevorzugt vor den Mischpulten seinen Einsatzbereich. Notwendig sind solche Filter in einem derartigen Umfeld durchaus, da es eine Menge an Geräten gibt, die eine enorme Menge an Störungen - bevorzugt an die Netzleitung - abgeben und dadurch eine Aufnahme gewaltig beeinträchtigen könnten. Um einer solchen Störung wirkungsvoll entgegen zu treten schaltet man ein Netzfilter vor die Aufnahmegeräte. Im HiFi Umfeld allerdings werden solche Filter nicht nur aus bereits oben genannten Vorurteilen abgelehnt, man spricht ihnen sogar eine wirkungsvolle Funktion ab, weil ein derartiger Filter zur Entstörung bereits in allen Geräten verbaut sein muss, die ein CE Siegel tragen.

Solitär Audio Netzfilter innen

Ein Aufschrauben des Gerätes brachte dementsprechend eine Drossel, ein paar Kondensatoren und einen Vorwiderstand samt Brückengleichrichter für die LED, sauber auf einer kleinen Platine angeordnet, zu Tage. 2/3 des Gehäuses bleibt allerdings leer - vielleicht gibt es ja noch weitere Ausbaustufen dieses Filters.

 

Ascendo
Stereokonzept

 

Meiner Anlage vorgeschaltet habe ich einen ersten Probelauf mit dem Filter gewagt. Um eine für mich vermeintlich bessere Vorraussetzung für die Wirksamkeit des Filters zu schaffen wählte ich als Tonquelle einen iMac, der an derselben Netzleiste wie die Vor- Endstufenkombination per zwischen geschaltetem Filter angeschlossen war. Das Ergebnis war ernüchternd: Man hörte nach Entfernen des Filters keinen Unterschied. Dabei war es egal, ob man nun den Mac oder einen beliebigen anderen CD- Spieler anschloss. Der Effekt war immer gleich Null. Einigen Besuchern, die mich im Laufe der Testphase besuchten, habe ich den Filter "vor gespielt", und auch hier war man sich bis auf einmal bei einer sehr geringen Kleinigkeit, die man dem Autosuggestionsbereich zuschreiben kann, darüber einig, dass man keinen Unterschied ob mit oder ohne Filter heraus hören kann.

Das war ernüchternd und relativierte die Eingangs erwähnte Befürchtung, man schadet dem Klang mehr als dass man ihm mit einem solchen Gerät nützt. Allerdings hilft es ihm auch nicht auf die Sprünge.

Solitär Audio Netzfilter innen Detail

In einem weiteren Probelauf habe ich die HiFi- Kette mit vor geschaltetem Filter in allen möglichen und unmöglichen weiteren Netzkreisen eingesetzt und nahezu alle in einem Haushalt vorkommenden Verbraucher teilweise sogar gleichzeitig laufen lassen. Abgesehen davon, dass man bei einer laufenden Waschmaschine im Schleudergang und einem nervendem Föhn ohnehin keine wirklich Lust auf Musik hören hat konnte auch hier kein relevanter Vorteil ausgemacht werden. Übrigens werden auch die Knackser, die durch einen in der Netzleitung geschalteten Kühlschrank verursacht werden, nicht weggefiltert sondern eher noch verschlimmert.

Um es also kurz und bündig abzuschließen: Ein solcher Filter ist im Tonstudiobereich in einem weitaus empfindlicheren Umfeld an Geräten sicher gut und sinnvoll aufgehoben aber an einer HiFi Anlage sollte man das Gerät bei Bedarf ernsthaft vorher ausprobieren. Wenn es dann einen sinnvollen und vor allem hörbaren Effekt erzielt spricht alleine schon wegen des Preises nichts gegen einen Einsatz des Filters in den eigenen vier Wänden. In allen anderen Fällen allerdings sind die 90 Euro in CDs besser investiert.

Im Test:

Vollverstärker:
Dussun V8

Audiochina GmbH
www.dussunpower.org

UVP: 1.200 EUR


 

Equipment:

Quelle:

Audiomeca Obsession II
Creek Destiny

Verstärker:

Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C

Lautsprecher:

Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta

Kabel:

NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF

LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema