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Juli 2011 / Frank Hakopians
Ein Vollverstärker! Diese Gerätegattung habe ich seit Mitte der 1990er Jahre so ziemlich außen vor gelassen. Warum? Genau weiß ich es eigentlich auch nicht.
Es mögen wohl die landläufigen Begründungen sein, wie die doppelt vorhandene und damit aufwändigere, bessere Stromversorgung der Einzelkomponenten einer Vor-/Endkombi. Oder die getrennten Gehäuse, die Funktionsgruppen vor Einstreuungen untereinander besser schützen. Nicht zuletzt wohl auch ein gewisser Prestigegewinn, der den Einzelkämpfern gegenüber den integrierten Lösungen anhaftet. Doch gibt es auch positive Aspekte eines integrierten Verstärkers: Zu nennen wären der gewiss kürzere Signalweg, die eingesparten NF-Kabel und die optimale Anpassung der Bauteilgruppen des Verstärkers aneinander. Wie auch immer, jetzt hat das Schicksal ja zugeschlagen in Form eines Heed-Obelisk-Si-Vollverstärkers.
Ein Vollverstärker? Der Heed kommt nicht allein. Vielleicht hätte ich die freundliche, die Lieferung ankündigende E-mail besser zweimal lesen sollen. Dann hätte ich wahrscheinlich gewusst, was sich in dem zweiten, einem eineiigen Zwilling des ersten nicht unähnlichem Karton verbirgt, den Stefan Becker, Chef des B&T Hifi-Vertriebs (www.bt-vertrieb.de), in meinen Hörraum wuchtet. Doch zunächst keimt noch die leise Hoffnung auf, es möge doch alles ein Missverständnis sein und natürlich befände sich eine Vor-Endstufenkombination in den beiden Kartons. Aber Herr Becker belehrt mich eines Besseren.

Es handelt sich tatsächlich um einen Heed-Obelisk-Si-Vollverstärker. Die andere Verpackung enthält das Zusatznetzteil Obelisk X2. Damit ist der Vorteil einer Platz sparenden Eingehäuselösung natürlich dahin, wenn man das als Vorteil betrachten will. Aber ein doppelt so kräftig ausgelegter Trafo und eine erkleckliche Summe an zusätzlicher Siebkapazität, das passt ganz gut in mein hifideles Weltbild. Als mir Herr Becker auch noch erklärt, dass nach Anschluss des Zusatznetzteils der bereits im Obelisk verbaute 150-Watt-Ringkerntrafo sich nun alleine um die Vorstufensektion kümmert, während das externe Netzteil mit seinem 300 Watt leistenden Trafo, ebenfalls einem Ringkerntyp, sich völlig auf die Versorgung der Endstufe konzentriert, dämmert es mir langsam, dass es sich hier nicht um einen der handelsüblich-simplen Feld-,Wald- und Wiesenverstärker handelt.

Die beiden Probanden, der Vollverstärker Obelisk Si und das Netzteil X2 stehen mit 1.290 Euro beziehungsweise 799 in der Preisliste. Wer sofort beide Geräte anschafft erhält einen Kombinationspreis und zahlt so nur 1.949 Euro.
Gefertigt werden die Heeds in Ungarn. Da die Historie der Komponenten bereits anlässlich eines Tests der Obelisk Vor-Endstufenkombination im Mai 2010 in fairaudio ausführlich dargestellt wurde, bitte ich, bei Interesse dort nachzulesen.
Ausgepackt stehen zwei Quader von genau 22 x 8,5 x 32,3 cm vor mir. Die Gehäuse aus schwarzem Stahlblech mit Acrylfront machen einen soliden und gediegenen Eindruck. Nichts von Garagenbastelbude. Der Vollverstärker gibt sich mit zwei großen runden Bedienelementen aus Aluminium zu erkennen - Quellenwahl und Lautstärkeregler. Die erste Stufe des Eingangswählers dient als Mute-Funktion - die jeweilige Reglerstellung wird durch eine, angenehmerweise nicht zu hell leuchtende, blaue LED markiert. Das Netzteil hat, außer einer Betriebskontrollleuchte, keine Bedienelemente auf seiner Front. Der Netzschalter befindet sich, ebenso wie beim Obelisk Si, auf der Rückseite.
Der Vollverstärker bietet in seiner Grundversion rückseitig fünf Hochpegelquellen über klassengemäße Cinchbuchsen Zugang. Die Vorstufensektion entlässt bei Bedarf ihr Signal über einen entsprechenden Ausgang. So kann beispielsweise eine zusätzliche, sich im Programm des Vertriebs befindliche Stereoendstufe angeschlossen werden, was den Obelisken zu echtem Bi-Amping befähigt. Alternativ lässt sich dieser Ausgang mittels internem Jumper auch als Tape-Ausgang konfigurieren. Intern gibt es noch Platz für ein optionales Phono- oder Wandlerboard. Allerdings sind diese bei meinem Gerät nicht verbaut und entziehen sich daher meinen Betrachtungen.
Neben den als Schraubterminals, welche auch Bananensteckern problemlos Anschluss gewähren, ausgeführten Lautsprecherausgängen und einer Erdungsklemme gibt es noch einen vierpoligen Anschluss, welcher im Urzustand mit einem Abschlussstecker versehen ist. Will man das Zusatznetzteil in Betrieb nehmen, muss der Stecker raus und das Netzteil wird genau hier mit dem Obelisk verbandelt. Dabei bleibt das Netzkabel des Vollverstärkers eingesteckt, da die Vorverstärkersektion über den internen Trafo ja weiter mit Strom versorgt werden muss. Die Endstufenabteilung darf sich jetzt aber durch den Ringkerntransformator des externen Netzteiles X2 besser versorgt wissen. Dazu später mehr.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Es gibt eine Fernbedienung. Nichts Handschmeichlerisches, sondern Plastik im Checkkartenformat. Sie dient einzig der Lautstärkeeinstellung. Quellenwahl und Muting müssen weiter am Gerät vorgenommen werden. Anders wäre es bequemer, aber wegen der guten Anfassqualität der Bedienelemente beschwere ich mich nicht. Der Heed Obelisk in der Si-Version leistet solo 35 Watt an 8 Ohm und derer 60 an 4 Ohm. Gepusht durch das Zusatznetzteil sind es schon etwas üppigere 50 Watt an 8 Ohm beziehungsweise 80 Watt bei halbierter Impedanz.

Wir haben es also nicht mit einem richtiggehenden Leistungsmonster von Verstärker zu tun. Eher schon mit einem der Understatementklasse. Ob durch die Art der Verstärkerschaltung, einem nicht DC- gekoppeltem Schaltungskonzept, wirklich eine Ähnlichkeit zu den in der Produktbeschreibung erwähnten Röhrenwatt besteht, welche nach „allgemeiner HiFi-Logik“ doppelt zu zählen sind, wird sich zeigen. Ich würde trotzdem dazu raten, bei der Lautsprecherauswahl auf Wirkungsgradzwerge und Impedanztiefstapler nahe der Kurzschlussgrenze zu verzichten. Wenn es dann passt, soll ja, so der legendäre Nelson Pass, das allererste Watt für die Klangqualität eines Amps verantwortlich sein. Hoffen wir also, dass sich von den 35 respektive 50 Watt des Obelisk zumindest eines bemüht sieht, akustisch Großes leisten zu wollen ...

Vollverstärker:
Dussun V8
Audiochina GmbH
UVP: 1.200 EUR
Equipment:
Quelle:
Audiomeca Obsession II
Creek Destiny
Verstärker:
Accuphase E-212
Classic 6.6
Creek A 50i
Lua 4040C
Lautsprecher:
Thiel CS 2.4
ZU Druid mk4
Sehring 703 SE
Spendor S3/5
Sonics Argenta
Kabel:
NF: Straight Wire Virtuoso, Zaolla Reinsilber NF
LS: Ortofon SPK 500, Straight Wire Rhapsody, HMS Al Cinema